InterviewMichi Beck und Thomas D. im Gespräch Was ist das Schwäbische an den Fantastischen Vier?

Von Anja Wasserbäch 
1997 haben Sie das Medienhaus in Heslach eröffnet. Ihre Plattenfirma residierte im obersten Stock mit Blick ins Hallenbad. Haben Sie aus der Not eine Tugend gemacht?
Michi Beck: Eigentlich war unser Manager Bär schuld. Er dachte groß und viel weiter als wir damals. Wir hatten schon Lust, etwas Eigenes zu machen. Ein Ort wie das Medienhaus, an dem Kreative zusammen kommen, hat gefehlt in der Stadt.
Was ist das Schwäbische an den Fantastischen Vier?
Thomas D: Wir sind selten mit uns zufrieden. Das ist so „Wenn i nix sag, isch des Lob g’nug“ -mäßig. Bei uns gibt es viel Eigenkritik. Das halte ich für einen schwäbischen Zug. Wir sind nicht unbedingt sehr fleißig. Aber wir haben eine gewisse Beständigkeit.
Michi Beck: Gründlich sind wir nicht, wir lassen es auch mal schleifen und sind nicht durchstrukturiert. Aber wir haben einen Geschäftssinn, was uns auch mit unserem Manager eint. Und jeder hat ein Pflichtbewusstsein. Vielleicht ist das eine schwäbische Tugend.
Mussten Sie sich den schwäbischen Dialekt abtrainieren?
Thomas D.: Oh ja. Als ich in der letzten Klasse in der Grundschule von Ditzingen nach Gerlingen gezogen bin, haben meine neuen Freunde mich schlecht verstanden. Mein Ditzinger Schwäbisch war so urig, dass mich selbst die Gerlinger nicht verstanden haben.
Michi Beck: Wenn man die „Jetzt geht’s ab“ einlegt, hört man Thomas Dialekt noch deutlich raus. Mein Vater war Superschwabe, meine Mutter kam aus Essen. Ich habe nie wirklich schwäbisch gesprochen. Mein Bruder schwäbelt sehr. Man braucht wohl ein gewisses schwäbisches Gen, um richtig schwäbeln zu können.

„Papa, das hast du gut gemacht.“

Können Sie sich noch an Ihr erstes Konzert erinnern, das Sie in der Schleyerhalle als Gast gesehen haben?
Thomas D.: Peter Gabriel. Das war meine Initialzündung. Da wusste ich, das ist mein Platz da oben. Der hat gekühlte Getränke, frische Luft, alle schauen ihn an. 1993 standen wir zum ersten Mal dort auf der Bühne.
Michi Beck: Mein erstes Konzert dort war tatsächlich James Brown, das war leider kein besonders großer Erfolg. Er war schon ziemlich alt und hat die ganzen super groovy Songs viel zu schnell gespielt. Zuvor war ich mal in Böblingen bei den Commodores, mein allererstes Konzert war allerdings Supertramp im Wildparkstadion in Karlsruhe.
Heute verkaufen Sie die Schleyerhalle mehrmals nacheinander aus. Wann haben Ihre Kinder realisiert, dass der Papa einen komischen Beruf hat und auf der Straße erkannt wird?
Thomas D.: Mein Sohn hat bisher alle Konzerte verschlafen. Meine Tochter hat nach einem Konzert in der Schleyerhalle gesagt: „Papa, das hast du gut gemacht.“ Ziemlich großes Lob für eine Halbschwäbin. Da wusste sie, dass da was mit dem Vater und seinen Freunden dran sein muss. Als ich mal im Legoland in Berlin Autogramme geben musste, fragte mich meine Tochter: „Kennst du die?“ Da fragte sie sich schon, dass da was anders ist. Heute ist das normal.
Michi Beck: Bei mir kommen natürlich noch die Fernsehauftritte dazu. Für die Neunjährige ist es eher spannend, dass ich bei „The Voice“ bin.
Sie durften zum zehnjährigen Jubiläum der Band nicht auf dem Schlossplatz spielen. Der Blumen wegen…
Thomas D.: Da ist in unseren Köpfen Gras drüber gewachsen.
Michi Beck: Dafür reißen sie jetzt Bäume für einen neuen Bahnhof ab.
Sie haben sich für den Grünen Rezzo Schlauch als Bürgermeister eingesetzt, es wurde dann doch Wolfgang Schuster.
Michi Beck: Ja, dann sind wir eben gegangen. Dieser Weggang mit Four Music hatte schon auch etwas mit der Wahl zu tun. Rezzo Schlauch hatte sich für andere Kultur neben der Hochkultur eingesetzt. Da war ein großes Interesse da. Wir hatten die Hoffnung, dass da etwas passiert. Dass Künstlerwohnungen subventioniert werden, dass Labels unterstützt werden. Als das eben nicht passiert ist, und Schuster gewonnen hatte, mussten wir eben der Kunst hinterher ziehen. Wir wollten den nächsten Schritt gehen und sind mit der Firma nach Berlin. 2002 gab es noch viel Wohnraum in Mitte und Kreuzberg, alles war billiger und zog, zieht immer noch Künstler aus der ganzen Welt an.
Die Fantastischen Vier gibt es bald 30 Jahre. Wie lange dann noch?
Michi Beck: Weitere 30 können wir ausschließen. Jetzt feiern wird erstmal das 30-Jährige und dann sehen wir weiter. Das ist schon ein besonderes Datum.
Thomas D.: Es ist schwierig, die eigene Zukunft vorauszusagen. Michi denkt seit 1993, dass das nächste Album unser letztes ist.
Warum wiegt das Jubiläum so schwer?
Thomas D.: Hey, 30 Jahre? Viele unserer Fans waren zu dem Zeitpunkt noch nicht mal geboren. Wir machen komische Musik mit merkwürdigen Texten. Wir singen nicht mal. Wir wollten immer Popstars werden, dachten aber nicht einmal im größten Größenwahn, dass das so lange mit so einem Erfolg geht.