Militäraktion gegen bin Laden Obama lässt das Urteil vollstrecken

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In den USA wirkt der Tod Osama bin Ladens wie ein historischer Befreiungsschlag. In vielen Städten feierten die Menschen ausgelassen.

Washington - Es ist fast Mitternacht, als im Ostflügel des Weißen Hauses der US-Präsident den Satz ausspricht, dem die ganze Nation seit Stunden entgegenfiebert, denn längst kursierten Gerüchte. "Heute Abend kann ich dem amerikanischen Volk und der Welt die Nachricht verkünden, dass die Vereinigten Staaten eine Operation durchgeführt haben, die Osama bin Laden, den Anführer von Al-Qaida, getötet hat", sagt Barack Obama. "Das gerechte Urteil ist vollstreckt."

Ganz ohne sichtbare Regung, sachlich-nüchtern verkündet Obama den historischen Erfolg. Nur bei der Erinnerung an das von Amerikanern durchlittene Leid wird er emotional. Ein strahlender Septembertag sei vor fast zehn Jahren vom schlimmsten Angriff auf das amerikanische Volk verdunkelt worden. "Lasst uns heute Nacht an den Geist der Geschlossenheit zurückdenken, der uns am 11. September 2001 beherrscht hat", sagt Obama. Er wisse wohl, dass dieser brüchig geworden sei, schiebt er vielsagend hinterher.

Das wird Obamas Bild verändern

Immer wieder hat dieser Präsident die nationale Einheit beschworen. Doch allzu häufig ist sie ihm angesichts der Feindseligkeit seiner Gegner entglitten. Vor wenigen Tagen musste er sogar seine Geburtsurkunde aus der Schublade ziehen, weil ihn fast die Hälfte der republikanischen Parteigänger nicht einmal für einen Amerikaner gehalten hatte. Doch beim Kampf gegen den Terror hat Obama Wort gehalten. Schon im Wahlkampf hatte er versprochen, dass ihn nichts von der Jagd nach bin Laden ablenken werde. Für seine Ankündigung, dass er notfalls US-Soldaten nach Pakistan schicken werde, hatte ihn selbst der republikanische Präsidentschaftsrivale John McCain gerügt. Einmal im Amt hat Obama dies so nicht mehr wiederholt.

Das Verhältnis zum wackligen Verbündeten Pakistan war schwierig genug. Die Tatsache, dass bin Laden im Herzen dieses Landes so lange unentdeckt blieb, erscheint merkwürdig. Doch der US-Präsident hat die Kommandoaktion, die dem Terroristen das Leben kostete, mit einer Härte durchziehen lassen, die ihm viele nicht zugetraut hätten. Das wird sein Bild verändern. Obama steht nun da als einer, der den Mut zu einer schwierigen Entscheidung hatte. "Ich" sagt er bei seinem patriotisch gefärbten Auftritt eher selten. An einer Stelle tut er es doch: "Kurz nachdem ich mein Amt übernommen hatte, wies ich Leon Panetta, den Direktor der CIA, dazu an, die Tötung oder die Gefangennahme von Osama bin Laden zur allerhöchsten Priorität in unserem Krieg gegen Al-Qaida zu machen."