Mineralbäder in Stuttgart Das Leuze hat „endlich“ wieder offen – so war’s mit den Frühschwimmern
Erst das Mineralbad Berg, jetzt das benachbarte Leuze: Es darf wieder in Mineralwasser gebadet werden. Ein Besuch bei den Frühschwimmern am Montagmorgen
Erst das Mineralbad Berg, jetzt das benachbarte Leuze: Es darf wieder in Mineralwasser gebadet werden. Ein Besuch bei den Frühschwimmern am Montagmorgen
Stuttgart - Der drahtige Mann mit der Wurzelbürste strahlt. „Endlich“ ruft er, als ihn am Montagfrüh in der Kaltbadehalle der erste Duschstrahl trifft. Damit spricht er aus, was viele hier denken – angefangen von den freundlichen Damen an der Kasse. „Endlich“ ist an diesem Vormittag das meistgebrauchte Wort unter den Badegästen. Endlich hat das Mineralbad Leuze wieder geöffnet. Endlich wieder in Sprudelwasser baden. Endlich wieder Leuzeaner sein können. Nach mehr als einem halben Jahr Zwangspause.
Die ersten stehen um halb sechs Uhr morgens vor dem Bad. Es kommt auf jede Minute an. Leuzeaner sind ein eigenes Völkchen und die Frühschwimmer unter ihnen ein noch spezielleres. Schwimmbadleiter Christian Müller, der die Frühstarter persönlich begrüßt, freut sich, viele bekannte Gesichter wiederzusehen. Etwa 70 Prozent der Leuze-Besucher sind Stammgäste; seit dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 sind sie ein Jahr älter geworden. Ob alle noch da sind?, fragt sich Müller. Seit 26 Jahren leitet er das Leuze. Auch er hat diesem Tag entgegengefiebert. Wird es funktionieren? Drei Stunden nach Badebeginn stellt er in seinem Büro mit Blick auf die Liegewiese zufrieden fest: „Es läuft gut an!“ Beim Wasserdruck der 122 Duschen gibt’s noch Optimierungsbedarf, aber sonst ...
Entscheidend ist für die Leuzeaner, frei nach Adi Preißler, nicht auf’m Platz, sondern im Wasser. Und da stimmt alles. Das Lebenselixier perlt wie eh und je. „Es ist wie ein neues Leben!“, schwärmt eine Dame, die von ihrer Tochter ins 20 Grad warme Kaltbadebecken im Freien begleitet wird. Eine andere fragt: „Wie haben Sie die Zeit überstanden?“ „Am Baggersee in Plüderhausen“, lautet die Antwort. „Schön, aber kein Vergleich mit hier.“ Der Mann mit der Wurzelbürste sagt: „Der Winter war schlimm.“
Jetzt ist Sommer. Und es zeigt sich, der Lockdown hat den alten Ritualen nichts anhaben können. Die einen schwimmen im Kreis, die anderen schwimmen Bahnen, die nächsten trippeln durchs Becken, andere hüpfen. Und die meisten schwören auf heiß-kalt. Es gibt die stillen Genießer, die Ewig-Gesprächigen, die leisen Bruddler und die Zeitungsleser. Alles wie gehabt. Auch einige junge Badegäste sind da. Drei Freunde. Sie blinzeln in die Morgensonne und sagen: „Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.“
Um 9.45 Uhr schließt sich das erste von drei Zeitfenstern, das Bad leert sich. Die nächsten Leuzeaner dürfen um 11.30 Uhr ins Wasser. Während das Bad desinfiziert wird, bildet sich vor dem Eingang eine lange Schlange. Der Andrang ist groß; die Verkehrssituation nicht ungefährlich. Direkt daneben rauschen die Radler vorbei.
Zwei Wochen lang habe es gedauert, die Leuze-Öffnung vorzubereiten, erklärt Schwimmbadleiter Christian Müller. Was nicht heißt, dass hier vorher alles stillgestanden hätte. Im Gegenteil. Hinter den Kulissen wurde in kleiner Besetzung viel gearbeitet. Das Bad musste kontinuierlich gepflegt und instandgehalten werden. Filter, Dichtungen, Abläufe. Die Becken waren während des Corona-Lockdowns mit normalem Wasser gefüllt. Ansonsten hätten sich Algen gebildet. „Wir hatten eine stressige Zeit“, sagt Müller.
Gearbeitet wird derzeit auch im Kinderbereich des Leuze, das inzwischen offiziell „Erlebnistherme am Neckar“ heißt. Dort entsteht bis in etwa zwei Monaten ein interaktives Aquarium. Laut Müller eine absolute Neuheit. Die Idee: Kinder können einen Fisch zeichnen und diesen einscannen. Anschließend fängt dieser Fisch auf einer großen Bildschirmwand an, virtuell zu leben. Ein weiterer Schritt vom Heil- zum Familienbad. Auf dass viele junge Stammgäste nachkommen.
Badeinfos: Es gibt drei Zeitfenster, für die ein Ticket gebucht werden kann: von 6 bis 10 Uhr, von 11.30 Uhr bis 15.30 Uhr und schließlich von 17 Uhr bis 21 Uhr. Pro Zeitfenster dürfen maximal 350 Personen ins Leuze. Sie müssen am Eingang nachweisen, entweder geimpft, genesen oder gestest zu sein. Der Eintrittspreis beträgt 9,50 Euro, 7,60 Euro ermäßigt. Dies entspricht dem Zweistundentarif im Normalbetrieb. Auf der Internetseite der Bäderbetriebe https://stuttgarterbaeder.de finden sich Erklärvideos zum E-Ticket-System: wie man sich registriert und wie man ein Ticket bucht. Wer keinen Internetanschluss hat, kann an den Kassen der Thermen – nach Verfügbarkeit – ebenfalls E-Tickets buchen. Beim Leuze ist das von Montag an von 7 bis 10 Uhr, von 12.30 bis 15.30 Uhr und von 18 bis 21 Uhr möglich, beim Mineralbad Berg von 11 bis 15 und 18 bis 21 Uhr.