Milchgipfel in Weinsberg Für Bauern eine Schmerzlinderung

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Der Milchgipfel in Weinsberg endet mit einem recht vagen Zehn-Punkte-Programm. Zuvor hatte ein Bauernfunktionär mit seiner Analyse die Alarmglocken schrillen lassen.

Leicht enttäuscht von den Gipfelteilnehmern: Agrarminister Peter Hauk (CDU) Foto: dpa
Leicht enttäuscht von den Gipfelteilnehmern: Agrarminister Peter Hauk (CDU) Foto: dpa

Weinsberg - Die Analyse von Landwirt Franz Käppeler vom Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverband lässt beim Milchgipfel am Montag in Weinsberg alle Alarmglocken läuten: „Wir haben eine Reihe von jungen, aktiven Landwirten, die wir unbedingt halten wollten. Die haben vor drei bis fünf Jahren investiert – jetzt haben wir die Sorge, dass die uns kaputt gehen.“ Der in einigen Regionen unter 20 Cent pro Liter gefallene Milchpreis lässt auch die rund 8500 Milchviehhalter in Baden-Württemberg zittern.

Käppeler macht den Handel verantwortlich: Dass Aldi pro Liter Milch nur 45 Cent verlangte, dass sei „unverschämt“. Markus Albrecht vom Milchwirtschaftlichen Verein Baden-Württemberg sieht den Grund für den „Einbruch in der Nachfrage“ allerdings global – der Milchpreis verlaufe kurioserweise parallel zu dem des Ölpreises, und der russische Importstopp tue ein Übriges.

Der frischgebackene Landwirtschaftsminister Peter Hauk hatte je ein Dutzend Vertreter der Bauern, der Molkereien und Experten aus seinem Ministerium nach Weinsberg eingeladen – die fünf Großkonzerne des Einzelhandels fehlten. Für Hauk ist das Anliegen der Milchbauern eine „Herzenssache“: „Ich habe die Sorge, dass mir die Milcherzeuger wegbrechen. Wir dürfen die Grünlandstandorte nicht brach liegen lassen.“

Über eine Drosselung der Menge wird nicht geredet

Was auf dem eintägigen Krisengipfel dann aber beschlossen worden ist, bezeichnete der Milchexperte Albrecht als „Schmerzlinderung“. Eine ernsthafte Debatte über eine freiwillige Mengendrosselung oder gestaffelte Preise hat nicht stattgefunden. Die Neigung, dies zu erörtern, sei bei Erzeugern und Verarbeitern „nicht besonders stark ausgeprägt gewesen“, sagte Minister Hauk. Er sei „ein Stück weit enttäuscht darüber“. Die Milchbranche im Land sieht es nicht ein, warum sie als „Milchzwerg“ hier mit Lösungen voranschreiten solle – zumal der Einzelhandel nicht mit am Tisch saß. Knapp acht Prozent beträgt der Anteil der Milch aus dem Südwesten an den gesamtdeutschen Anlieferungen an die Molkereien – ihr Anteil ist leicht gesunken. „Mengenbegrenzungen gehen nur auf europäischem Niveau“, sagt Markus Albrecht. Auf eine reine Landeslösung würde „der Markt nicht reagieren“, billige Milch würde über die Landesgrenzen „fließen“. Besonders die Iren haben ihre Milcherzeugung nach dem Ende der Quote drastisch gesteigert – um 33 Prozent.

Regionale Milchmarken sollen zu den Discountern

Der Spielraum des Landes in der Milchfrage ist eng begrenzt. Minister Hauk setzt auf kurzfristige Lösungen, die die Landwirte „durch das Tal bringen“: Er hofft auf Wirkungen der von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) vorgestellten Finanzhilfen des Bundes – Steuerglättung, Bürgschaften, Kredite – und auf das Ende des Monats in Kraft tretende Agrarmarktstrukturgesetz: Es macht für sechs Monate Mengenabsprachen zwischen Handel und Verbrauchern möglich. „Die Politik kann nur Rahmenbedingungen setzen. Eine staatliche Steuerung wird es nicht geben“, sagte Hauk. Er halte auch nichts von der Forderung grüner Agrarminister, Liquiditätshilfen für die Bauern an Mengenreduktionen zu knüpfen. Langfristig will Hauk die baden-württembergische Milch als Marke so stark machen, dass sie aktuelle Krisen übersteht. Und hier setzt sein Zehn-Punkte-Plan an, von denen die ersten drei Punkte – ständiger Dialog mit dem Einzelhandel, Nutzung von Steuererleichterungen sowie pünktliche Auszahlung von Fördermitteln – sich als recht pauschal erweisen. Vier Programmpunkte kreisen um regionale Produkte: Ihr Absatzmarkt soll gestärkt werden, das Marketing für Qualitätsprogramme (QZBW, BIOZBW, Geoprodukte) soll angekurbelt werden, regionale Förderprogramme sollen überprüft und eine Verbraucherkampagne die Leute an Produkte wie die „Schwarzwaldmilch“ heranführen. Jede Molkerei im Südwesten, so hieß es in Weinsberg, habe mittlerweile ihre eigene Regionalmarke. Es gilt nun, sie in die Regale der Discounter zu bringen.

Schließlich will Hauk prüfen, ob ähnlich wie in der Schweiz die Verwendung von Grundfutter aus Grünland zu fördern ist, er will Teilmärkte etwa für Heumilch erschließen und Betriebe besser beraten, wenn sie auf Spezialprodukte ausweichen oder auf den ökologischen Landbau umstellen wollen. Denn den Biobauern, das wurde in Weinsberg deutlich, scheint es besser zu gehen als den konventionellen Landwirten. Während in Baden-Württemberg der durchschnittliche Erzeugerpreis für konventionelle Milch von 31,36 Cent (im Jahr 2015) auf 26,9 Cent (im März 2016) gefallen ist, stagnierte er bei der ökologisch erzeugten Milch. Er lag im Jahresdurchschnitt 2015 bei 48,3 Cent pro Kilo, im Januar und Februar diesen Jahres sogar etwas höher bei 48,9 Cent.