Lena Petrides war keine einfache Schülerin. „Ich war im Klassenzimmer sehr präsent und auch immer ein bisschen lauter. Vielleicht zu laut“, sagt die 31-Jährige aus Murr (Kreis Ludwigsburg) . Warum sie Integrale berechnen musste, ihr aber niemand beibrachte, wie man sich finanziell für die Zukunft rüstet, sich beruflich selbstständig macht, das habe sie nicht verstanden. „Ich habe nicht in ein Raster gepasst“, sagt Petrides. Das tue sie immer noch nicht – „zum Glück“.
Petrides redet schnell und viel, am liebsten über Finanzen. Die Zeiten, in denen Frauen nur mit Einverständnis ihres Mannes ein Bankkonto eröffnen durften – in Deutschland war das bis 1962 der Fall – sind glücklicherweise vorbei. Dass sich Frauen mit dem Themen Geld und Altersvorsorge aber weniger beschäftigen als Männer, daran habe sich trotz Emanzipation wenig geändert, so Petrides. Eine Folge: Frauen erhalten im Schnitt fast 35 Prozent weniger gesetzliche Rente als Männer. Ein Stück weit sei das institutionalisiert und hänge mit Rollenbildern zusammen. Das sieht Petrides beispielsweise an ihren Kollegen. In der Kanzlei, in der sie als selbstständige Beraterin arbeitet, war sie die erste Partnerin.
Eine einfache Formel für den Erfolg
„Viele Frauen haben eine gewisse Ehrfurcht vor dem Thema Geld “, sagt Petrides. „Zumindest trauen sie sich häufig nicht, offen nachzufragen. Manche sagen von vorneherein: das verstehe ich sowieso nicht.“ Männer hätten nicht unbedingt mehr Ahnung, seien aber meist unbedarfter.
Dass das auch ihrem Geschlecht gut zu Gesicht stehen würde und Frauen auf eigenen Füßen stehen können, will Petrides im Rahmen ihrer Kandidatur für Miss Germany zeigen. Ihr Ziel: eine Plattform, mit der sich Frauen vernetzen können und angeleitet werden, um sich beruflich neu auszurichten. Die einfache Formel auf die Petrides das herunterbricht lautet: Geld verdienen, Geld behalten, Geld clever investieren und warten. „Die meisten scheitern am dritten Punkt“, sagt sie. Dass es aber funktioniere, dafür sei sie selbst ein Beispiel. Sie besitzt vier Immobilien, wohnt trotzdem in Murr zur Miete. Alles Teil ihres Plans.
Die Rente des Stiefvaters war Stein des Anstoßes
Petrides, die in ihrer Freizeit Yoga macht, gerne kocht und backt, arbeitet sechs Tage in der Woche, oft mehr als 60 Stunden. Im Job hat sie sich nicht von Anfang an mit dem Thema Geld beschäftigt. Studiert hat die gebürtige Rheinländerin Kommunikationsmanagement und BWL in der Nähe von Pforzheim, anschließend war sie für Hahn und Kolb im Marketing tätig. Als 2019 ihr Stiefvater starb, fiel ihr durch Zufall ein Brief in die Hände, den er nie abgeschickt hatte. Darin ging es um die Aufstockung seiner winzigen Rente. Lena Petrides grub sich tief in das Thema, suchte Rat – nur bekam sie keine hilfreichen Tipps, wie man richtig fürs Alter vorsorgen kann. „Das war alles nicht in meinem Sinne.“ Durch Zufall fand sie die Kanzlei Rettig und Partner, dort bekam sie, wonach sie suchte – und entschied umzuschulen, um als Investment Consultant zu arbeiten.
„Miss Germany“ hat sich in den vergangenen Jahren vom klassischen Schönheitswettbewerb zu einer Plattform für Frauen entwickelt, die etwas bewegen wollen. Köpfchen zählt mehr als gutes Aussehen. „Female Empowerment“, lautet der Anglizismus, den die Organisatoren nutzen. „Es geht darum, Vorbild zu sein, zu begeistern, andere mitzunehmen“, sagt Lena Petrides. Das ist ihr bis dato gut gelungen, sie hat sich in mehreren Runden gegen insgesamt 15 000 Mitbewerberinnen durchgesetzt und steht unter den Top-20. Das Halbfinale findet im Februar im Europapark in Rust statt.
Petrides rechnet sich Chancen aufs Finale aus
Lena Petrides rechnet sich durchaus Chancen aus, in die Endrunde einzuziehen. „Eigentlich habe ich sogar echt gute Chancen“, sagt sie und lächelt ihr ansteckendes Lächeln. Dass Selbstvertrauen ein Faktor für Erfolg ist, scheint sie verinnerlicht zu haben. Ihr Ziel habe sie ohnehin schon in den vergangenen Runden, in Workshops und anderen Formaten im Rahmen des Wettbewerbs, erreicht: Frauen zu verbinden, um sie finanziell unabhängiger zu machen.