Mineralbad Leuze in Stuttgart Zwei sexuelle Übergriffe in einer Woche

Das Mineralbad Leuze liegt im Stuttgarter Osten, direkt am Neckar. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

In der vergangenen Woche sind in dem Mineralbad zwei Minderjährige sexuell belästigt worden. Bädersprecher Jens Böhm bedauert die Vorfälle. Er ist aber überzeugt davon, dass die Meldekette von Badegästen über das Personal bis hin zur Polizei funktioniert.

Reporter: Sebastian Steegmüller (seb)

Den Besuch des Mineralbads Leuze im Stuttgarter Osten sollte man eigentlich mit ausgelassenem Badespaß gleichsetzen können. Für zwei Minderjährige, die in der letzten Osterferienwoche dort zu Gast waren, trat das genaue Gegenteil ein. Sie sind in der Herrendusche sexuell belästigt worden.

 

Der jüngste Vorfall ereignete sich am frühen Samstagabend. Ein 69 Jahre alter Mann soll vor einem 15-Jährigen onaniert und dabei die andere Hand in Richtung seines Schritts ausgestreckt haben. Nach Polizeiangaben flüchtete der Jugendliche anschließend zu seinem Vater und erzählte vom Erlebten. Der daraufhin verständigte Bademeister hielt den 69-Jährigen bis zum Eintreffen der alarmierten Polizeibeamten fest. Unbekannt entkommen konnte ein zweiter Tatverdächtiger, der sich am Mittwochnachmittag vor einem Zwölfjährigen selbstbefriedigt haben soll. Er wird als etwa 20 bis 30 Jahre alt beschrieben, hatte braune Haare und trug eine schwarze lockere Badehose. Außerdem hatte er ein schwarzes Handtuch dabei. Zeugen und mögliche weitere Geschädigte werden gebeten, sich unter der Rufnummer 07 11 /  89 90 - 57 78 an die Kriminalpolizei zu wenden.

Leuze-Mitarbeiter sind sensibilisiert

Trotz der beiden Vorkommnisse betont Jens Böhm, Sprecher der Stuttgarter Bäder, dass solche Sexualdelikte im Leuze nicht an der Tagesordnung sind. „Aber unsere Beschäftigten sind grundsätzlich sensibilisiert“, sagt er. In den meisten Fällen würde die Kette von den Badegästen über Personal bis hin zur Polizei funktionieren. Die große Mehrheit der Täter sei geschnappt worden. Wer erwischt werde, erhalte ein Haus- und Badeverbot für alle Bäder Stuttgarts, das je nach Schwere der Tat auch lebenslang gelten könne. Außerdem werde jeder Tatverdächtige angezeigt.

Dementsprechend sollte sich auch ein 53 Jahre alter Mann vorerst nicht mehr im Leuze blicken lassen. Ihm wird vorgeworfen, dort am 9. März in einem Schwimmbecken zwei Kinder im Alter von acht Jahren sexuell belästigt zu haben. Er soll ein Mädchen am Oberkörper berührt und einen Jungen zu sich hergezogen haben. Damals konnte der 53-Jährige ebenfalls von alarmierten Polizisten vorläufig festgenommen werden. Nach der Durchführung der polizeilichen Maßnahmen wurde der Tatverdächtige wieder auf freien Fuß gesetzt – wie auch der 69-Jährige am Samstag.

Wegen Gewalttaten, Drogen- und Alkoholkonsum, Diebstahl, Vandalismus oder auch wegen sexueller Übergriffe habe man in Stuttgarts Bädern aktuell gültige Hausverbote im dreistelligen Bereich. Ob sich jeder Einzelne daran hält, kann der Bädersprecher nicht sagen. „Wir haben aber insgesamt wenig Wiederholungstäter. Sollten wir jemanden wiedererkennen, geht es in die nächste Instanz.“ Man habe schon Strafantrag wegen Hausfriedensbruch gestellt. „Das kommt aber eher selten vor“, sagt Böhm, der die jüngsten Vorfälle bedauert und sie auf keinen Fall verharmlosen will. Man dürfe den Fokus auch nicht ausschließlich auf die Bäder legen. „Das wäre viel zu einfach, es handelt sich um ein gesellschaftliches Problem, das es zu lösen gilt.“ An vielen Stellen in der Landeshauptstadt würden sich vergleichbare Delikte ereignen.

Rund 800 000 Badegäste wurden im vergangenen Jahr im Leuze gezählt. Setzt man sie in Relation zu den Übergriffen, ist der Anteil prozentual gesehen gering. „Und dennoch ist jeder Vorfall einer zu viel“, so Böhm, der schon nach einer Häufung im vergangenen Sommer verschiedene Dinge prüfen ließ. „Wir tun alles Menschenmögliche, um solche Taten zu verhindern. Aber man sieht einem Badegast eben auch nicht an, was er vorhat.“ Unter anderem habe man in Freibädern das Ordnungspersonal aufgestockt und dadurch sexuelle Übergriffe in den Griff bekommen. Eine Maßnahme, die in solchen Fällen gerne gefordert wird, ist die Videoüberwachung. „Sie gibt es im Leuze bereits an verschiedenen Stellen“, so Böhm. Allerdings aus rechtlichen Gründen nicht in den Duschen.

Die Polizei wird die Aufnahmen von vergangenem Mittwoch dennoch auswerten. Mit ihrer Hilfe könne möglicherweise ermittelt werden, wer welchen Bereich zu einer bestimmten Uhrzeit betreten hat. Vielleicht ist der Unbekannte, der den Zwölfjährigen sexuell belästigt hat, von den Kameras erfasst worden. In den nächsten zwei Wochen werden sich definitiv keine neuen Fälle im Leuze ereignen. Wegen Wartungs- und Revisionsarbeiten hat das Mineralbad bis Sonntag, 21. April, geschlossen.

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