Mietnomaden Seite 2: "Rechtsweg dauert zu lange"

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Der Schaden summiert sich auch deswegen leicht auf Tausende Euro, weil Vermieter einen Mietnomaden nicht so einfach und vor allem nicht so schnell wieder loswerden. Vermieter können einem Mieter - auch einem Mietnomaden - erst nach der zweiten ausbleibenden Miete fristlos kündigen und auf die Räumung der Wohnung klagen. „Doch der Rechtsweg dauert zu lange”, kritisiert Stücke. Im Schnitt bekommen Vermieter einen Mietnomaden erst nach 22 Monaten aus der Wohnung.

Vermieter sollten daher genau überlegen, wen sie in ihre Wohnung einziehen lassen. Zugleich ist es aber für Vermieter sehr schwer, sich vor Mietnomaden zu schützen. „Hundertprozentige Sicherheit vor Betrügern kann es nicht geben”, sagt Ropertz. Er rät Wohnungseigentümern, sich vor Beginn des Mietverhältnisses über die Zahlungsfähigkeit des Mietinteressenten zu informieren. „Das ist eine Gelegenheit, die man nicht versäumen sollte”, sagt auch Stücke. Zugleich gilt aber seiner Erfahrung nach auch: „Eine Selbstauskunft ist keine hinreichende Garantie.” Die Bonität eines künftigen Mieters lässt sich auf verschiedene Weise prüfen: Vermieter können etwa eine aktuelle Einkommensbescheinigung, eine Erklärung des Vor-Vermieters über die Mietschuldenfreiheit oder eine Schufa-Selbstauskunft verlangen, erklärt Jürgens. Sie können aber auch eine Mietsicherheit in Höhe von bis zu drei Monatsmieten verlangen. Entpuppt sich der Mieter dann nach seinem Einzug als Nomade und macht keine Anstalten zu zahlen, können Vermieter ihm nach fünf Wochen Mietdauer fristlos den Vertrag kündigen. Einen gewissen Schutz bietet auch der Abschluss einer Mietausfallversicherung. Doch nicht nur Vermieter leiden unter Mietnomaden. Auch andere, ehrliche Mieter sind von dem Problem indirekt betroffen.

Schließlich treffen die Schutzmaßnahmen auch sie. „Das Mietnomadenwesen übt Druck auf den Wohnungsmarkt aus, sich möglichst gläsern zu präsentieren”, räumt Stücke ein. Und Jürgens weist zudem darauf hin, dass ehrliche Mieter unter Mietnomaden leiden, wenn sie keine Wohnungen von misstrauischen Vermietern oder von solchen bekommen, die schlechte Erfahrungen gemacht haben. Im Großen und Ganzen stellen Mietnomaden für ehrliche Mieter aber kein Problem dar. „Unmittelbare Auswirkungen auf die Mieterschaft insgesamt hat die Mietnomaden-Diskussion nicht”, sagt Ropertz. Allerdings ist die Angst bei den Vermietern laut privater Vermieterverbände groß, an jeder Straßenecke auf einen Betrüger zu stoßen, kritisiert Ropertz. „Der Hintergrund der Diskussion ist klar: die Vermieterverbände wollen ein vermieterfreundliches Mietrecht.”

 

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