Deutschland ist seit geraumer Zeit ein Einwanderungsland. Es kommen mehr Menschen als wegziehen. Vor allem die Zahl der Asylbewerber nimmt seit vergangenem Jahr stark zu. Hier die wichtigsten Fakten:
Wie bunt ist die Bevölkerung?
Im Jahr 2021 hatten insgesamt 22,3 der knapp 82 Millionen Menschen in Deutschland einen Migrationshintergrund – das ist mehr als jeder vierte (27,2 Prozent). Darauf lassen die Ergebnisse eines Mikrozensus des Statistischen Bundesamtes schließen, einer kleinen Volkszählung, bei der ein Prozent der Bevölkerung befragt wird. Nach Definition dieser Behörde hat eine Person einen Migrationshintergrund, wenn sie selbst oder mindestens ein Elternteil nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren wurde. Die Vertriebenen des Zweiten Weltkrieges und ihre Nachkommen zählen nicht dazu.
Die meisten Mitbürger mit Migrationshintergrund kommen aus der Türkei (2,7 Millionen) und Polen (2,2 Millionen). Etwa ein Drittel der migrantischen Bevölkerung stammt aus einem EU-Land. Der Migrationsanteil ist in Baden-Württemberg (35,6 Prozent) und Hessen (36 Prozent) sowie in den Stadtstaaten Berlin (34,9), Hamburg (35,4) und Bremen (39,2) besonders hoch. In den neuen Ländern liegt er zwischen 8,3 (Sachsen-Anhalt) und 9,6 Prozent (Brandenburg). Menschen mit Migrationshintergrund sind im Durchschnitt deutlich jünger (35,6 Jahre) als ihre Mitmenschen ohne (46,9 Jahre).
Warum ziehen Menschen hierher?
2022 sind knapp 2,7 Millionen Menschen nach Deutschland eingewandert, doppelt so viele wie im Jahr zuvor. Darunter waren 1,1 Millionen Kriegsvertriebene aus der Ukraine und knapp 220 000 Flüchtlinge aus anderen Ländern. Unterm Strich wurden fast 1,5 Millionen mehr Zuzüge als Fortzüge registriert. Aus EU-Ländern kamen 87 000 Menschen, die meisten aus Rumänien, Polen und Bulgarien. Ende 2022 lebten in Deutschland 351 000 Personen von außerhalb der Europäischen Union mit einem befristeten Aufenthaltstitel zum Zweck der Erwerbstätigkeit. 2022 zogen 56 000 mit diesem Ziel hierher.
Wie viele Flüchtlinge kommen?
Seit 2012 nimmt Deutschland innerhalb der Europäischen Union die meisten Asylbewerber auf. 2022 entfielen 41,4 Prozent der Asylanträge, die in EU-Staaten gestellt worden sind, auf Deutschland. Die Zahl der neuen Asylanträge, die hier beantragt worden sind, lag in den Jahren 2017 bis 2021 jeweils zwischen 100 000 und knapp 200 000. Im vergangenen Jahr waren es fast 220 000, in diesem Jahr – bis einschließlich September – waren es 251 213. Im ersten Halbjahr betrug der Anstieg gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres 76 Prozent.
Woher stammen die Flüchtlinge?
29 Prozent der Menschen, die im ersten Halbjahr 2023 einen Asylantrag in Deutschland gestellt hatten, kamen aus Syrien (im Vorjahr: 32,6 Prozent), 18,2 Prozent aus Afghanistan (Vorjahr: 16,7) und 12,8 Prozent aus der Türkei (Vorjahr 11). Daneben sind aktuell der Iran (vier Prozent der Asylbewerber), Irak (3,8), Georgien (3,4) und Russland (2,8) wichtige Herkunftsländer. Insgesamt 30 317 Asylbewerber (12,1 Prozent) kamen im laufenden Jahr aus afrikanischen Staaten, davon die meisten aus Somalia (4304 beziehungsweise 1,7 Prozent) und Eritrea (3453/1,4 Prozent). Dazu kommen 1,1 Millionen Kriegsvertriebene aus der Ukraine, die nicht Asylbewerber sind. Ihre Zahl ist im laufenden Jahr nur noch leicht angestiegen (um 64 000).
Auf welchen Wegen kommen sie?
Bis inklusive September erreichten 179 000 der Flüchtlinge die EU-Grenzen über das Mittelmeer. Das sind 62 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Knapp 130 000 Personen kamen nach Italien, 24 400 landeten in Spanien, 22 900 in Griechenland. Diese Zahlen nennt das UN-Flüchtlingswerk. Laut Mediendienst Integration hat die Bundespolizei zwischen Januar und Juli 2023 rund 56 000 illegale Einreisen nach Deutschland registriert, 55 Prozent mehr als im Vorjahr. 10 200 dieser Menschen kamen über Österreich, 7400 über die Schweiz, 6400 über die tschechische Grenze. 14 800 wurden an der deutsch-polnischen Grenze aufgegriffen – vor allem Syrer und Afghanen.
Wie viele dürfen bleiben?
2022 wurden 1937 Menschen als Asylbewerber anerkannt – 0,8 Prozent der Flüchtlinge. Neben dem Status als Asylbewerber gibt es aber weitere Schutzgründe. Die Schutzquoten der Flüchtlinge aus den wichtigsten Herkunftsländern liegt zwischen 0,4 (Georgien) und 90,3 Prozent (Syrien). Im ersten Halbjahr 2023 wurden 0,7 Prozent der Asylbewerber anerkannt, 20,7 Prozent der Asylanträge abgelehnt. 32,6 Prozent der Flüchtlinge genießen einen anderweitigen Schutzstatus. Ende vergangenen Jahres lebten insgesamt 3,1 Millionen Schutzsuchende in Deutschland. Mehr als 125 000 Asylanträge stapeln sich bei den Gerichten. Knapp 18 Prozent der zunächst abgelehnten Asylbewerber bekommen vor Gericht einen Schutzstatus zugesprochen. 248 145 Menschen ohne Schutzanspruch waren bloß geduldet. Mehr als 300 000 wären eigentlich zur Ausreise verpflichtet. 26 545 Ausreisepflichtige haben 2022 freiwillig das Land verlassen, 18 094 wurden abgeschoben.
Ein Großteil der Flüchtlinge aus den wichtigsten Herkunftsländern sind von Sozialhilfe abhängig. Laut Sachverständigenrat für Integration und Migration ist die Beschäftigungsquote allerdings seit 2016 „kontinuierlich gestiegen“. Im April waren noch 30,7 Prozent der Flüchtlinge aus dieser Gruppe arbeitslos. 41,4 Prozent gingen einer Beschäftigung nach (Schnitt: 76,9 Prozent).