Ein historischer Moment für Esslingen: Mit dem Abriss und Neubau von Haus 2 erhält das örtliche Klinikum ein hochmodernes neues Herzstück.
Für den Esslinger Oberbürgermeister Matthias Klopfer war es nicht weniger als ein historischer Moment – nicht nur für das örtliche Klinikum. Mit dem Abriss von Haus 2, das einem aufwendigen Neubau weichen muss, geht die Stadt einen großen Schritt auf dem Weg zur Gesundheitsversorgung der Zukunft. In den kommenden 15 Jahren sind der Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der verbleibenden Gebäude in mehreren Bauabschnitten geplant. Der Neubau, der das bisherige Haus 2 ersetzt, gilt als Meilenstein. Beim symbolischen ersten Biss der Abrissbagger sprach der Oberbürgermeister vom „größten Bauvorhaben in der Geschichte der Stadt“. Rund 190 Millionen soll der Nachfolger von Haus 2 kosten – 2029 soll das neue Herzstück des Klinikums in Betrieb gehen.
Die Aufgabe ist komplex, schließlich entsteht das neue Gebäude nicht etwa auf der grünen Wiese, es ist vielmehr eingebettet in eine jahrzehntelang gewachsene Gebäudestruktur. Die Arbeiten müssen bei laufendem Klinikbetrieb gemeistert werden. Dem Abriss des bestehenden Hauses 2 aus dem Jahre 1966 sind jahrelange aufwendige Vorbereitungen vorausgegangen.
Komplexe Aufgaben für das Klinikum
Mit einem vierstöckigen neuen Modul-Gebäude für 150 Betten wurden die nötigen Ausweichflächen geschaffen, um einen Teil der bestehenden Gebäude nach und nach durch Neubauten zu ersetzen. Wichtige Klinikbereiche mussten verlegt werden – und zwar so, dass sie künftig bessere und funktionalere Arbeitsbedingungen vorfinden. Außerdem wurden die Versorgungsleitungen für diese und alle künftigen Gebäude in einer Ringtrasse zusammengefasst.
Im Nachfolger von Haus 2 sollen künftig wesentliche Klinikfunktionen Platz finden. Auf sieben Vollgeschossen entstehen rund 16 000 Quadratmeter Nutzfläche. Im zweiten Untergeschoss ist die Technikzentrale vorgesehen, im ersten Untergeschoss wird es acht Operationssäle geben. Im Erdgeschoss findet die zentrale Notaufnahme mit 24 Untersuchungs- und Behandlungsräumen, zwei Schockräumen, zwei CT-Räumen und einem Gipsraum Platz. Darüber folgen die Intensivstation mit 20 Betten sowie die Gynäkologie und Geburtshilfe. In den obersten beiden Etagen entstehen zwei Allgemeinpflegestationen mit jeweils 40 Betten.
Herzensanliegen für Esslinger Abrissunternehmen
Doch bis das neue zentrale Klinikgebäude eröffnet werden kann, gibt es noch viel zu tun. Bereits der Abbruch des bestehenden Gebäudes mit seinen rund 5000 Kubikmetern umbautem Raum ist eine gewaltige Aufgabe: Mit schwerem Gerät ist die Esslinger Firma GL-Abbruch angerückt, um das alte Haus 2 Stück für Stück abzutragen. Für Firmenchef Gerhard Ludwig, der sich dem Klinikum auch persönlich eng verbunden fühlt, ist das reibungslose Gelingen Ehrensache: „Als Esslinger Firma wollten wir diese Aufgabe unbedingt übernehmen.“
Rund 7500 Tonnen Beton und Bauschutt werden beim Abriss von Haus 2 anfallen – sie sollen jedoch weitgehend als wertvolles Baumaterial wiederverwertet werden. Klaus Luig von der HWP Planungsgesellschaft verhehlte anlässlich des ersten Abrissbaggerbisses nicht, dass heutzutage immer häufiger versucht werde, bestehende Gebäude zu erhalten. Doch das sei in diesem speziellen Fall nicht die beste Option gewesen: „Gerade bei einem modernen Klinikum spielen Aspekte wie Hygiene, Funktionalität und perfekte Abläufe eine wesentliche Rolle.“ Mit einer Sanierung von Haus 2 wären diese Ziele nicht erreichbar gewesen, unterm Strich hätte sich das laut Luig nicht gerechnet. Der Neubau, der nun realisiert wird, stellt alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Allein die Dimensionen zeigen die Größe der Aufgabe: Die Baugrube ist etwa 100 Meter lang, 47 Meter breit und 15 Meter tief.
Starker Rückhalt aus der Kommunalpolitik
OB Matthias Klopfer, der im Führerstand eines Baggers mit 33 Meter langem Greifarm Platz nahm, um symbolisch den Abriss zu starten, sieht in diesem Projekt ein wichtiges Zeichen für die Zukunft des Klinikums. Dass sich der Gemeinderat in großer Eintracht zu dem rund 190 Millionen Euro teuren Projekt bekannt und dessen Notwendigkeit trotz finanziell schwieriger Rahmenbedingungen nie in Frage gestellt hatte, zeige die hohe Wertschätzung für das Klinikum ebenso wie die Tatsache, dass das Land angekündigt hat, den Neubau maßgeblich zu fördern. Dass der Neubau durchaus auch mit Einschränkungen verbunden ist, ist Klopfer bewusst. Doch er wirbt für eine konstruktive Sicht: „Baulärm ist Zukunftsmusik.“
Klinik-Geschäftsführer Matthias Ziegler sprach beim Start der Abrissarbeiten von einem Meilenstein für das Klinikum – und von einem wichtigen Zeichen. Dass die Stadt uneingeschränkt hinter ihrem Klinikum stehe und beste Voraussetzungen für eine hoch qualifizierte medizinische Versorgung schaffen will, komme den Patienten unmittelbar zugute und habe zuletzt auch geholfen, hoch qualifiziertes Personal zu gewinnen
Große Pläne für das Klinikum
Masterplan
Das Klinikum Esslingen verfügt über zehn miteinander verbundene Gebäude- und Gebäudeteile, in denen Patienten versorgt werden – der größte Teil der Bausubstanz ist inzwischen mehr als 50 Jahre alt und sanierungsbedürftig. Deshalb hat das Klinikum 2021 mit einem „Masterplan Bau“ begonnen, die Weichen für die Zukunft zu stellen. Dahinter stand die Erkenntnis, die auch vom Gemeinderat mit breiter Zustimmung geteilt wird, „dass die Umsetzung moderner und patientenorientierter Versorgungs- und Unterbringungsstrukturen nur mit einem umfassenden Neubauvorhaben realisierbar ist“. Die Masterplanung sieht innerhalb der nächsten 15 Jahre den Neubau aller wesentlichen Klinikfunktionen und eine Sanierung der noch verbleibenden Gebäude in mehreren Bauabschnitten vor.
Etappen
In einem ersten Schritt wurde ein vierstöckiges Modul-Gebäude für 150 Betten errichtet, das die nötigen Ausweichflächen bietet, um danach bestehende Gebäude durch Neubauten ersetzen zu können. Mit dem Abriss von Haus 2 hat die Stadt nun begonnen, das Herzstück des Esslinger Klinikums vollkommen neu aufzustellen.