Migräne und Co. Was wirklich bei Kopfschmerz hilft

Spannungskopfschmerz und Migräne zählen zu den häufigsten Arten von Kopfschmerz. Foto: dpa

Lesenswert aus dem Plus-Archiv: Fast jeder hat einmal Kopfschmerzen. Doch was tun, wenn der Schädel brummt oder die Migräne zuschlägt? Was Naturheilkundler und Allgemeinmediziner sagen - ein Überblick zum Kopfschmerztag. 

Leben: Ricarda Stiller (rst)

Stuttgart - Mehr als zwei Drittel aller Menschen leiden hierzulande unter Kopfschmerzen. Sogar die Zahl der jüngeren Kopfschmerzgeplagten im Alter von 18 bis 27 Jahren hat in den vergangenen Jahren laut einer Statistik der Krankenkasse Barmer zugenommen. Frauen sind in allen Altersgruppen stärker betroffen als Männer. Doch welche Methoden gegen die Schmerzen tatsächlich helfen, ist umstritten. Charly Gaul, Chefarzt der Migräne- und Kopfschmerzklinik Königstein, und der Naturheilkundler Fritz Müller beantworten die wichtigsten Fragen zum Thema Kopfschmerzen.

 

Bewegung

Ist der Kopfschmerz akut, kann leichte Bewegung die Schmerzen lindern – zumindest bei Spannungskopfschmerz. Eine Migräne würde dadurch aber verschlimmert. Wichtig sei, den Menschen ganzheitlich zu betrachten: „Ein Zusammenspiel aus Krankengymnastik, Entspannungstechniken, Akupunktur und auch Psychotherapie hat gute Erfolge bei der Behandlung von Kopfschmerzen gezeigt“, sagt Schmerzmediziner Gaul. „Migräne ist so etwas wie eine Überlastungsanzeige des Körpers“, so Gaul. Der Körper brauche dann eine Pause oder mehr Entspannungsphasen im Alltag. Der Naturheilkundler Fritz Müller, der eine eigene Praxis in Kempen betreibt, schreibt in seinem Buch „Die 50 besten Kopfschmerzkiller“: Zur Vorbeugung von Migräne und Spannungskopfschmerzen könnten Sport und viel Bewegung an der frischen Luft helfen.

Akupunktur

„Akupunktur ist klinischen Studien zufolge wirksam“, sagt Neurologe und Schmerzmediziner Charly Gaul. Auch die Deutsche Gesellschaft für Neurologie bestätigt: „Es besteht eine geringe Evidenz, dass die traditionelle chinesische Akupunktur in der Behandlung der akuten Migräneattacke wirksam ist.“ Zu Beginn einer Migräneattacke seien die Wirksamkeit von Akupunktur und dem Arzneistoff Sumatriptan einer Studie zufolge etwa gleich wirksam. Bei einer schweren Migräneattacke helfe Akupunktur allerdings kaum noch. Naturheilkundler Müller ist überzeugt, dass Akupunktur die Selbstheilungskräfte anregt und Blockaden im Energiefluss löst. Er schreibt dazu: „Bei der Akupunktur werden durch gezieltes Stechen der Energiefluss gesteuert, die Zirkulation reguliert und energetische Störungen und Blockaden gelöst.“

Trinken

Regelmäßiges Trinken kann Kopfschmerzen vorbeugen. Melissentee etwa wirke entspannend und krampflösend: Er sei besonders bei nervösen Kopfschmerzen geeignet, sagt Naturheilkundler Müller. Viele Patienten kennen die Auslöser für ihre Migräne. Dazu gehören neben Stress und anderen Faktoren auch eine unzureichende Flüssigkeitszufuhr, heißt es bei der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft. Grundsätzlich gelte, so Naturheilkundler Müller: „Trinken Sie ausreichend Wasser!“ Täglich etwa anderthalb bis zwei Liter würden die Stoffwechseltätigkeit verbessern. Insbesondere Menschen mit niedrigem Blutdruck sollten darauf achten – sonst würden die Blutgefäße unterversorgt, die Folge sei Sauerstoffmangel. Dies könne zu Müdigkeit und Kopfschmerzen führen.

Entspannung

„An erster Stelle bei der Behandlung von Kopfschmerzen stehen Entspannungsverfahren und Ausdauertraining sowie Stressbewältigung“, sagt Neurologe Charly Gaul. Bei mehr als einem Drittel der Migräne-Patienten könnten neben Medikamenten auch Entspannungsverfahren und verhaltenstherapeutische Ansätze lindernd wirken, heißt es von der Deutschen Migräne und Kopfschmerz-Gesellschaft. Der Naturheilkundler Fritz Müller empfiehlt, „täglich eine Stunde für sich zu sein, um auszuspannen“. Dies könne beispielsweise ein Spaziergang an der frischen Luft sein. Außerdem rät Müller zu autogenem Training, zu Yoga und meditativen Übungen. Auch die progressive Muskelentspannung gilt als ein gut geeignetes Entspannungsverfahren zur Migräneprophylaxe.

Augencheck

Kopfschmerzen können auch durch Augenprobleme ausgelöst werden. Der Naturheilkundler empfiehlt, die Sehschärfe regelmäßig zu überprüfen. Sind die Augen tatsächlich verantwortlich für den Kopfschmerz, kommen viele mögliche Ursachen infrage: von der Bildschirmarbeit über extreme Nutzung des Smartphones bis zum Glaukom (grüner Star). Aber auch das Brillengestell kann manchmal drücken, so dass dadurch Kopfschmerzen ausgelöst werden. Auch eine Erkrankung des Auges, der Augenlider, des Tränenapparats oder der Augenhöhle rufen häufig Schmerzen hervor, die in die Umgebung ausstrahlen – und dann als Stirn-, Schläfen- oder Zahnschmerzen wahrgenommen werden. In der Umgebung des Auges sind viele und sehr schmerzempfindliche Nervenfasern, was die Suche nach der Ursache erschwert.

Homöopathie

Befragt man die Patienten, die in ein Kopfschmerzzentrum kommen, haben mehr als 80 Prozent von ihnen schon alternative Therapien ausprobiert. Bei manchen Patienten lindert bereits einfaches Pfefferminzöl die Schmerzen. Aber: „Zu vielen der alternativen Therapieverfahren fehlen Studiendaten, so dass keine abschließende Beurteilung aus wissenschaftlicher Sicht erfolgen kann“, sagt Schmerzmediziner Charly Gaul. Die Krankheit zu akzeptieren sei aber ein wichtiger Schritt zum besseren Umgang mit Kopfschmerzen. Die Unwirksamkeit von Homöopathie sei dagegen wissenschaftlich gut belegt, sagt Gaul. Der Placeboeffekt allerdings sei durchaus wirksam: Betroffene, die alternative Methoden ausprobiert haben, berichten von Erfolgen. Auch Naturheilkundler Müller berichtet von Erfolgen etwa durch Schüssler-Salze wie Eisenphosphat, das er bei klopfendem oder Spannungskopfschmerz empfiehlt. Diese zählen nicht zur Homöopathie, aber zu den homöopathischen Arzneimitteln.

Medikamente

Die meisten Menschen greifen zu gängigen Schmerzmitteln wie Aspirin mit dem Wirkstoff Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol. Charly Gaul sagt: „Je häufiger akut Medikamente benötigt werden, desto wichtiger sind vorbeugende Maßnahmen.“ Bei Migräne sollten die Medikamente entweder zur Vorbeugung genommen werden oder zumindest sehr schnell, nachdem die ersten Symptome auftreten. Eine zu späte Einnahme könne die Migräneattacke verstärken. „Problematisch ist der Übergebrauch von Schmerzmitteln“, sagt Gaul. Diesen Übergebrauch gebe es keineswegs nur bei frei verkäuflichen Medikamenten. Bei den Ärzten sei ebenso viel Aufklärungsarbeit zu leisten wie bei den Patienten. Schmerzmittel können Nieren oder Leber schädigen und sogar – wenn sie zu oft eingenommen werden – Auslöser für weitere Kopfschmerzen sein. Einen Sonderfall stellen Clusterkopfschmerzen da. Diese von der Schmerzintensität kaum auszuhaltenden Kopfschmerzen können gut mit der Inhalation von reinem Sauerstoff oder Triptanen in Form von Nasensprays behandelt werden. Clusterkopfschmerzen treten periodisch stark gehäuft auf.

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