Milaneo in Stuttgart Anwohner protestieren gegen Einkaufsnächte

Von Eva Funke 

Für die Nachbarn des Milaneo ist es an vier Samstagen im Advent nichts mit vorweihnachtlicher Ruhe. Denn weil dann bis Mitternacht geshoppt werden kann, kommt es zur Ruhestörung durch den Verkehr.

Noch 650 Parkplätze am frühen Abend in der Milaneo-Tiefgarage:  Das klingt viel. Beim Midnightshopping sind die ruck,zuck weg. Und dann wird falsch geparkt. Foto: Lg/Kovalenko
Noch 650 Parkplätze am frühen Abend in der Milaneo-Tiefgarage: Das klingt viel. Beim Midnightshopping sind die ruck,zuck weg. Und dann wird falsch geparkt. Foto: Lg/Kovalenko

S-Nord - Autos im absoluten Halteverbot und auf Gehwegen, Autofahrer , die sich um freie Lücke streiten, röhrende Motoren auch nach Mitternacht: So beschreibt die Anwohnerin Vicky Georgaki die Szenerie rund ums Einkaufszentrum Milaneo an der Wolframstraße, wenn dort Midnightshopping angesagt ist. Und das alle Jahre wieder an vier Samstagen vor Heiligabend der Fall. Dann sind die die Läden dort von 9.30 bis 24 Uhr geöffnet.

Bereits im vergangen Jahr hat Georgaki den Bezirksbeirat über die Zustände informiert – nach Weihnachten. In der vergangenen Sitzung des Gremiums nahm sie einen neuen Anlauf: „Vier so lange Einkaufsnächte in nur sieben Wochen sind zu viel“, kritisiert sie und stellt fest, dass weit nach Mitternacht noch gegrölt wird, Autotüren knallen und Motoren aufheulen.

Die beiden ersten Midnightshoppings am 3. November und am 1. Dezember sind vorbei. „Die erste lange Einkaufsnacht war schon massiv“, bestätigt Volker Weinstock, Leiter des Polizeireviers Wolframstraße. Nachbarn haben in dieser Nacht die Polizei gerufen. Das Protokoll aus der Nacht: Drei Fahrzeuge wurden abgeschleppt, 25 Bußgeldbescheide wegen Falschparkens verteilt und die Beamten stellten fest, dass dass Fahrer mit erloschenen Behindertenausweisen anderer Personen auf Behindertenparkplätzen geparkt hatten. Außerdem gab es laut Weinstock „unzählige verkehrserzieherische Gespräche“ und Lob für die Beamten von den Anwohnern, die froh über den Polizeieinsatz waren.

Andrea Poul, Centermanagerin des Milaneo, ist nach eigener Auskunft die Kritik der Anwohner noch nicht zu Ohren gekommen. Über den Verkehr verärgerte Nachbarn gebe es immer mal, sagt sie. Sie sagt aber auch, dass das Midnightshopping überlebenswichtig für das Milaneo ist. Deshalb denkt sie auch nicht über eine Verkürzung der Öffnungszeiten nach. Poul: „Wir konkurrieren mit den Geschäften in der City und mit den Breuningerländern, die 6000 kostenlose Parkplätze anbieten.“

Das Milaneo hat rund 1200 Parkplätze – für insgesamt rund 60 000 Menschen, die laut Poul an den Midnightshopping-Tagen ins Milaneo strömen. 20 bis 25 Prozent davon kommen ab 20 Uhr. „Das zeigt, dass der Bedarf da ist. Würden wir kein Midnight- shopping anbieten, gingen die woanders hin. Die Breuningerländer haben jetzt täglich bis 22 Uhr auf .“ Das für den Zulauf im Milaneo die 1200 Tiefgaragenplätze nicht reichen: keine Frage. „Wir hatten 2400 beantragt, das wurde aber nicht bewilligt“, stellt Poul fest und weist darauf hin, dass ein großer Teil der Kunden aus der Region und von weiter her kommt.

City-Managerin wirft der Stadtverwaltung Missmanagement vor

Weil fürs Milaneo mehr Stellplätze abgelehnt wurden, spricht Noch-Citymanagerin Bettina Fuchs von Missmanagement seitens der Stadtverwaltung. Sie warnt generell davor, den Einzelhandel durch zu wenig Parkmöglichkeiten ins Aus zu katapultieren. Die Cityinitiative Stuttgart (CIS) bietet in der City drei lange Einkaufsnächte an: „Stuttgart-City blüht“ im April und „Stuttgart-City leuchtet“ im November. „Stuttgart-City weihnachtet“ steht am 15. Dezember bevor. Die Einkaufsnächte im Milaneo „begrüßt“ Fuchs ausdrücklich: „Solche Events sind positiv für die gesamte Stadt.“

Einen Riegel kann die Stadtverwaltung den nächtlichen Öffnungszeiten sowieso nicht vorschieben. Das Ladenöffnungsgesetz in Baden-Württemberg erlaubt Öffnung rund um die Uhr. Lediglich an Sonn- und Feiertagen müssen die Geschäfte geschlossen bleiben und dürften deshalb an Samstagen nur bis 24 Uhr öffnen. „Das Midnightshopping bedarf keiner Genehmigung durch uns“, stellt Karl-Christian Knapp, Abteilungsleiter beim Amt für öffentliche Ordnung fest.

Bleibt nur die Kontrolle rund ums Milaneo. „Das machen wir. Wird uns eine Schlägerei gemeldet, hat das aber Vorrang“, stellt Revierleiter Weinstock fest. Auf der Suche nach Lösungen setzt sich Sabine Mezger, Bezirksvorsteherin im Stuttgarter Norden, jetzt mit dem städtischen Ordnungsamt in Verbindung. Geht es nach ihr, soll der städtische Vollzugsdienst die Polizei unterstützen und verstärkt die Straßen rund ums Milaneo kontrollieren. Für die bevorstehenden langen Einkaufsnächte am 15. und 22. Dezember haben sich einige Anwohner gerüstet und wie Juri Kirchknopf, dessen Einfahrt während des Midnightshoppings zugeparkt wurde, Parkverbote aus Pappe aufgestellt, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

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