Angela Merkel als Nachfolgerin von Frank-Walter Steinmeier? In Berlin kochte die Gerüchteküche. Nun soll ihre Vertraute Kramp-Karrenbauer (63) im Gespräch sein.

Digital Desk: Michael Maier (mic)

In der deutschen Politik brodelt es wieder einmal: Das Rennen um die Nachfolge von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier im Jahr 2027 hat begonnen. Erstmals könnte eine Frau ins höchste Staatsamt gewählt werden. Doch wer kommt infrage? Und welche Rolle spielt Angela Merkel in Zukunft?

 

Die Spekulationen begannen mit einem Bericht der „Bild“-Zeitung, wonach die Grünen ausgerechnet Ex-Kanzlerin Angela Merkel als Kandidatin für das Bundespräsidentenamt vorschlagen könnten. In CDU-Kreisen sorgte diese Nachricht für Unruhe - wäre es doch ein potenzielles Ärgernis für den amtierenden Bundeskanzler Friedrich Merz, dessen jahrzehntelange Rivalität mit Merkel kein Geheimnis ist.

Merz bei einer Abstimmungsniederlage im Februar 2025 im Bundestag. Er stimmte damals gemeinsam mit der AfD – und bereute es später. Foto: AFP

Merkel dementiert Ambitionen als Bundespräsidentin

Die Ex-Kanzlerin selbst ließ die Gerüchte jedoch umgehend dementieren. Über eine Sprecherin teilte sie mit, solche Berichte seien „abwegig“. Auch die Grünen dementierten jegliche Gedankenspiele in diese Richtung. Fast genüsslich wurde das Thema dann aber im Nachgang von Jürgen Trittin und anderen erneut ausgeschlachtet.

Die Geschichte erscheint indes wenig plausibel: Nach 16 Jahren an der Regierungsspitze genießt Merkel ihr Leben im Ruhestand. Zudem würde eine Kandidatur das Land tief spalten - zwischen jenen, die Merkels Stil schätzten und denen, die sie aus tiefstem Herzen ablehnen. Besonders im Osten hätte die Personalie wohl maximale Sprengkraft.

Beim CDU-Parteitag in Stuttgart geht es auch um die Wahlchancen von Manuel Hagel am 8. März. Foto: Kay Nietfeld/dpa

Merkel beim CDU-Parteitag in Stuttgart

Überraschend ist dennoch, dass Merkel am 20. Februar erstmals seit ihrem Ausscheiden aus dem Amt wieder am CDU-Parteitag in Stuttgart teilnimmt. Mit Spannung wurde dabei auch erwartet, wie sie auf das Wahlergebnis von Merz bei der Wiederwahl zum CDU-Vorsitzenden reagiert.

Kurz vor der wichtigen Landtagswahl am 8. März in Baden-Württemberg erwarteten Beobachter nun ein Zeichen der Geschlossenheit. Aber Friedrich Merz ist immer für Überraschungen gut, scheint gerne ohne ausreichende Absicherung in wichtige Abstimmungen zu gehen und dabei geradezu ins Messer zu laufen.

Kramp-Karrenbauer siegt über Merz-Kandidat...

Ende 2025 hatte er noch nicht einmal im Präsidium der Konrad-Adenauer-Stiftung seinen Kandidaten Günter Krings durchsetzen können. Mit 28 zu 21 Stimmen bekam die Merkel-Vertraute Annegret Kramp-Karrenbauer (63) den Posten als Chefin der parteinahen Stiftung.

...und könnte Bundespräsidentin werden

Eben jene Kramp-Karrenbauer ist laut Medienberichten nun als mögliche Bundespräsidentin im Gespräch – sozusagen eine Art „Mini-Merkel“. Das Schlagwort war von britischen Medien gemünzt worden, als Angela Merkel sie zur Nachfolgerin aufbauen wollte – was dann später an Widersprüchen in der CDU scheiterte.

Nun könnte der Plan jedoch aufgehen, wenn CSU-Frau Ilse Aigner von Intimfeind Markus Söder blockiert wird, Merz die Schleswig-Holsteinerin Karin Prien verhindert und Koalitionspartner SPD sich gegen Julia Klöckner sträuen sollte. Dann wäre Kramp-Karrenbauer eventuell die „lachende Vierte“.

Merz stünde dann womöglich vor einem ähnlichen Problem wie mit Angela Merkel im höchsten Staatsamt: Eine Kandidatin aus der eigenen Partei könnte er kaum ablehnen, zugleich würde Kramp-Karrenbauer trotz begrenzter Einflussmöglichkeiten auf das politische Tagesgeschehen den Kanzler bei heiklen politischen Themen moralisch in die Enge treiben. Und vielleicht ja sogar eine Art „grünes Gewissen“ spielen, obwohl Merz versprochen hatte: „Links ist vorbei“?

Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) genießt Sympathien in allen Parteien. Foto: picture alliance/dpa

Rivalität zwischen Ilse Aigner und Markus Söder

Die CSU-Spitzenfrau Ilse Aigner (61), aktuell Präsidentin des Bayerischen Landtags, gilt zwar als durchaus ernstzunehmende Kandidatin. Nur steht ihr CSU-Chef Markus Söder im Weg, der sie angeblich verhindern will. Grund: In Berlin sei nur Platz für einen CSU-Granden ganz oben - und das will Söder selbst sein. Am Ende sogar als Kanzlerkandidat bei der nächsten Bundestagswahl, egal ob 2029 oder schon früher?

Linksliberale Prien und Bundestagspräsidentin Klöckner

Aus der CDU werden vor allem zwei Namen für das höchste deutsche Staatsamt gehandelt: Bildungsministerin Karin Prien (60) und Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (53). Die liberale Prien wäre womöglich auch für SPD und Grüne vermittelbar, gilt aber in der eigenen Partei einigen als „zu links“. Klöckner wiederum hat sich als Bundestagspräsidentin Respekt erarbeitet, muss jedoch noch beweisen, dass sie mehr kann als nur „Pfälzer Weinkönigin“ – wie von manchen gelästert wird.

Parteilose Bundespräsidentin statt CDU/CSU-Kalamitäten?

Klar ist jedenfalls, dass es eine Frau werden soll. Die Wahl durch die Bundesversammlung muss spätestens am 16. Februar 2027 stattfinden, geplant ist sie für den 30. Januar. Der amtierende Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (SPD) kann nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten.

Traditionell hat die stärkste Fraktion in der Bundesversammlung - aktuell CDU/CSU - die besten Karten bei der Nominierung. Dennoch hat Generalsekrektär Carsten Linnemann kürzlich eine Debatte über eine möglicherweise parteilose Persönlichkeit angestoßen. Die Kalamitäten innerhalb der Union scheinen erheblich zu sein.