Mit Mike Tindall sitzt erstmals ein Mitglied der britischen Königsfamilie auf der Pritsche des Dschungelcamps. Er wirkt sympathisch – lässt aber manchmal zu tief blicken.

Digital Desk: Theresa Schäfer (the)

1969 strahlte die britische BBC eine Dokumentation aus. Sie zeigte den Alltag hinter den Palastmauern: Die Windsors beim Grillen, beim Fernsehschauen, bei ihren Pferden. Seit Mitte der 1970er Jahre wurde „Royal Family“ nicht mehr ausgestrahlt – angeblich gefiel der Königsfamilie nicht, wie alltäglich, wie normal und gar nicht magisch sie darin wirkte. Kein geringerer als David Attenborough warnte damals, die Dokumentation habe das Potenzial, die Monarchie zu zerstören. „Die ganze Institution hängt ab vom Mysterium und dem Stammeschef in seiner Hütte – wenn jedes Stammesmitglied in die Hütte schauen kann, ist das ganze System beschädigt.“

Einen kleinen Teil der Hütte sieht derzeit jeder, der „I’m A Celebrity... Get Me Out Of Here“, die britische Version des Dschungelcamps, einschaltet. Erstmals sitzt ein Mitglied der britischen Königsfamilie auf der Pritsche: Mike Tindall, der Schwiegersohn von Prinzessin Anne, Schwester des Königs. Der frühere Rugby-Spieler ist seit 2011 mit Zara verheiratet, von der es oft heißt, sie sei die Lieblingsenkelin der verstorbenen Queen gewesen.

„Working Royals“ sind die Tindalls nicht. Prinzessin Anne hat seinerzeit bewusst auf Titel für ihre Kinder verzichtet. Zara ist Reiterin, Mike betreibt unter anderem den Podcast „The Good, The Bad & The Rugby“, in dem er über den britischen Nationalsport spricht. Dennoch ist Mike nah dran an King Charles III., an Prinz William und Prinzessin Kate. Bei den wichtigsten royalen Terminen ist er stets dabei. Er gilt als der „coole Onkel“ der Windsors und hat es im Volk zu großer Popularität gebracht.

Winzige Badehosen und intime Anekdoten

Jetzt springt er im australischen Dschungel in knappsten Badehosen in irgendwelche Wasserlöcher und plaudert mit Mitcampern wie dem Sänger Boy George aus dem Nähkästchen: Wie er auf Zaras Geburtstagsparty bei einem besonders sportlichen Tanzmove seine Hosen zerriss und die besten Teile zu sehen waren – vor den Augen der „Princess Royal“ Anne. Wie sein Sohn Lucas auf dem Badezimmerboden zur Welt kam. Bescheiden erklärte er dem Schauspieler Owen Warner erst einmal, dass seine Frau nicht Australierin ist – sondern eine Enkelin Elizabeths II. Und er begeistert mit einer Rap-Einlage von „Ice Ice Baby“. Alles sehr sympathisch, alles sehr bodenständig – auf dem besten Weg in Richtung Dschungelkrone.

Über den König spricht Mike Tindall tunlichst nicht. Er dürfte wissen, dass hier höchste Diskretion angeraten ist. Begeistert dürfte Charles III. aber nicht gewesen sein, als der 44-Jährige in der Camprunde verkündete, er halte alle Politiker für „Fuckers“ (Arschlöcher). Die Königsfamilie äußert sich nicht zum politischen Tagesgeschehen, der engste Kreis geht noch nicht einmal wählen. Kommentatoren nannten Tindalls Ausrutscher „schlecht beraten und töricht“.

Ob Mike Tindall sich und den Windsors mit seinem Ausflug in den Dschungel am Ende einen Gefallen getan hat, bleibt abzuwarten. Vielleicht hätten die Briten auf diesen Blick in die Hütte des Stammesführers – und auf die winzigen Badehosen – doch lieber verzichtet.