Mimi und Peter aus Filderstadt Bis zum ersten Kuss vergehen nur ein paar Sekunden

Mimi und Peter Kuchler haben noch in dem Jahr geheiratet, in dem sie sich kennengelernt haben: 1968. Foto: privat

Mimi macht sich auf eine lange Zugfahrt, um ihren Bruder in Stuttgart zu besuchen. Als sie ankommt, sieht sie zuerst seinen Kumpel Peter, und da sind sofort diese Schmetterlinge. Viel Zeit bleibt ihnen aber nicht.

Psychologie/Partnerschaft: Florian Gann (fga)

Es ist 1.30 Uhr am 30. April 1968, als Mimi in ihrem Büro-Outfit – dunkler knielanger Rock, weiße Bluse – den Zug am Stuttgarter Hauptbahnhof verlässt, und dann passiert alles innerhalb von Sekunden. Sie sieht erst nur Peter in seiner grauen Hose, dem weißen Hemd und der dunklen Krawatte – ebenfalls Arbeitsklamotten. Mimi geht auf Peter zu, „und man begrüßt sich halt per Umarmung“, sagt Mimi heute. Und statt den Begrüßungsbussis auf die Wange visieren beide etwas zentraler an, sie küssen sich direkt auf den Mund. „Da waren die berühmten Schmetterlinge im Bauch“, sagt Mimi.

 

Den eigentlichen Grund für den Besuch hätte sie fast vergessen

Irgendwann tippt ihr der Bruder auf die Schulter, fast hätte sie ihn vergessen. Denn Mimi – die tatsächlich Frieda heißt, aber niemand so nennt – ist aus der Tiroler Heimat angereist, um ihren Bruder zu besuchen. Eigentlich. Aber der hatte eben seinen Kumpel Peter – 27 Jahre alt, gut aussehend, dunkle Haare – mitgenommen. Die Überraschung hat bei Mimi, 23 Jahre alt, voll eingeschlagen.

Für den nächsten Tag verabreden sie sich alle zusammen im Café Marino in der Rotebühlstraße. Schnell wird klar, dass in dieser Dreierkonstellation einer zu viel ist. „Mein Bruder hat dann gemerkt, dass es besser ist, wenn er verschwindet“, sagt Mimi Kuchler heute. Mimi und Peter verbringen die nächsten Tage viel Zeit miteinander. Sie übernachtet bei ihrem Bruder, er wohnt bei seiner Mutter, ihnen bleibt nichts, als durch Stuttgart zu streifen. Und Peter merkt, wie die anderen Männer Mimi anschauen. Er denkt sich: „Die gehört aber mir.“

Ein Antrag an der Rotebühl-Kreuzung? Für Peter der richtige Zeitpunkt

Drei Tage nach Mimis Ankunft steht das frische Paar an der Rotebühl-Kreuzung vor einer roten Ampel, von rechts kommt ein Auto. Für Peter der richtige Zeitpunkt, er sagt: „Mädle, spring, i heirat di trotzdem.“ Das ist die nüchtern-schwäbische Art, mit der Peter meint: Egal was mit dir passiert, ich will dich heiraten, und Mimi versteht das sofort: Sie sagt ja.

Als sie nach fünf Tagen abreist, sind der Bahnsteig und der Zug voller Soldaten. Da will Peter schnell noch alles klarmachen, und er ist vorbereitet: Er steckt seiner Mimi an Bahnsteig 16 einen Verlobungsring an den Finger. Wie konnten sie nach ein paar Tagen schon wissen, dass sie zusammengehören? „Es hat halt gepasst“, sagen beide gleichzeitig. Das ist ihre Art, Liebe auf den ersten Blick zu beschreiben. Der Rest ist Geschichte.

Tauben liefern das gute Omen für 55 Jahre Ehe

Im Oktober 1968 heiraten die beiden. Etwas mehr als zehn Jahre dauert es bis zum ersten Kind, später kommt ein Pflegesohn dazu. Wenn die Kuchlers über ihre Söhne reden, sagen sie einfach „unsere zwei“. Seit 1993 wohnen sie in Filderstadt. „Unser Weg war nicht immer leicht“, sagt Mimi Kuchler. Sie haben viele Familienmitglieder verloren. Auch Mimis Bruder, der letztendlich alles ins Rollen gebracht hat, ist längst gestorben. Aber von ihm bleibt eine Anekdote, die sehr gut zu den beiden passt: Bei der kirchlichen Trauung schnäbeln im Kirchenfenster zwei Tauben, geben sich also Vogelküsse, während sich unterhalb das Brautpaar für das Ja-Wort bereit macht. Mimis Bruder sieht das als gutes Omen: „Das muss heben“, sagte er danach. Mittlerweile sind die Kuchlers 55 Jahre zusammen.

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