Milaneo und Königsbau Passagen in Stuttgart Gebäude leuchten flammend rot – jetzt machen Einkaufsriesen Druck

Das Milaneo erstrahlte am  Montagabend in rot. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Das Milaneo erstrahlte am Montagabend in rot. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Flammend rote Gebäude in Stuttgart: Mit einer Licht-Aktion haben das Milaneo und die Königsbau Passagen auf die existenzgefährdende Lage vieler Händler in der Coronakrise hingewiesen.

Digital Unit: Jonas Schöll (jo)
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Stuttgart - Es war ein Hilferuf in flammend roten Farben: Mit einer Lichtaktion haben die Stuttgarter Einkaufszentren Milaneo und Königsbau Passagen am Montagabend auf die schwierige Lage vieler Händler im Lockdown aufmerksam gemacht – und so ihrer Forderung nach Öffnungen Nachdruck verleihen. „Mit der Aktion wollen wir ein klares Zeichen setzen und zeigen: Der Handel blutet aus und die Lebendigkeit der Innenstadt ist in Gefahr“, sagte Malte Hilbing, Center Manager der Königsbau Passagen am Montag laut einer gemeinsamen Mitteilung beider Einkaufszentren.

Eine schnelle Öffnung der Geschäfte sei dringend, weil der anhaltende Lockdown viele Händler in ihrer Existenz gefährde. Auch Breuninger lässt seine Schaufenster im Flag Store in Düsseldorf leuchten – und beteiligt sich damit an der nationalen Initiative „Das Leben gehört ins Zentrum“, zu der sich zahlreiche Handelsunternehmen in ganz Deutschland zusammengeschlossen haben.

Forderung nach rascher Öffnung

Nach etlichen Wochen im Corona-Lockdown haben Friseure und Blumenhändler zum Wochenbeginn wieder aufgesperrt – auch weitere Branchen fordern immer vehementer Öffnungsperspektiven. Der Baden-Württembergische Industrie- und Handelskammertag sieht in einer zeitnahen Öffnungsstrategie für viele Betriebe den „letzten Strohhalm, um ihr Geschäft und mit ihm Arbeitsplätze zu retten“. Entscheidungen der grün-schwarzen Koalition über das weitere Vorgehen in der Corona-Pandemie dürften aber erst nach der für Mittwoch geplanten Schalte von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten fallen.

Lesen Sie hier: Bahnhofsturm und Kinos leuchten bunt – diese Botschaften stecken dahinter

In der Forderung nach einer raschen Öffnung des Einzelhandels verweist Center Manager Hilbing auf Studien, wonach das Infektionsrisiko im Einzelhandel niedrig sei. „Zudem haben die Geschäfte und Center bereits im vergangenen Jahr umfangreiche Hygiene- und Präventionskonzepte eingeführt, die auch weiterhin konsequent umgesetzt werden sollen“, sagt Dirk Keuthen, Center Manager des Milaneo.

Kritik an Click&Meet-Strategie

Für den nach wie vor weitgehend geschlossenen Einzelhandel schlug Landeswirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut die Einführung einer Click&Meet-Strategie – also des Einkaufens nach Terminvergabe – schon von kommender Woche an vor. Dies könne immerhin kleineren Geschäften „eine echte Perspektive“ bieten, sagte die CDU-Politikerin am Montag.

Center Manager Hilbing zeigt sich davon wenig begeistert: Solche Angebote seien keine Alternative – im Gegenteil. „Die Kosten für Personal und Ladenbetrieb sind zumeist höher als die Umsätze, so dass derartige Angebote die aktuellen Verluste nur weiter erhöhen würden.“

Lichtspektakel auch bei den Kinos

Bereits am Sonntagabend machten Kinos in Stuttgart auf ihre schwierige Lage im Lockdown aufmerksam. So leuchtete der Marquardtbau, das Zuhause der Kinos Gloria, EM und Cinema, in vielen Farben. Vor Beginn der Berlinale am Montag hatten zahlreiche Kinobetreiber in Deutschland eine Perspektive für ihre Häuser gefordert. Nach Angaben des Branchenverbands AG Kino hatten sich mehr als 300 Kinos zu der Lichtaktion angemeldet, neben Stuttgart etwa auch in Berlin und Köln.

„Wir leben seit vielen Monaten ohne Kultur“, sagte Verbandschef Christian Bräuer. Auch wenn man sich damit eingerichtet habe, sei das Zuhausebleiben eine Belastung. Bei den Kinobetreibern gehe es außerdem um die Existenz. Die Kinos sind seit November wieder geschlossen, auch viele andere Einrichtungen in Deutschland sind durch die Corona-Pandemie zu. Mit ihrer Aktion wollten die Kinobetreiber einen Appell an die Politik senden: „Gebt uns eine Öffnungsperspektive.“




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