Russland kündigte „Gegenmaßnahmen“ gegen die Erweiterung der Nato an. Die Aufnahme Finnlands sei ein „Angriff auf unsere Sicherheit und die nationalen Interessen Russlands“, erklärte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Dies werde „Gegenmaßnahmen“ nach sich ziehen. Details nannte er jedoch nicht. Zugleich wies Peskow die These zurück, dass der Nato-Beitritt Finnlands gleichbedeutend mit dem von Russland befürchteten Beitritt der Ukraine sei. Finnland sei nie zum „Antirussland“ geworden, zudem habe es mit dem Nachbarn im Norden keinen Streit gegeben.
Finnland hatte gemeinsam mit seinem Nachbarland Schweden den Beitritt zur Nato beantragt. Der Aufnahme eines neuen Landes müssen stets alle bisherigen Mitgliedstaaten zustimmen, was bei Finnland inzwischen erfolgt ist. Schweden steht noch vor einigen Hürden, da sowohl die Türkei als auch Ungarn den Beitritt noch nicht ratifiziert haben.
Finnland entstand im Jahr 1917
Mit der Vollmitgliedschaft Finnlands in der Nato schließt sich ein langes Kapitel der Sicherheitspolitik eines kleinen Landes mit einem großen Nachbarn. Vor über hundert Jahren machte die Schwäche des großen Nachbarn die Unabhängigkeit des nordeuropäischen Landes erst möglich. Finnland entstand in den letzten Tagen von 1917, die Oktoberrevolution in Moskau hatte die Machtverhältnisse destabilisiert. Zuvor hatte Finnland als Großherzogtum zum Zarenreich gehört, bis 1809 unterstand das Gebiet der schwedischen Krone. Die Auseinandersetzungen zwischen Schweden und Russland seit dem frühen Mittelalter gaben den Finnen lange keine Chance zur Bildung eines eigenen Staates. Ursprünglich gab es in Helsinki Pläne, einen deutschen Adeligen zum König zu küren, doch das Ende des deutschen Kaiserreiches machte diese Ambitionen hinfällig.
Die ersten Monate der Unabhängigkeit im Jahre 1918 waren durch einen Bürgerkrieg überschattet, wobei die „weißen“ bürgerlichen Kräfte die „roten“ mit deutscher Hilfe schlugen. Nach Grenzkriegen konnte sich die 1919 gegründete Republik 1920 mit Sowjetrussland über die Grenzlinie einigen, bei dem Streit mit Schweden um die Alandinseln sprach der Völkerbund das Archipel Finnland zu, verpflichtete Helsinki zu einer Entmilitarisierung der Inseln. Das Land war damals innenpolitisch durch den Bürgerkrieg zerrissen, faschistische Strömungen forderten weiterhin eine Annektierung Ostkareliens, auf der anderen Seite bereitete man sich auf einen Angriff aus dem Osten vor. Die Wehrpflicht ist in Finnland darum seit Staatsgründung nie aufgegeben worden.
Mit der Sowjetunion schloss das Land 1932 einen Nichtangriffspakt und setzte vor allem seit 1935 auf eine weitere Annäherung an den Kreml. In jenem Jahr griff Italien Abessinien an und der Völkerbund entpuppte sich als machtlos. Gleichzeitig wurde versucht, mit den anderen skandinavischen Ländern näher zusammenzuarbeiten, um eine Allianz anzustreben. Als Josef Stalin das Abkommen brach und Ende 1939 das Land okkupieren wollte, war Finnland militärisch auf sich allein gestellt – allerdings begleiteten die internationalen Medien mit viel Sympathie den Abwehrkampf von David gegen Goliath.
1944 löste Finnland „Waffenbrüderschaft“ mit Deutschland auf
Nach Verhandlungen musste die Regierung in Helsinki im Frühjahr 1940 Gebiete abtreten, konnte jedoch eine Okkupation verhindern. Kurz vor dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion 1941 trat Finnland dann aus dem Völkerbund aus, holte sich im Verbund mit NS-Deutschland die Gebiete zurück und war auch an dem Vorstoß Richtung Leningrad beteiligt.
Nach einer erneuten erfolgreichen Abwehr der Roten Armee im Sommer 1944 begannen Verhandlungen mit dem Kreml, die finnische Regierung löste die „Waffenbrüderschaft“ mit Deutschland auf. Der Kreml ließ die Neutralität des Landes im finnisch-sowjetischen Vertrags von 1948 festlegen, der bis 1992 galt. Die darauf folgenden nahen Kontakte der finnischen Regierungen in Sachen Diplomatie und Handel mit der Sowjetunion kritisierte der Westen als „Finnlandisierung“.
Wie geht es mit den Alandinseln weiter?
Doch neben dem Dialog wurde auch eine Aufrüstung (oft mit sowjetischen Waffenlieferungen) betrieben, die das Land auf eine weitere Invasion vorbereiteten. Zudem waren die Vereinten Nationen für das Land von großer Bedeutung. Rund 50 000 finnische Soldaten und Soldatinnen dienten bei über vierzig UN-Einsätzen. Der Gedanke war, dass man sich im Ausland „viele Freunde“ schafft, auch wenn sich Finnland bewusst war, in einem Angriffsfall auf sich selbst gestellt zu sein. Damit ist es nun vorbei. Schon nach der Krim-Annexion 2014 näherten sich Schweden und Finnland der Nato an und setzten gemeinsame Manöver im Ostseeraum um.
Als offene Fragen gelten derzeit die mögliche Nato-Basen und der nukleare Schutzschirm. Auch der Umgang mit den Alandinseln ist unklar – dort wacht ein russisches Konsulat darüber, dass die strategisch wichtige Inselgruppe demilitarisiert bleibt.