Mikoto Wie aus einer Schmuddelgegend eine Schlemmerecke wird

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Im Caleido an der Tübinger Straße hat jetzt ein japanisches Restaurant eröffnet – das Mikoto. Die Küche ist gut und bereichert das Quartier rund um die Paulinenbrücke, das sich allmählich zu einer Schlemmerecke mausert.

Die Eltern der Chefin Nhung Trinh sind ebenfalls Gastronomen. Foto: Horst Rudel
Die Eltern der Chefin Nhung Trinh sind ebenfalls Gastronomen. Foto: Horst Rudel

Stuttgart - Beeindruckend, wie rasant sich der Wandel vollzieht. Jahrelang ein tristes Stück Stuttgart, entwickelt sich die Gegend rund um die Paulinenbrücke zu einem Ort des Verweilens. Das erst im November eröffnete Perbacco ist an diesem Abend wieder brechend voll. Dass man bei dem Italiener hervorragend essen kann, hat sich schon herumgesprochen. Eine Tür weiter ist ein japanisches Lokal eingezogen. Namensgeberin Mikoto ist die Hauptdarstellerin in einem Zeichentrickfilm.

Wir haben Hunger. Die Bedienung auch, wie uns der gut gelaunte Mann versichert. Blitzschnell serviert er die Getränke. Der Crémant (0,1 l für 3,90 Euro) dürfte spritziger sein, der Riesling (0,2 l für 4 Euro) geschmacksintensiver, dafür ist die Tee-Auswahl japanisch-gut. Und dann die Vorspeise: Tuna-Salat mit perfekt gebratenem Thunfisch (9,50 Euro), der auf einem bunten Salat angerichtet ist. Sprossen, Minze, Eisbergsalat, Gurken – alles knackig-frisch, abgerundet von delikatem Sojadressing. Weniger aufregend, aber schön fruchtig schmeckt der Mangosalat mit Hühnerspieß, Gemüse und Erdnüssen (6,90 Euro).

Paniertes Sushi – eine gewagte, kleine Sünde

Kalt oder warm? Sushi oder Nudeln? Wir entscheiden uns für beide Hauptgerichtvarianten. Die Udon-Nudeln mit gebratenem Lachs (12,50 Euro) sind angenehm gewürzt, der Fisch ist ausgezeichnet. Nur ein bisschen mehr vom Saisongemüse wäre gut gewesen. Wenn schon leicht-gesund, dann aber richtig!

Auf der Karte steht auch paniertes Sushi, eine kleine Sünde, aber spannend. Die Spicy Crunchy Rolls (7,50 Euro) mit Thunfisch, Lauch und würziger Soße haben eine hauchdünne Panade. Etwas zu trocken sind die Oktopus-Nigiri (4,40 Euro), wir haben andere Favoriten. Unbedingt probieren: die Jakobsmuschel-Nigiri (4,90 Euro), sie zergehen auf der Zunge, ebenso die Lachs-Nigiri (4,40 Euro). Oder die Tekka Spicy Maki (4,50 Euro) mit herrlich dunkelrotem Thunfisch und feiner Schärfe.

Eine harmonische Einrichtung mit vielen Ideen

Auch bei der Einrichtung des Mikoto waren Menschen mit Geschmack am Werk. Der anthrazitfarbene Boden harmoniert mit den weinroten Sitzbezügen, der Kirschblüten-Wand und dem hellen Eichenholz an der Theke und im Deckenbereich. Uns gefallen die unterschiedlichen Sitzhöhen und die vielen Details wie die Natursteinbecken im Waschraum und die Metallwendeltreppe. Auf Letztere ist auch die in Vietnam geborene Inhaberin Nhung Trinh besonders stolz. Sie bringt einige gastronomische Erfahrung mit, ihre Eltern betreiben Lokale in Sindelfingen und im saarländischen Homburg. Als sie den Mietvertrag unterschrieb, waren ihre Freunde skeptisch erzählt sie, „doch ich glaube ans Caleido“. Sie freut sich, wenn demnächst ein Café und weitere gastronomische Nachbarn einziehen. „Das könnte eine neue Schlemmerecke werden.“ Das wäre nicht die schlechteste Perspektive, vor allem, wenn wieder Sommer wird und die Gäste auch die Terrasse nutzen können.

Mikoto, Tübinger Str. 41, Tel. 01 72/9 70 61 52. Geöffnet Mo–Sa 11–15 und 17–24 Uhr. Das Tagesangebot wechselt zweimal wöchentlich.

Die Bewertung:

Küche: ****

Service: ****

Ambiente: ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.