Missbrauch Der böse Schatten bleibt

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Der Täter bestrafte die Jungs


Auch Harrys bester Freund war zu jener Zeit von Helmut K. missbraucht worden; und wahrscheinlich auch andere. Keiner aber wusste vom anderen, denn die Strategie von Helmut K. war ebenso perfide wie effizient. Gegenüber Harry, der doch sexuelle Probleme habe, gerierte er sich als Helfer - er solle den anderen aber nichts sagen, weil die ihn sonst auslachen würden. Andere Jungs hatte K. in der Hand, weil er von ihren Drogen und Diebestouren wusste.

Sowieso hatte der Kumpel Helmut K. auch eine andere, eine bedrohliche Seite. Er besaß Waffen, er führte einen riesigen Wolfshund mit sich, und er bestrafte "seine" Jungs, wenn sie nicht funktionierten. Harry demütigte er, indem er behauptete, dessen Mutter sei eine Hure gewesen; das stehe so in den Akten. Bei einer Freizeit in der Türkei durfte Harry einmal zwei Tage lang nur Haselnüsse von den Büschen pflücken, und er erhielt nur einen Liter Wasser am Tag - bei 40 Grad im Schatten. Sowieso mussten die Jungs dort grundsätzlich nackt baden, wie es sich für echte Männer gehöre; K. fotografierte eifrig. Und alle Teilnehmer hielt er mit dem Essen knapp: Das Geld, das von der Freizeit übrig blieb, wanderte in K.s eigene Tasche.

Bei Harry allerdings klappte diese Taktik aus Zuckerbrot und Peitsche nicht auf Dauer. Er habe nie ein krummes Ding gedreht, so dass K. ihn nicht erpressen konnte. Und er sei damals körperlich so stark gewesen, dass Helmut K. doch ein wenig Angst vor ihm gehabt habe. Harry wehrte sich deshalb, wenn K. in ihn eindringen wollte. Und er schloss nachts sein Zimmer ab. Helmut K. tobte. Zur Strafe musste Harry in ein Zimmer ins Souterrain umziehen, das nur ein winziges Fenster und keinen direkten Zugang zur Toilette hatte. "Ich weiß bis heute nicht, wie ich aus diesem Loch wieder herausgekommen bin."




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