Michelberg-Gymnasium Geislingen Oberbürgermeister spricht von Desaster

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Weil die Sanierung des Michelberg-Gymnasiums komplett fehlgeschlagen ist, muss der Schulbetrieb vermutlich bald in Containern stattfinden.

Saniert und doch marode: das Schulgebäude kann nicht genutzt werden. Foto: Michael Steinert/Archiv
Saniert und doch marode: das Schulgebäude kann nicht genutzt werden. Foto: Michael Steinert/Archiv

Geislingen - Das Sanierungsdrama um das teilweise einsturzgefährdete Geislinger Michelberg-Gymnasium geht in die nächste Runde. Ein jetzt vorliegendes Gutachten zeigt offenbar das ganze Ausmaß von Pfusch am Bau sowie Rechen- und Planungsfehlern für die im Jahr 2016 abgeschlossene 21 Millionen Euro teure Sanierung der Schule, die eigentlich ein ökologisches Vorzeigeprojekt hätte werden sollen. Details aus dem Gutachten möchte die Stadtverwaltung allerdings keine nennen – wegen schwebender Verfahren. Die Kommune, die eine Schadensersatzklage vorbereitet, wolle ihre Erfolgsaussichten vor Gericht nicht gefährden, heißt es in einer Stellungnahme.

Die Lage muss neu bewertet werden

„Die schlimmsten Befürchtungen sind eingetreten und erfordern eine komplette Neubewertung der Sachlage“. Diesen Schluss zieht der Geislinger Oberbürgermeister Frank Dehmer aus dem Gutachten. Von mangelnder fachlicher Sorgfalt, Planungs- und Ausführungsfehlern rund um die Statik, die Fassade und die technischen Anlagen sei im Gutachten die Rede. Nahezu alle Gebäudeteile der Schule seien betroffen.

Bereits im vergangenen Herbst musste der einsturzgefährdete Längsbau mit zwölf Klassenzimmern für naturwissenschaftliche Fächer und Bildende Kunst gesperrt werden, weil die Tragfähigkeit des neuen Absorber-Kollektoren-Dachs nicht mehr garantiert werden konnte. An drei Stahlplatten waren an unterschiedlichen Stellen Abrisse festgestellt worden. Als Ursache standen starke Temperaturschwankungen in diesem Bereich zur Debatte, die von den Planern nicht ausreichend berücksichtigt worden seien. Der Schulunterricht wurde der Sperrung wegen in Container und in eine Nachbarschule ausgelagert.

Der Schulbetrieb muss vermutlich bald in Containern stattfinden

Vermutlich wird künftig der gesamte Schulbetrieb übergangsweise in Containern stattfinden müssen. Bis es soweit sei, könne der Unterricht im noch offenen Teil der Schule aber weitergehen. Eine Gefahr bestehe nicht, erklärte Dehmer.

Eigentlich hätten die bisher bekannt gewordenen Mängel rund um den Brandschutz sowie die Heizungs- und Lüftungsanlage zeitnah beseitigt werden sollen. Nun stelle sich heraus, dass „nahezu der komplette sanierte Bereich im Prinzip erneut saniert werden muss. Das ist für uns alle ein Schlag ins Gesicht“, erklärte der Oberbürgermeister. Die Stadt brauche einen neuen Masterplan, der nach den Sommerferien im Gemeinderat beschlossen werden solle.

Der Oberbürgermeister erwägt derzeit keinen Abriss

Von der Sanierung der Sanierung über den Rückbau zum veredelten Rohbau bis zu einem möglichen Neubau müssten alle Optionen geprüft werden. Im vergangenen Jahr war beim Bekanntwerden der ersten Mängel auch ein Abbruch des Gebäudes ins Gespräch gebracht worden. Dieser steht für den Oberbürgermeister aber nicht zur Debatte: „Wir erwägen derzeit keinen Abriss, weil wir noch in der Prüfung der Untersuchungsergebnisse sind. Wir werden in der Gesamtschau aller bislang gemachten Untersuchungen mit dem Gemeinderat eine Entscheidung treffen. Dabei sollen alle Optionen ergebnisoffen geprüft werden – so der Wunsch des Gemeinderats.“

Das Sanierungsdrama ist für die Stadt ein wirtschaftliches Desaster

Die fehlgeschlagene Sanierung sei für die Stadt ein wirtschaftliches Desaster, erklärte Frank Dehmer. Bereits während des zweijährigen Umbaus war der für die Sanierung engagierte Siegener Architekt Horst Höfler im Geislinger Gemeinderat massiv in die Kritik geraten, da die ursprünglich mit 13,1 Millionen Euro veranschlagten Kosten immer weiter stiegen – auf zuletzt 21 Millionen Euro. Dazu kommen 400 000 Euro für die Miete der bisher genutzten Container, für die Rechtsberatung, das Gutachten und eventuelle weitere Beratungen rechnet der Oberbürgermeister mit Kosten im niedrigen sechsstelligen Bereich.