Millionenfaches Kükentöten geht weiter 2020 mehr als 40 Millionen Küken geschreddert oder vergast

Männliche Küken sitzen in einem Korb in einer Hühnerfarm in Mecklenburg-Vorpommern:  Das millionenfache Töten männlicher Küken in der deutschen Legehennenhaltung soll ab Anfang 2022 verboten sein. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa
Männliche Küken sitzen in einem Korb in einer Hühnerfarm in Mecklenburg-Vorpommern: Das millionenfache Töten männlicher Küken in der deutschen Legehennenhaltung soll ab Anfang 2022 verboten sein. Foto: Bernd Wüstneck/zb/dpa

Weil sie sich nicht vermarkten lassen, werden massenhaft Küken kurz nach dem Schlüpfen getötet. Tierschützer machen seit Jahren Front gegen diese Praxis.

Leben: Markus Brauer (mb)
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Berlin/Saarbrücken - Auch im vergangenen Jahr sind in Deutschland wieder Millionen Küken getötet worden. Wie die „Saarbrücker Zeitung“ unter Berufung auf die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen berichtete, wurden 2020 mehr als 40 Millionen Tiere nach dem Schlüpfen geschreddert oder vergast.

Der Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer sagte, auch wenn die Zahl im Vergleich zu 2019 um fünf Millionen gesunken sei, „das Schreddern der männlichen Küken ist auch im letzten Jahr auf hohem Niveau weitergegangen“. Statistisch werde zwar nur die Anzahl der ausgebrüteten weiblichen Küken genannt, die Regierung gehe aber von einer ähnlichen Anzahl männlicher Küken aus.

Krischer kritisiert, dass das von Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) auf den Weg gebrachte Gesetz über ein Verbot des Tötens männlicher Küken ab 2022 immer noch nicht auf der Tagesordnung des Bundestages stehe. „Das muss jetzt zeitnah passieren, sonst ist es wieder für 2022 zu spät.“ Die Landwirtschaftsministerin stehe in der Pflicht, ihr Versprechen einzuhalten, fordert Krischer.

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Wirtschaftlich unrentabel

Hintergrund ist, dass die Aufzucht der männlichen Tiere für die Industrie wirtschaftlich unrentabel ist. Teils ist von „Schreddern“ die Rede, die Küken werden meist aber mit Gas getötet. Das Bundesverwaltungsgericht entschied 2019, dass Tierschutzbelange schwerer wiegen als wirtschaftliche Interessen und erklärte die Praxis nur noch für eine Übergangszeit für zulässig.

Embryos vor dem 7. Tag kein Schmerzempfinden haben, wie das Ministerium erläutert. Derzeit seien Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei zwischen dem 9. und 14. Tag marktreif. Insgesamt dauert es 21 Tage, bis Küken schlüpfen.

Konkret soll ab 1. Januar 2022 verboten werden, männliche Küken zu töten, „die aus Zuchtlinien stammen, die auf die Legeleistung ausgerichtet sind“. Ausgenommen sind Maßnahmen bei Tierseuchen. In einem zweiten Schritt tabu sein sollen dann ab 1. Januar 2024 auch „Eingriffe an einem Hühnerei“ ab dem 7. Tag des Brütens, um das Geschlecht vor dem Schlüpfen zu bestimmen.

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