Mindestalter in Bayern Erst mit 40 Jahren reif fürs Regieren?
CSU-Chef Söder unterstützt den CDU-Vormann Manuel Hagel (37) im Wahlkampf. Seine Partei beharrt in Bayern aber darauf, dass Regierungschefs nicht so jung sein dürfen.
CSU-Chef Söder unterstützt den CDU-Vormann Manuel Hagel (37) im Wahlkampf. Seine Partei beharrt in Bayern aber darauf, dass Regierungschefs nicht so jung sein dürfen.
Es ist ein Fernduell mit Plakaten. „Erfahrung“ streicht Cem Özdemir heraus, „neue Kraft“ setzt Manuel Hagel entgegen. Kein Wunder: Der Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl ist gerade 60 geworden, sein CDU-Kontrahent wird im Mai 38. In Bayern müsste sich der Favorit damit noch zwei Jahre gedulden, bis er das Amt des Ministerpräsidenten antreten dürfte. Dort gilt seit jeher das Mindestalter von 40, im Südwesten liegt es bei 35.
Sind die Bayern übervorsichtig oder die Baden-Württemberger leichtsinnig? Diese Frage parierte der CDU-Generalsekretär Tobias Vogt (40) bei der Plakatvorstellung mit dem Verweis auf Hagels Erfahrung: Zwanzig Jahre mache der schon Kommunalpolitik, zehn Jahre Landespolitik. Auch der Bayern-Premier Markus Söder, mehrfach für Hagel im Einsatz, lobt ihn als erfahrenen Politiker, der in jungen Jahren schon viel Verantwortung getragen habe.
Söders CSU aber hält eisern am Mindestalter von 40 Jahren fest. Erst im Dezember wurde im Münchner Landtag wieder ein Antrag der Grünen abgelehnt, die Verfassungsvorgabe als nicht mehr zeitgemäß zu streichen. Von allen Verweisen auf erfolgreiche Jung-Politiker ließ sich die CSU nicht beeindrucken. Ihr Redner Alexander Dietrich (50) warnte eindringlich vor einem Zugeständnis an den Zeitgeist. „Nie wieder dürfe politische Macht ohne Reife verliehen werden“, das hätten die Väter und Mütter der Verfassung im Sinn gehabt. Man wolle „keine Experimente und Sprungbretter für politische Selbstverwirklichung, sondern erprobte und erfahrene Führungspersönlichkeiten an der Spitze, die in der Lage sind, auch einmal etwas auszuhalten“ – das gelte bis heute. Das Amt des Ministerpräsidenten sei „kein Schülerpraktikum und kein Belohnungssystem für Parteikarrieren“, sondern verlange Würde und Gewicht.