Die an der Eingangstür verkündete „Modern Greek Cuisine“ finde man tatsächlich in dem „geschmackvoll-charmanten Restaurant“ der Eheleute Malathounis vor, bescheinigen die Tester des Guide Michelin dem Restaurant in Kernens Ortsteil Stetten. „Filigran und mit mediterraner Leichtigkeit kommen die Gerichte daher.“ Wohldosiert bringe der Patron Joannis Malathounis Aromen aus seiner griechischen Heimat mit ein. Herzlich umsorgt werde man von Chefin Anna Malathounis, schwärmen die Michelin-Kritiker. „Sie empfiehlt Ihnen auch gerne einen der schönen Weine aus Griechenland.“
Der Stern leuchtet seit fast zehn Jahren
Seit knapp zehn Jahren ziert der Michelin-Stern das Restaurant in einem Wohngebiet, an dessen Stelle vor gut 30 Jahren die altehrwürdige Weinstube Bayer eher edel Schwäbisches präsentiert hat. Und jener erste Stern, sagt bei einem entspannten Gespräch am montäglichen Ruhetag der Wirt und allein am Herd waltende Küchenchef, sei einst eine Phase gewesen, in der das Restaurant an der Stettener Gartenstraße fast in Schieflage geraten wäre. „Plötzlich sind viele der Gäste weggeblieben. Wir hatten keine Ahnung, warum“, sagt Malathounis. Denn am gastronomischen Angebot hatte sich anno 2014 durch den unverhofften Sternenglanz ebenso wenig geändert wie an der Preisgestaltung für Menüs und Gerichte.
Mit der Zeit hat sich das wieder eingerenkt. Und eine längerfristige Folge des natürlich mit Freuden angenommenen Gastrosterns wurde offenbar: Die Gäste kommen seitdem vermehrt auch aus etwas ferneren Gefilden. Das ist gut für ein Sternelokal, das an einem nicht wirklich für Laufkundschaft geeigneten Ort in einer Wohnumgebung beheimatet ist.
Im Ochsen in Stetten hat es einst gefunkt
Unverhofft war der Stern allemal. Zu Beginn habe man die jungen Wirtsleute selbst in Stetten nicht so richtig ernst genommen, berichtet die Gastronomin Anna Malathounis. So jung mache man sich eigentlich nicht selbstständig, habe es geheißen. Sie war bei der Eröffnung vor 30 Jahren gerade 22 Jahre alt. Kennen gelernt hatten sich das Paar kurz zuvor im Ochsen in Stetten, wo beide zu Beginn der 1990er beschäftigt waren, berichtet derweil Gatte Joannis, der Koch mit den geschmacklich unverkennbaren griechischen Wurzeln. Der Besitzer der damaligen Weinstube Bayer sei damals auch manchmal im Ochsen gesessen und habe irgendwann einfach gefragt, ob sie nicht sein Wirtshaus übernehmen wollten. Sie wollten, aber, erinnert sich Joannis Malathounis an den ungestümen Start in die Selbstständigkeit: In den ersten Jahren sei das Gastroprojekt Malathounis immer „Kippe auf Kante“ gestanden.
Gebeizter Schwertfisch samt Krustentier-Vinaigrette und Sevruga-Kaviar steht nun im Jubiläumsmenü auf der Karte, gefolgt von Kabeljau im Noriblatt an Lauch, Kürbis und schwarzem Knoblauch, dann nach griechischer Art geschmorte Kalbsbacke, Feta und Ricotta an Spargel, Zitronencreme und Kalamataoliven und als Abschluss Walnuss-Baklava. Das sei quasi ein „Best-of aus 30 Jahren Malathounis“, sagt der Küchenchef schmunzelnd, der sich nach wie vor auf keine bestimmte Küche festlegen lassen will.
Das Restaurant stehe unverändert für herzlichen Service und eine Küche mit Charakter, betont das Gastronomenehepaar, das trotz des in diesem Jahr anstehenden 60. Geburtstages des Küchenmeisters durchaus noch einige Jahre weiter machen will. Die Bedingungen hätten sich – nicht nur durch die Coronapandemie – in den vergangenen Jahren aber durchaus verändert. Etwa mit einem „fürchterlichen Anwachsen der Bürokratie“ sowie einschränkenden und belastenden Vorgaben für den Betrieb. Aber auch durch Veränderungen im Verhalten eines kleinen Teils der Kundschaft mit unpassenden Erwartungen und Aggressivität. Dazu kämen explodierenden Kosten in allen Bereichen, die schlicht nicht auf die Preise übertragen werden könnten.
Andererseits: „Wer zu uns kommt, der sollte wissen, was ihn erwartet“, meint Menükreateur Joannis Malathounis und verweist auf die Menükarte im Internet. Da werde es auch künftig alle vier, fünf Wochen den gewohnten Wechsel geben.
Wo Michelinsterne im Rems-Murr-Kreis locken
Fellbach
Die Fellbacher Leuchtkraft am Gastro-Sternenhimmel ist im Verlauf der vergangenen zwei Jahre etwas verblasst. Nachdem Armin Karrer mit dem Hirschen nicht mehr im Reigen der Sterneköche dabei ist und die zwei Sterne des Goldberg unter Philipp Kovacs auch nicht mehr leuchten, ist Oettinger’s Restaurant in Schmiden der aktuell einzige Betrieb mit einem Michelinstern. „Französisch, modern, ländlich“ steht zur gastronomischen Einsortierung mit dabei.
Waiblingen
In Waiblingen wird die Küche von Bernd Bachofer vom Michelin mit „kreativ-freundlich“ umschrieben. Der Patron habe einen eigenen Stil „mit deutlichen und sehr stimmigen Einflüssen der großen asiatischen Küchen“.
Schorndorf
Direkt nach seinem Start in der Schorndorfer Höllgasse ist auch Nico Burkhardt mit seinem Gourmetrestaurant des Boutiquehotels Pfauen in die Riege der Sterne-Betriebe aufgenommen worden. Mit eigenem Stil und reichlich Details bereite der Küchenchef „ausgezeichnete Produkte modern und filigran zu“, hieß es dazu im Restaurantführer.