Mieter-SWSG-Streit im Lauchhau Kämpfer auf gelben Fluren

In dem Wohnquartier am Vaihinger Ortsrand treibt ein Streit seltsame Blüten. Foto: Kratz
In dem Wohnquartier am Vaihinger Ortsrand treibt ein Streit seltsame Blüten. Foto: Kratz

In einem Wohnquartier am Vaihinger Ortsrand treibt ein Konflikt seltsame Blüten. Die Front verläuft entlang der Blumenkübel. Protokoll einer Eskalation.

Filder-Zeitung: Rüdiger Ott (ott)
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Vaihingen - Die Front verläuft entlang der Blumenkübel. Eines Morgens waren sie weg. Wo eine Mieterin Puzzlebilder aufgehängt hatte, zeichnen sich Umrisse auf gelbem Grund ab. Doppelklebebandfetzen baumeln herab. Nicht besser erging es den Schuhschränken. Auch sie sind weg. Ende Januar waren Möbelpacker angerückt und hatten kurzerhand einige Flure im Lauchhau geräumt.

Ein Skandal, behauptet eine Mieterinitiative, die sich kürzlich gebildet hat. Ein normaler Vorgang, behauptet die Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG), die die Sozialwohnungen vermietet. Und mittendrin Ursel Beck. Die Stadt will doch nur dicke Profite einstreichen, behauptet sie. Beck ist Trotzkistin, wohnt gar nicht im Lauchhau, mischt aber trotzdem kräftig mit. Sie mache Wahlkampf, behauptet das Unternehmen, und ist stinksauer.

Die Eskalation beginnt, inzwischen wird mit Kündigung gedroht

Der Ton ist inzwischen so scharf auf einer nach oben scheinbar offenen Eskalationsskala, dass unglaublich erscheint, wie alles anfing. Im Dezember war der Hausmeister in den Häusern Lauchhau 20 bis 32 und an der Stiftswaldstraße 5 bis 17 unterwegs gewesen und hatte sich die Möbel auf den Fluren notiert.

Die SWSG müsse eben sehr genau hinschauen, „ob Fluchtwege verstellt sind oder brennbare Gegenstände in den Hausfluren stehen, die im Brandfall zu einer tödlichen Falle werden können“, sagt deren Pressesprecher Peter Schwab. Schreiben wurden aufgesetzt, die die Mieter aufforderten, die Flure zu räumen. Ein erstes wurde am 20. Dezember versandt, ein zweites am 23. Dezember, ein drittes am 27. Dezember.

Von den 400 Mietern im Lauchhau wurden insgesamt 124 Mieter angeschrieben. 98 davon räumten die Gegenstände weg, 26 nicht. Nachdem die letzte Frist verstrichen war, rückten die Möbelpacker am 27. Januar an, rupften die Bilder von der Wand, schleppten die Blumentöpfe weg und lagerten alles in einem Keller ein. Die Betroffenen sollten jeweils 130 Euro für die Entsorgung zahlen, ihre Sachen dürften sie darüber hinaus wieder abholen. Eine Spirale setzte sich in Gang, an deren Ende doch recht unverblümt mit Kündigung gedroht wird.

Die Mieter ärgern sich über den gesichtslosen Moloch SWSG

„Viele Mieter haben Angst“, sagt Bettina Kienzle, die ebenfalls 130 Euro zahlen muss und einen Anwalt eingeschaltet hat. Da sei „auf einen Schlag so ein Räumkommando gekommen. Wir sind fassungslos.“ Kienzle ist die Sprecherin eben jener Mieterinitiative, die sich Mitte Februar formiert hatte. Circa 20 Mitstreiter hatten sich damals im Naturfreundehaus im Büsnauer Rain getroffen, um sich zusammenzutun.

Sie ärgern sich über aus ihrer Sicht schlechte Instandhaltung, zu hohe Nebenkosten und miserablen Service. Seit Langem fühlen sie sich von der SWSG gegängelt, diesem gesichtslosen Moloch, den man nur über eine Hotline erreichen kann.




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