Milliardengewinn und Rekorddividende LBBW trotzt Signa-Debakel und Immobilienkrise
Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds liefert Deutschlands größte Landesbank eine starke Jahresbilanz. Auch 2024 rechnet LBBW-Chef Neske mit guten Zahlen.
Ungeachtet des schwierigen Marktumfelds liefert Deutschlands größte Landesbank eine starke Jahresbilanz. Auch 2024 rechnet LBBW-Chef Neske mit guten Zahlen.
Signa-Debakel, Insolvenzwelle bei Projektentwicklern, Bürokrise in den USA – der Immobilienmarkt war in letzter Zeit nichts für schwache Nerven. Der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die zu den größten Immobilienfinanzierern hierzulande zählt, konnten die Marktturbulenzen bislang jedoch wenig anhaben.
„Ich glaube, es wird sich alles zurecht schaukeln“, sagte LBBW-Vorstandschef Rainer Neske bei der Präsentation der Jahresbilanz in Stuttgart. Seine Bank vergab Kredite an Firmen der strauchelnden Signa-Gruppe des österreichischen Geschäftsmanns René Benko und ist auch am kriselnden US-Gewerbeimmobilienmarkt engagiert. Doch die Risiken sind laut Neske übersichtlich.
Der Bank-Manager bestätigte, dass die LBBW ein Kreditengagement an den insolventen Onlinehändler Signa Sports United im vergangenen Jahr komplett abgeschrieben habe. Dabei sei es um einen zweistelligen Millionenbetrag gegangen. Weitere Risikovorsorge mit Blick auf Signa – etwa aufgrund von Ausfallrisiken durch Immobilienkredite – sei nicht zu erwarten, so Neske.
Insgesamt hob die LBBW die Rückstellungen im Geschäftsfeld Immobilien und Projektfinanzierungen 2023 dennoch von 168 Millionen Euro im Vorjahr auf 180 Millionen Euro an, wie der Geschäftsbericht zeigte. In dieser Summe sei auch ein wesentlicher Sicherheitspuffer „mit Blick auf die schwierige Lage in der gewerblichen Immobilienfinanzierung“ enthalten, teilte die Landesbank mit.
Die LBBW betonte jedoch ihr geringes Engagement am US-Büromarkt, der wegen des Homeofficetrends unter hohen Leerstandsquoten leidet und durch den Zinsanstieg sowie sinkende Mieteinkünfte und Objektbewertungen für einige Banken zu einer tickenden Kreditbombe werden könnte. Nach Angaben der LBBW entfallen aber nur acht Prozent des insgesamt rund 71 Milliarden Euro umfassenden Immobilienkreditvolumens der Bank auf Nordamerika. Es sei nicht zu erwarten, „dass uns ganze Bestände in die Risikovorsorge gehen“, sagte Finanzvorständin Stefanie Münz zum US-Markt.
Der Konzerngewinn der LBBW vor Steuern sank im vergangenen Jahr zwar um 27 Prozent auf 1,37 Milliarden Euro. Dieser Rückgang lag jedoch an einem positiven Sondereffekt in Höhe von 972 Millionen Euro aus der Übernahme der Immobilienbank Berlin Hyp, der das Ergebnis im Vorjahr erhöht hatte. Ohne diesen bilanziellen Sondereffekt wäre der Vorsteuergewinn 2023 dank des Rückenwindes durch die Zinswende und eines starken Kundengeschäfts um über 50 Prozent gestiegen.
„Das erfreuliche Ergebnis zeigt: Wir sind operativ leistungsstark und strategisch auf Kurs“, verkündete Vorstandschef Neske. Trotz der schwachen Konjunktur wachse die LBBW im Kundengeschäft, steuere ihre Kosten eng und habe ihre Risiken im Griff. 2024 rechnet die Bank erneut mit einem Gewinn vor Steuern von über einer Milliarde Euro.
Die Eigenkapitalrendite der LBBW lag 2023 bei 9,1 Prozent. Im Vorjahr betrug sie – bereinigt um den Sondereffekt aus der Übernahme der Berlin Hyp – nur 6,2 Prozent. Die Anzahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter legte im vergangenen Jahr leicht zu auf 10 434 Beschäftigte. Die LBBW stellte vor allem in der Vermögensverwaltung ein und wegen der steigenden Bedeutung des Themas Cybersecurity in der IT. Angesichts der soliden Kapitalausstattung schlage die Bank der Hauptversammlung eine Ausschüttung in Höhe von 400 Millionen Euro an die Anteilseigner vor – eine Rekorddividende.
„Die gute Bilanz der LBBW ist auch Ausdruck der wachsenden Stärke des Finanzplatzes Stuttgart“, teilte Baden-Württembergs Finanzminister Danyal Bayaz mit. Die LBBW stehe als größte Landesbank in Deutschland stellvertretend für diese Entwicklung. „Für die Unternehmen im Land ist die LBBW gerade auch in wirtschaftlich unsicheren Zeiten ein wichtiger und verlässlicher Partner für Transformation und den Zugang zum Kapitalmarkt.“ Auch wenn LBBW-Chef Neske sein eigenes Haus gut aufgestellt sieht, glaubt er, dass 2024 für Deutschland insgesamt schwierig werden dürfte. „Leider bleibt der gesamtwirtschaftliche Ausblick äußerst verhalten.“ Neben konjunkturellen Faktoren belasteten vor allem strukturelle Probleme die Industrie. „Die überbordende Bürokratie, die hohen Energiepreise und der Fachkräftemangel sind eine immense Bürde für die Wirtschaft“, warnt der Bankchef.