So in etwa wird es aussehen, wenn die fünf Kleinsthäuser in Vaihingen-Ensingen in Reih und Glied stehen. Foto: Wohnbau Oberriexingen
Die Wohnbau Oberriexingen hat ein Kompakthaus mit einer Wohnfläche von weniger als 70 Quadratmetern entwickelt. Die ersten Prototypen werden jetzt im Kreis Ludwigsburg realisiert.
Christian Kempf
25.01.2026 - 12:15 Uhr
Das brachliegende Grundstück an der Ecke Keplerstraße/Panoramastraße in Vaihingen-Ensingen ist stattliche 750 Quadratmeter groß. Die meisten Architekten würden sich angesichts dieser Zahl wohl schon die Hände reiben, in der Annahme, sich bei der Planung für ein Einfamilienhaus nach Herzenslust austoben zu können. Allerdings hat das Areal einen Haken: die 750 Quadratmeter verteilen sich vor allem in die Länge. Aus der Luft betrachtet wirkt die Wiesenfläche wie ein schmaler, ausgerollter Teppich. Die Wohnbau Oberriexingen macht aus dieser Not jedoch eine Tugend – und wird sogar fünf Häuser auf dem Grundstück realisieren.
Was nach der Quadratur des Kreises klingt, ist einfache Mathematik. Das Unternehmen bestückt das Gelände mit entsprechend kleinen Gebäuden. „Wir haben dafür einen eigenen Prototypen entwickelt, den wir Kompakthaus nennen“, sagt der Geschäftsführer Kim Hasenhündl. Die Mini-Gebäude haben alles, was man zum Leben braucht: Küche, Wohnzimmer, Bad und Schlafzimmer, ja sogar eine Terrasse, einen Stellplatz und einen kleinen Garten.
Im Vergleich zu klassischen Häusern wurden die Räumlichkeiten jedoch geschrumpft. Eine Wohnfläche von 68 Quadratmeter bleibt übrig, verteilt auf zwei Ebenen. „Theoretisch könnte man im Erdgeschoss auch noch ein Pflegebett unterbringen und den Wohn- und Essbereich als Schlafraum gestalten, sodass im oberen Geschoss eine Pflegekraft wohnen könnte, die sich im Alter um die Bewohner kümmert“, erklärt Kim Hasenhündl.
Haus für Ältere und junge Paare
Kommt das kleine Haus bei den Kunden an, würde Kim Hasenhündl, Geschäftsführer der Wohnbau Oberriexingen, das Konzept auf andere Baugebiete übertragen. Foto: Wohnbau Oberriexingen
Wo man schon bei dem Kundenkreis wäre, den sein Unternehmen mit dem Spezial-Haus vornehmlich im Blick hat. „Das Angebot dürfte vor allem für die Generation 50 plus attraktiv sein, ob alleinstehend oder als Paar“, sagt Hasenhündl. Das Konzept eigne sich aber auch für junge Pärchen als Alternative zu einer Eigentumswohnung. „Mit einem kleinen Kind kann man dort auf jeden Fall noch wohnen“, erklärt der 42-Jährige.
Investieren muss man für so ein Häuschen rund 430 000 Euro. „Dabei hat man eine relativ geringe Nebenkostenlast, weil die Grundsteuer bei so kleinen Grundstücken niedrig ist“, betont Hasenhündl. Darüber hinaus werde wenig Fläche versiegelt und dennoch frischer Wohnraum geschaffen. Nachhaltig sei überdies die Heiztechnik. Man werde Wärmepumpen installieren. Im Sommer könnten die Geräte sogar als Klimaanlagen eingesetzt werden. Die Temperatur werde per Luftzufuhr reguliert, also nicht via Heizkörper. Der Strom zum Betrieb der Pumpe stamme teils aus den Photovoltaikanlagen, die auf den Dächern verschraubt würden. „Auf Wunsch kann man sich zusätzlich auch einen Stromspeicher einbauen lassen“, sagt Kim Hasenhündl.
Die Mini-Häuser sollen in Holz-Massiv-Bauweise realisiert werden, die Bagger demnächst für Vorarbeiten anrücken. Der Rohbau starte Anfang 2026. „Wir werden alle fünf Häuser in einem Zug bauen, unabhängig von einer Vermarktungsquote“, hebt Hasenhündl hervor. „Und wenn es angenommen wird, wollen wir das Konzept auf andere Gebiete übertragen. Vorstellen können wir uns solche Kompakthäuser vor allem auf innerstädtischen Grundstücken, die von ihrem Zuschnitt schwierig für herkömmliche Lösungen sind, vielleicht auch in abgewandelter Form. Wir sind für Kundenwünsche und Optimierungsvorschläge offen“, sagt der Unternehmer.
Die Häuser haben eine Wohnfläche von 68 Quadratmetern. Stellplätze für ein Auto sind auf dem Grundstück vorgesehen. Foto: Wohnbau Oberriexingen
Der Impuls für das Modell mit den Kleinsthäusern sei von einer Frau gekommen, „die uns gefragt hat, ob wir auch Tiny-Häuser bauen“, erklärt Kim Hasenhündl. „Wir haben dann gesagt, dass wir grundsätzlich dafür offen sind“, fügt er hinzu. Die Kundin wolle aber in einer Kommune bauen, in der man kein Grundstück in petto hatte. Eine Zusammenarbeit sei deshalb nicht zustandegekommen. „Angelehnt an die Vorstellungen der Frau und ihre Bedürfnisse haben wir dann aber unser Kompakthaus entwickelt, um zu testen, wie der Markt das aufnimmt“, sagt Hasenhündl.
Weniger Kosten als für klassisches Einfamilienhaus
Die Nachfrage sei bislang gut. Untersuchungen zeigten zudem, dass sich Mini-Häuser zunehmender Beliebtheit erfreuten. Viele wollten auf reduzierter Fläche, aber dennoch im eigenen Haus leben.
Ein „gewisses Marktpotenzial“ bescheinigt auch Thomas Möller, Hauptgeschäftsführer der Bauwirtschaft Baden-Württemberg, den Kleinhäusern. Ursächlich seien unter anderem „die aktuellen Rahmenbedingungen im Wohnungsbau und auf dem Wohnungsmarkt. Diese sind durch knappe Bauflächen und hohe Baupreise geprägt.“ Durch die kleineren Grundstücke und die reduzierten Wohnflächen könnten beim Bau im Vergleich zu einem Einfamilienhaus Kosten eingespart werden. „Zudem ist die Bauzeit kürzer“, erklärt Möller.
Auch im laufenden Betrieb seien die Ausgaben geringer, zum Beispiel in puncto Heizenergie und Instandhaltung. Inzwischen hätten einige Wohnbauunternehmen Klein- oder Minihäuser im Portfolio. „Diese bilden jedoch oft nicht den Schwerpunkt, sondern sind eher ein Spezialsegment“, weiß Möller.
Das ist auch bei der Wohnbau Oberriexingen noch so, die laut ihrem Geschäftsführer zudem von klassischen Tiny Houses mit in der Regel nur um die 30 Quadratmeter lieber die Finger lassen will. „Die sind dann doch zu klein und lassen sich für uns nicht wirtschaftlich vermarkten“, erläutert Kim Hasenhündl. Davon abgesehen gebe es einen zweiten Haken. „Weil sie auf Rädern stehen, gelten sie bei der Bank formal als bewegliches Wirtschaftsgut, weshalb bei der Finanzierung ein höherer Zins angesetzt wird“, erklärt der Fachmann. Die Kompakthäuser made in Oberriexingen fallen nicht in diese Kategorie, sondern werden auf einer festen Bodenplatte errichtet.
Spezialität und Hiobsbotschaft
Wirkungskreis Die Wohnbau Oberriexingen realisiert pro Jahr rund 100 Wohneinheiten, vom Einfamilien- bis zum Mehrfamilienhaus. Dazu hat sich das Familienunternehmen auf den Bau von Ärztehäusern spezialisiert. Der Wirkungskreis reicht rund um Oberriexingen und Vaihingen/Enz bis nach Mühlacker im Enz-Kreis in der einen sowie Ludwigsburg und Remseck in der anderen Richtung.
Eigenregie Der Betrieb beschäftigt rund 55 Mitarbeiter. Über das eigene Team werden beim Bauen etwa zwei Drittel der Arbeiten in Eigenregie erledigt. Zuletzt hatte das Unternehmen eine Hiobsbotschaft zu verkraften, als eine Zimmereihalle bei einem Brand zerstört wurde. Auf laufende Projekte habe dies aber keine Auswirkungen, versichert Geschäftsführer Kim Hasenhündl.