Missbrauch in Korntal Brüdergemeinde bittet um Entschuldigung

Von red/dpa 

Ein Aufklärungsbericht bringt traurige Gewissheit darüber, was in den Heimen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal passiert ist. Jetzt bittet die Gemeinde um Entschuldigung.

Den Tränen nahe: Detlev Zander, Missbrauchsopfer, während der Pressekonferenz zur Aufklärung der Missbrauchsfällen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Foto: dpa
Den Tränen nahe: Detlev Zander, Missbrauchsopfer, während der Pressekonferenz zur Aufklärung der Missbrauchsfällen der Evangelischen Brüdergemeinde Korntal. Foto: dpa

Stuttgart/Korntal - Die Evangelische Brüdergemeinde Korntal hat sich für Missbrauchsfälle in ihren Heimen entschuldigt. „Wir bitten ehrlich und von Herzen um Entschuldigung“, sagte Gemeindevorsteher Klaus Andersen bei der Vorstellung des Aufklärungsberichts zu den Missbrauchsfällen am Donnerstag in Stuttgart. Der Bericht bringe „erschreckende Gewissheit“ darüber, was in den Heimen passiert sei. Erziehungswissenschaftler Bruno Hafeneger, der unter anderem Archivmaterialien der Brüdergemeinde analysiert hat, kam zu dem Ergebnis: „Man hat gewusst von Taten und Tätern.“

Von 1945 bis in die 1980er Jahre haben Kinder Gewalt und sexuellen Missbrauch in Einrichtungen der Brüdergemeinde Korntal erlebt. Opfervertreter haben lange dafür gekämpft, dass die pietistische Gemeinde ihre Vergangenheit aufarbeitet und Betroffene für das erlittene Leid entschädigt. Bis zu 20 000 Euro wurden pro Person ausgezahlt.

Genugtuung und Erleichterung

In Akten fanden sich Hafeneger zufolge dokumentierte Fälle von körperlicher und sexualisierter Gewalt. Interviews mit mehr als 100 Opfern haben nach Angaben der Richterin im Ruhestand, Brigitte Baums-Stammberger, ergeben, dass 56 ehemalige Heimkinder sexualisierte Gewalt, 93 körperliche Gewalt erlebt haben.

Opfervertreter Detlev Zander sprach von Genugtuung und Erleichterung, weil nun schwarz auf weiß nachzulesen sei, was ihm und anderen in den Heimen angetan wurde. Er sei jedoch geschockt, dass die Verantwortlichen der Brüdergemeinde damals laut Bericht von Misshandlungen wussten und sie die Kinder trotzdem nicht davor geschützt haben. „Da müssten einem die Tränen kommen.“