Mighty Oaks in Stuttgart In flachen Weiten

Von Kathrin Horster 

Optimistisch sanfter Folk fürs idyllische Landleben: Am Donnerstagabend haben die Mighty Oaks im Stuttgarter LKA ihr Repertoire von inzwischen drei Studioalben vorgestellt.

Ian Hooper, der Kopf und Sänger von Mighty Oaks Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt 6 Bilder
Ian Hooper, der Kopf und Sänger von Mighty Oaks Foto: Lichtgut/Christoph Schmidt

Stuttgart - Die Parkplatzsuche ist am Donnerstagabend rund um das LKA in Stuttgart-Wangen eine echte Herausforderung. Weil auch noch ein Tourbus den engen Bürgersteig vorm Eingang in Beschlag nimmt, muss man die letzten Meter mitten auf der Fahrbahn laufen. Ein paar Autofahrer ziehen gefährlich nah an der Menschenschlange vor den Türen des Clubs vorbei. Doch die Fans der in Berlin ansässigen Band Mighty Oaks nehmen solche Strapazen gerne in kauf. Der Amerikaner Ian Hooper, Claudio Donzelli aus Italien und Craig Saunders aus Großbritannien haben mit ihrem optimistisch-sanften Folk 2014 den Durchbruch geschafft und Anfang Februar ihr neues, drittes Studioalbum „All Things go“ vorgelegt.

Bis die drei gemeinsam mit einem Gastmusiker die Bühne betreten, dauert es aber eine Weile. Erst tritt noch der Australier Jackson Dyer auf, wie die Mighty Oaks ein musikalischer Expat in Berlin, ein freundlicher Typ mit Gitarre und schöner Stimme. Eine halbe Stunde bringt er melancholisch mäandernde Songs mit Soul-Einschlag unter die Leute, erzählt in gutem Deutsch, wie schwer es sei, als „Vorspeise“ die Leute zu begeistern und freut sich, dass die Menge vor ihm auf das Mitsing-Angebot zu Aretha Franklins „Daydreaming“ eingeht.

Es pumpt wie eine moderat aufgeregter Herzschlag

Obwohl hinter Dyer schon zu einem Großteil das Instrumentarium der Mighty Oaks aufgebaut ist und anschließend bloß ein paar Handgriffe notwendig sind, um etwa das aus den Buchstaben M und O bestehende Bandlogo aufzubauen, lässt sich die Band eine weitere halbe Stunde Zeit, ehe sie auf die Bretter stapft. Der Bandleader Ian Hooper schnappt sich die Mandoline und spielt ein paar Takte solo, ehe Drums und schließlich auch Gitarre und Keyboard einsetzen, ein starker Einstieg, der für Parkstress und das lange Warten entschädigt. Der Sound ist gut abgemischt, ein kurzer Ausfall der PA in einem der ersten Songs fällt nicht weiter ins Gewicht, die Musiker spielen unbeirrt weiter und die Fans werden still.

Wenn man die Augen schließt, ziehen im Kopfkino schöne Bilder von den Weiten der amerikanischen Prärie vorbei, von Lagerfeuern und mit Heu gefüllten Scheunen. Binnen weniger Minuten zaubern die Mighty Oaks ein eskapistisches Idyll aus angenehm entspannten Flächen. Druck und Dynamik sind optimal, die Bass Drum pumpt dumpf und regelmäßig wie ein moderat aufgeregter Herzschlag. Doch spätestens nach dem fünften Song nutzt sich das variationsarme Klangbild ab. Dass die Musiker Songs von allen drei Alben spielen, fällt auch nicht weiter auf, denn seit dem Debüt „Howl“ hat sich das Songwriting nicht weiterentwickelt. Und irgendwann sieht man vorm inneren Auge nicht mehr nur Bilder der Prärie, sondern ein darüber flatterndes Werbebanner für Craft-Bier, eine Krankenversicherung oder irgendein anderes nachhaltig produziertes Lifestyle-Produkt. Das ist zwar in Ordnung, aber auch ganz schön langweilig.




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