Migration im Kreis Ludwigsburg AK Asyl zum Schanzacker: „Ein pauschales Nein ist zu einfach“

Im Juli gab es eine große Kundgebung gegen die Bebauung des Schanzackers. Der AK Asyl Ludwigsburg wirbt um Verständnis für die Geflüchteten. Foto: Andreas Essig

Der Arbeitskreis Asyl in Ludwigsburg stimmt den Protesten in der Debatte um die Flüchtlingsunterkunft auf dem Schanzacker teils zu, will aber eine andere Geschichte erzählen.

Ludwigsburg: Maximilian Kroh (kro)

Die Debatte um die Bebauung des Schanzackers schwelt seit Jahren und nimmt nun wieder Fahrt auf. Die Bürgerinitiative gegen die Bebauung hat kürzlich neue Proteste angekündigt, die Städte Tamm und Asperg wollen das Gelände kaufen. Nun meldet sich ein weiterer Player zu Wort: Der Ludwigsburger Arbeitskreis Asyl wirbt um Verständnis für die Situation der Geflüchteten.

 

„Unsere Intention ist, dass wir Geflüchtete nicht als Problem sehen und sie von vornherein ablehnen“, sagt Ulrich Essig-Haile vom AK Asyl. „Stattdessen sehen wir es als Verpflichtung, Geflüchtete aufzunehmen. Diese Menschen sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft.“ Sie seien vor Krieg, Gewalt und Verfolgung geflohen, weil in ihren Heimatländern ein „menschenwürdiges Leben nicht möglich ist“, heißt es in einer Stellungnahme des Arbeitskreises. Und: „Um auf Geflüchtete vorbereitet zu sein, braucht es Erstaufnahmeeinrichtungen.“

„Gut, dass die LEA vom Tisch ist“

Womit sich der Blick auf den Schanzacker richtet, das Gebiet zwischen Tamm und Asperg. Die Landesregierung hatte hier ursprünglich geplant, eine Landeserstaufnahmestelle (LEA) zu errichten. „2000 Menschen komplett abgelegen unterzubringen, wäre der falsche Weg gewesen“, erklärt Peter Kolb vom AK Asyl. „Gut, dass das vom Tisch ist.“ Stattdessen soll nun eine kleinere Erstaufnahmeeinrichtung (EA) für maximal 500 Menschen kommen.

Am besten wäre es, finden sie beim Arbeitskreis, die Geflüchteten dezentral unterzubringen. Das wichtigste sei aber, den Menschen überhaupt eine Unterkunft bieten zu können. „Wenn kein anderes Grundstück zur Verfügung steht, können wir nachvollziehen, dass die Landesregierung den Schanzacker will“, sagt Arbeitskreis-Mitglied Christoph Erdmenger. „Dementsprechend macht es sich die Kommunalpolitik mit ihrem pauschalen Nein auch zu einfach.“

Differenzierter Blick auf die Bürgerinitiative

Allerdings positionieren sich längst nicht nur die lokalen Politiker gegen eine Bebauung des Schanzackers, sondern auch zahlreiche Bürger. Während sich der AK Asyl mit Protestformen wie dem Schanzacker-Döner (Essig-Haile: “purer Populismus“) gar nicht näher befassen will, sieht er die Arbeit der örtlichen Bürgerinitiative gegen die LEA differenzierter.

Ulrich Essig-Haile (rechts) bei einer Aktion des AK Asyl Ludwigsburg. Foto: Simon Granville

Auf der einen Seite gebe es dort „berechtigte Bedenken“ in Sachen Naturschutz. Andererseits weist Essig-Haile auf den im vergangenen Jahr gegründeten „Arbeitskreis Frauen“ innerhalb der Bürgerinitiative hin, der unter anderem einen Selbstverteidigungskurs veranstaltete: „Die Erzählung, dass da Geflüchtete kommen, vor denen man Angst haben und gegen die man sich verteidigen können muss, ist eine Form von Rassismus.“

Der Ludwigsburger Arbeitskreis Asyl wirbt für eine andere Perspektive: „Wenn eine Erstaufnahmeeinrichtung kommt, ist das eine große Anstrengung für eine Stadt“, sagt Christoph Erdmenger. „Aber es ist auch für die Geflüchteten keine einfache Situation. Der Blick auf sie ist noch viel wichtiger als der darauf, welches Grundstück geeignet ist.“

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