Milchquote Es kommt auf die Bauern an

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Seit 1984 legt die Quotenregelung fest, wie viel Milch ein Bauer produzieren darf. Doch an den heftigen Schwankungen der Milchpreise hat das nichts geändert. Die Abschaffung der Quote zum 1. April ist daher konsequent, meint StZ-Wirtschaftsredakteur Werner Ludwig.

Am 1. April beginnt für  Milchbauern eine neue Zeitrechnung: die Quote fällt. Foto: dpa
Am 1. April beginnt für Milchbauern eine neue Zeitrechnung: die Quote fällt. Foto: dpa

Stuttgart - Mit der Abschaffung der Milchquote setzt die EU den Kurs der schrittweisen Liberalisierung der Agrarmärkte fort. Vom 1. April an haben es allein die Landwirte in der Hand, wie viel Milch sie produzieren. Droht nun eine massive Überproduktion mit Preisen, die ins Bodenlose sinken und Milchbauern reihenweise in den Ruin treiben? Unter der Voraussetzung, dass sich die Landwirte wirtschaftlich rational verhalten, eher nicht. Gerade das vergangene Jahr hat gezeigt, dass viele Milchbauern längst gelernt haben, auf Marktsignale zu reagieren. Angesichts der positiven Preisentwicklung im Jahr 2013 haben sie mehr Milchkühe gehalten und – Quote hin oder her – 2014 mehr Milch abgeliefert, was nun sinkende Preise zur Folge hat. Diese sollten nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage dazu führen, dass die Milchbauern im kommenden Jahr etwas weniger produzieren, und zwar so lange, bis die Preise wieder anziehen.

Schweine- und Ferkelhalter, die schon länger in einem weitgehend freien Markt agieren, kennen das zyklische Auf und Ab von Preisen und Produktion nur zu gut – nicht von ungefähr spricht man auch im Zusammenhang mit anderen Branchen oft von einem „Schweinezyklus“. Allerdings hat es auch am quotenregulierten Milchmarkt erhebliche Preisschwankungen gegeben. Sie waren aber weniger eine Folge der Quote als der gestiegenen Exportabhängigkeit. Lief in den vergangenen Jahren das Geschäft mit boomenden Regionen in Asien und anderen Teilen der Welt gut, bewegten sich die Preise steil nach oben, um bei Problemen wie derzeit in Russland wieder genauso schnell abzustürzen. In früheren Phasen der EU-Agrarpolitik konnte Brüssel solche Nachfrageschwankungen mit gestützten Exporten abmildern, doch solche Subventionen wurden zum Glück abgebaut, weil sie den Bauern in anderen Ländern schaden.

Dass das Preisniveau durch die Abschaffung der Quote dauerhaft sinken wird, ist nicht ausgemacht. Vieles spricht aber dafür, dass die Preise künftig noch heftiger schwanken werden. Darauf müssen sich Landwirte, Molkereien und Handel einstellen – zum Beispiel mit Lieferverträgen, die Mengen und Preise festschreiben und so etwas mehr Planungssicherheit schaffen.