Konzepte in Esslingen, Nürtingen, Kirchheim und Filderstadt Wie Städte im Kreis Esslingen Gründende unterstützen wollen

Wechsel am Hafenmarkt 8-10 in Esslingen: Das Geschäft „Bokks Deux“ zieht aus, „Mo’s Fashion“ von Nadine Kaiser zieht ein. Foto: Ines Rudel

Die Städte Esslingen, Nürtingen, Kirchheim und Filderstadt gewähren Gründungswilligen neuerdings einen Mietkostenzuschuss – offenbar mit Erfolg. Für Nadine Kaiser gab die Finanzspritze den letzten Ausschlag dafür, einen neuen Laden zu eröffnen.

Für Nadine Kaiser erfüllt sich ein Traum. Die Modehändlerin wollte schon lange einen eigenen Laden eröffnen. Dass sie von September an ihre Ware am Esslinger Hafenmarkt anbieten wird, liegt zwar vor allem an den Räumlichkeiten ihres neuen Geschäfts in der mittelalterlichen Innenstadt, die sie sehr schätzt. Den letzten Ausschlag für ihre Entscheidung aber habe der Mietkostenzuschuss gegeben, auf den sich Gründerinnen und Gründer seit Kurzem bei der Stadt bewerben können, sagt sie.

 

Kaiser wohnt in Ostfildern und betreibt dort seit einigen Jahren ein Second-Hand-Geschäft bei sich im Haus. Allerdings bezeichnet sie ihr Angebot als untypisch – das Klischee eines muffigen Ladens mit abgetragenen Kleidern erfülle sie überhaupt nicht, findet sie. Bei ihr gebe es saubere, gut erhaltene und oftmals kaum getragene Kleidung. „Ich nenne sie lieber Preloved-Fashion“, sagt Kaiser – also sozusagen „bereits geliebte Mode“. Zudem biete sie Stilberatung und Farbberatung sowie Einkaufsbegleitung an, was im Second-Hand-Bereich sehr ungewöhnlich sei.

Beitrag zur Belebung der Innenstadt

Nun möchte Nadine Kaiser ihre Waren und Dienstleistungen in Esslingen anbieten. „Esslingen hat ein schönes Flair, aber es ist schade, dass so viele Geschäfte schließen“, sagt die Modehändlerin. Sie komme oft von den Fildern zum Einkaufen nach Esslingen – und wolle nun einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt leisten: „Ich dachte, jetzt bereichere ich die Stadt mit meinem Laden“, so Kaiser. Allerdings sei Esslingen auch ein teures Pflaster. Daher habe der Mietkostenzuschuss der Stadt am Ende den letzten Ausschlag für ihre Entscheidung gegeben, hier ein neues Geschäft zu eröffnen: „Dadurch hat sich der Preis dann etwas reguliert.“

Seit Mai diesen Jahres können sich Gründerinnen und Gründer auf den Mietkostenzuschuss bewerben. Gefördert werden Personen, deren Unternehmensgründung maximal 24 Monate zurückliegt und die zum ersten Mal eine Gewerbefläche in Esslingen mieten wollen. Eine Jury entscheidet über die Anträge – bei einem positiven Bescheid wird zwölf Monate lang ein Mietkostenzuschuss gewährt. Pro Jahr können in Esslingen insgesamt acht Gründerinnen und Gründer gefördert werden, vier davon in der Innenstadt und vier in anderen Stadtteilen.

Bei dem Mietkostenzuschuss handelt es sich um ein interkommunales Programm, das Esslingen bis 2026 gemeinsam mit den Städten Filderstadt, Kirchheim und Nürtingen anbietet, die den gleichen Zuschuss gewähren. Der Verband Region Stuttgart beteiligt sich zu 50 Prozent an der Finanzierung.

Zuschuss als Entlastung und Anreiz für Gründende

Laut Carina Killer, Leiterin des Esslinger Citymanagements, ist das Programm gut angelaufen. Insgesamt seien in Esslingen bereits sechs Bewerbungen eingegangen, von denen jüngst drei bewilligt worden seien – die von Nadine Kaiser war eine davon. Die Namen der anderen zwei Begünstigten können laut Killer noch nicht genannt werden.

Generell sei das Mietkostenzuschuss-Programm ein gutes Instrument, um gezielt Branchen zu fördern, die in einem Quartier fehlen, um den Branchenmix zu bereichern sowie um Leerstände zu reduzieren oder zu vermeiden. Zudem sei der Mietkostenzuschuss ein tolles Tool, um Menschen auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu unterstützen. „Mietkosten sind für die meisten Gründerinnen und Gründer eine recht hohe Hürde“, sagt Carina Killer. Gerade im ersten Jahr der Selbstständigkeit, in dem man als Geschäftsinhaber erst einmal Fuß fassen müsse, könnten die Ausgaben für die Miete besonders schwer im Magen liegen. Der Mietkostenzuschuss könne eine kleine Entlastung und einen Anreiz schaffen, den Weg zum eigenen Laden dennoch zu gehen.

Darüber hinaus kämen die städtische Wirtschaftsförderung und das Citymanagement über den Mietkostenzuschuss stärker mit potenziellen Gründerinnen und Gründern in Kontakt, lobt die Esslinger Citymanagerin Killer – Gleiches gelte für die Seite der Immobilieneigentümer.

Auch in Nürtingen ist man sehr zufrieden mit dem neuen Mietkostenzuschuss. „Für uns ist das die Möglichkeit einer direkten Wirtschaftsförderung“, sagt Christian Franz, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Liegenschaften im Rathaus. Es sei toll, Selbstständige in der Gründungszeit unterstützen zu können, schließlich wisse man, dass gerade die Anfangszeit risikobehaftet sei.

Instrument zur Wirtschaftsförderung

Programm
 Die vier Städte Esslingen, Nürtingen, Kirchheim und Filderstadt bieten seit dem Frühjahr das interkommunale Programm Mietkostenzuschuss an. Es wendet sich an Gründerinnen und Gründer, die in einer der vier Kommunen eine Immobilie für ihr Unternehmen anmieten wollen. Wer sich erfolgreich für die Förderung bewirbt, erhält ein Jahr lang jeden Monat einen Zuschuss von 250 Euro für die Mietkosten. Das Projekt soll bis Ende 2026 und damit fast drei Jahre lang laufen. Es wird kofinanziert vom Verband Region Stuttgart, der das neue Instrument der Wirtschaftsförderung mit insgesamt 105 000 Euro unterstützt.

Nürtingen
 In Nürtingen können insgesamt vier Gründerinnen und Gründer pro Jahr mit dem Mietkostenzuschuss gefördert werden. Laut Christian Franz, Leiter der Abteilung Wirtschaft und Liegenschaften, sind seit Programmbeginn im Mai bereits sieben Bewerbungen für den Mietkostenzuschuss eingegangen, zwei davon seien bewilligt worden.

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