Missbrauchsfall im Alb-Donau-Kreis Pfarrer wird des Amtes enthoben

Von Michael Ohnewald 

Nach einem StZ-Bericht ist ein Munderkinger Pfarrer wegen eines schwer wiegenden Verdachts von Bischof Gebhard Fürst suspendiert worden.

Bischof Gebhard Fürst enthebt einen Stadtpfarrer aus Munderkingen im Alb-Donau-Kreis seines Amtes, weil dieser seit Jahrzehnten im Verdacht steht, Kinder missbraucht zu haben. Foto: dpa
Bischof Gebhard Fürst enthebt einen Stadtpfarrer aus Munderkingen im Alb-Donau-Kreis seines Amtes, weil dieser seit Jahrzehnten im Verdacht steht, Kinder missbraucht zu haben. Foto: dpa
Stuttgart - Eigentlich hätte er am Sonntag den Gottesdienst zur Erstkommunion halten sollen. Dann aber kam alles ganz anders für den Stadtpfarrer von Munderkingen im Alb-Donau-Kreis. Wegen eines schwer wiegenden Verdachts durfte er nicht mehr auf die Kanzel. In der Kirche wurde statt dessen eine Erklärung der Diözese Rottenburg-Stuttgart verlesen, in der es heißt: "Auf Anordnung von Bischof Gebhard Fürst wird der beschuldigte Pfarrer seine Dienstgeschäfte bis auf weiteres ruhen lassen." Sowohl in Munderkingen, wo der Geistliche seit Herbst 2009 als Pfarrer beschäftigt ist, als auch in Neuravensburg und Achberg, wo er zuvor gearbeitet hatte, löste die Nachricht vom Missbrauchsverdacht heftige Wellen aus. In beiden Gemeinden wird die Informationspolitik des bischöflichen Ordinariats kritisiert.

Die Vorwürfe gegen den Priester waren in der vorigen Woche von der Stuttgarter Zeitung publik gemacht worden. Wie berichtet, steht jener Pfarrer seit Jahrzehnten im Verdacht, sich an Kindern zu vergehen. Er selbst schweigt zu den Anschuldigungen. Eine Akte über ihn wurde bereits Anfang der neunziger Jahre in Rottenburg angelegt. Seitdem gab es mehrere Verdachtsfälle, die der Diözese bekannt sind, allerdings keine dienstrechtlichen Folgen für den Beschuldigten hatten. Als sich vor wenigen Wochen ein Unternehmer vom Bodensee meldete, der den Priester ebenfalls belastete, zeigten die Kirchenoberen den Seelsorger bei der Staatsanwaltschaft in Tübingen an. Dies sollte ein Zeichen für den neuen Geist der Läuterung sein. Bischof Gebhard Fürst hat sich vorgenommen, die Sündenfälle in den eigenen Reihen gründlich aufzuarbeiten. Wenn es nach ihm geht, soll dies eher geräuschlos geschehen. Mit der beschworenen Offenheit geht dies im vorliegenden Fall nicht zusammen.

Der Pfarrer hatte trotz Verbots wiederholt Kontakt zu Kindern


Auf den Bericht haben sich einige Zeugen gemeldet. Sie versichern, dass sie der Diözese entsprechende Beobachtungen aus einer Kirchengemeinde in Oberschwaben gemeldet hätten. Der Bischof veranlasste daraufhin ein Krisengespräch, in dessen Folge der Pfarrer eine fast vier Monate währende Kur antrat. Trotz anderslautender Ankündigungen der Diözese, die zugesagt hatte, dass der Priester nach seiner Kur anderweitig eingesetzt würde, kehrte der Pfarrer für fünf Monate an seine alte Arbeitsstelle zurück. Er machte jenen, die ihn mit ihren Beobachtungen belastet hatten, das Leben in dieser Zeit zur Qual.

Der Geistliche war nach der Auszeit von der Diözese mit dem strikten Verbot der Kinder- und Jugendarbeit bedacht worden. Sowohl der Bürgermeister von Achberg, Johannes Aschauer, als auch sein Kollege in Munderkingen, Michael Lohner, bestätigten gegenüber der StZ, nichts von dieser Vorgabe gewusst zu haben. In beiden Gemeinden hatte der Seelsorger trotz des Verbots wiederholt Kontakt zu Kindern.

Die frühesten Vorwürfe stammen aus dem Jahr 1981


Jahrelang haben in dem Fall nicht nur innerhalb der Kirche viele weggeschaut. Jene, die ihre Beobachtungen gemeldet hatten, sahen sich kirchenintern teils heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Die frühesten Vorwürfe gegen den Pfarrer stammen aus dem Jahr 1981. Damals soll er sich bei einer Freizeit der Caritas nachts an einem elfjährigen Jungen sexuell vergriffen haben.

In Achberg war der Bürgermeister über den Verdacht informiert. Ein Betroffener hatte sich in einem vertraulichen Gespräch einem Geistlichen offenbart. Gegen den Beschuldigten sei dies jedoch nicht verwertbar gewesen. In Munderkingen wird dem betroffenen Seelsorger eine gute Arbeit bescheinigt. Die Vorgeschichte des Priesters hat nicht nur Bürgermeister Lohner überrascht: "Niemand hat das bei uns gewusst."