Missbrauchsfall von Staufen Ministerien holen Hilfe von außen

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Welche Lehren sollen aus dem Missbrauchsfall von Staufen gezogen werden? Nach dem Bericht einer lokalen Arbeitsgruppe hat jetzt auch die Landesregierung eine Kommission berufen.

Unter Leitung von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sollen Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall von Staufen erarbeitet werden. Foto: dpa
Unter Leitung von Sozialminister Manne Lucha (Grüne) sollen Konsequenzen aus dem Missbrauchsfall von Staufen erarbeitet werden. Foto: dpa

Stuttgart - Muss der jahrelange Missbrauch eines heute zehnjährigen Buben aus Staufen bei Freiburg auch politische Konsequenzen haben? Dazu hat die grün-schwarze Landesregierung eine ressortübergreifende Expertengruppe „Kinderschutz“ eingesetzt. Der Kommission sollen neben Vertretern des Sozial-, Innen-, Justiz-, Kultus- und Staatsministeriums auch externe Sachverständige aus Wissenschaft und Praxis angehören.

Keine unabhängige Kommission

Im Lichte des schrecklichen Geschehens in Staufen solle unter Leitung des Sozialministers Manne Lucha (Grüne) umfassend untersucht werden, welche Konsequenzen gegebenenfalls zu ziehen seien, um Kinder und Jugendliche in Baden-Württemberg künftig noch besser, nachhaltig und dauerhaft vor Gewalt und sexuellem Missbrauch zu schützen, hieß es in Stuttgart. Die Einsetzung einer unabhängigen Kommission ist bisher nicht geplant.

Schwere Fehler der Behörden

Am Donnerstag hatte eine von Familiengerichten und Jugendamt eingesetzte lokale Arbeitsgruppe in Freiburg ihren Abschlussbericht vorgelegt und darin massive Fehler der Behörden eingeräumt. Als Konsequenz verpflichteten sich das Jugendamt und die Familiengerichte zu einer besseren Zusammenarbeit im Verfahren, aber auch bei den Kontrollen von Auflagen. Zudem wurde die Landesregierung gebeten, die Polizei und Bewährungshilfe gesetzlich zu einer frühzeitigeren Information der Jugendhilfe zu verpflichten.

Die Haupttäter in dem Fall, die Mutter des Jungen und ihr einschlägig vorbestrafter Lebensgefährte, waren im August zu zwölfeinhalb Jahren Haft beziehungsweise zwölf Jahren Haft mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt worden. Sie sollen das Kind mehr als zwei Jahre vergewaltigt und fremden Männern gegen Geld zum Missbrauch überlassen haben.