Ministerium ist zurückhaltend Wirtschaftlichkeit des Gäubahntunnels noch ungewiss

Von Josef Schunder 

Noch könne man keine belastbaren Aussagen zu den Kosten und zur Finanzierung eines Gäubahntunnels am Flughafen Stuttgart machen, heißt es im Bundesverkehrsministerium. Dessen Staatssekretär preschte aber vor.

Etliche Fragen sind noch offen, was die Zukunft der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und der Schweiz angeht. Foto: dpa/Felix Kästle
Etliche Fragen sind noch offen, was die Zukunft der Gäubahnstrecke zwischen Stuttgart und der Schweiz angeht. Foto: dpa/Felix Kästle

Stuttgart - Für die Gäubahn werde am Flughafen Stuttgart ein rund zwölf Kilometer langer Tunnel entstehen, hat Steffen Bilger, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, angekündigt. Nach Auskunft der Pressestelle im Ministerium können aber zurzeit noch keine belastbaren Aussagen zu etwaigen Investitionskosten oder zur Finanzierung gegeben werden, teilte das Ministerium auf Anfrage unserer Zeitung mit. Noch stehe nämlich eine volkswirtschaftliche Bewertung aus. Das gelte gleichermaßen für den im Konzept des angepeilten Deutschlandtaktes unterstellten Nordzulauf zum Stuttgarter Hauptbahnhof.

Der Hintergrund: Am 30. Juni war anlässlich eines Schienengipfels in Berlin der finale Gutachterentwurf des Zielfahrplans Deutschlandtakt vorgestellt worden. Danach meldete Bilger als Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Ludwigsburg das Vorhaben mit dem Gäubahntunnel.

Die Bewertung soll jetzt folgen

Dazu müsse man wissen, erklärte die Pressestelle des Ministeriums jetzt, dass die Ausbaustrecke Stuttgart-Singen-Schweizer Grenze, also die Gäubahn, bereits im Abschnitt Vordringlicher Bedarf des Bedarfsplans für die Bundesschienenwege enthalten sei. Hierbei geht es um 550 Millionen Euro. Im Zuge der Planungen zum Deutschlandtakt und der damit verbundenen Gespräche mit dem Land sei das Angebotskonzept auf der Gäubahn weiterentwickelt worden, erklärte das Ministerium. Das im finalen Gutachterentwurf hinterlegte Konzept, einschließlich der „möglichen Tunnelanbindung an den Flughafen“, müsse in einem nächsten Schritt unter Berücksichtigung neuer Randbedingungen, etwa neuer Fahrzeiten und Takteinbindungen, volkswirtschaftlich bewertet werden. Wenn die Wirtschaftlichkeit nachgewiesen werde, könnten die Planungen für die Infrastrukturmaßnahmen mit der DB Netz AG als Vorhabenträger vereinbart werden.

Flughafen-GmbH pocht auf Fortsetzung der Verfahren

Unterdessen unterstrich der Flughafenchef Walter Schoefer seine Forderung, dass die bisherige Planung mit einem dritten Gleis für den Gäubahnhalt neben der S-Bahn-Station Flughafen und einem Mischbetrieb auf der S-Bahn-Strecke nicht aufgegeben werden soll, solange die neue Planung nicht verbindlich und rechtlich wasserdicht sei. Bis zu diesem Zeitpunkt müsse aus seiner Sicht auch das Planfeststellungsverfahren für den Abschnitt 1.3b weitergehen, bei dem eine Anhörungsveranstaltung im Herbst 2020 im Gespräch ist. Außerdem stellte Schoefer klar, dass die Flughafengesellschaft keine weiteren Gelder für Stuttgart 21 am Flughafen bereitstellen werde. Sie hat schon knapp 340 Millionen Euro an die Deutsche Bahn überwiesen.

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