Missbrauchsprozess gegen Trainer aus Kreis Esslingen Ehefrau des Angeklagten spricht von einer Affäre

Der 41-Jährige hatte die mutmaßlichen Opfer im Eiskunstlauf trainiert. Foto: dpa/Sebastian Gollnow

Einem Trainer aus dem Kreis Esslingen wird vorgeworfen, zwei Mädchen sexuell missbraucht zu haben. Seine Ehefrau hingegen behauptet, die Beziehung habe auf Gegenseitigkeit beruht.

Gegen einen Eiskunstlauftrainer aus dem Kreis Esslingen läuft derzeit ein Prozess vor dem Stuttgarter Landgericht. Dem 41-Jährigen wird vorgeworfen, zwischen 2017 und 2018 zwei damals minderjährige Mädchen, die er trainiert hat, sexuell missbraucht zu haben. Auch seine Frau, die ebenfalls in dem Verein als Trainerin aktiv war, scheint von dem Umgang mit einem der mutmaßlichen Opfer gewusst zu haben. Sie behauptet allerdings, dass die beiden eine Affäre hatten. Das zeigen Chats zwischen den beiden Eheleuten.

 

Der Angeklagte bestreitet jedoch in den Nachrichtenverläufen, eine Affäre mit dem Mädchen gehabt zu haben. Daneben werfen sich die Eheleute in den Chats wüste Beleidigungen an den Kopf. Beim fünften Prozesstag vor dem Stuttgarter Landgericht hätte die Ehefrau auch als Zeugin aussagen sollen. Sie bezog sich jedoch auf das Zeugnisverweigerungsrecht und erschien nicht vor Gericht.

Mutmaßliches Opfer wirkt glaubwürdig

Stattdessen trat eine Polizistin aus Esslingen in den Zeugenstand. Sie hatte damals im Jahr 2018 die Anzeige aufgenommen, die das Mädchen mit ihren Eltern aufgegeben hatte. Es sei ein aufwühlendes und emotionales Gespräch gewesen, erinnert sich die Beamtin. Das Mädchen habe während der Vernehmung angefangen zu weinen und es sei ihr nicht leicht gefallen, darüber zu sprechen. Auf die Polizistin wirkte sie glaubwürdig, doch die Beamtin habe auch das Gefühl gehabt, dass das Mädchen nicht alles erzählt habe.

Sie sei eine gute Eiskunstläuferin gewesen, der Sport habe ihr Freude bereitet, habe das Mädchen erzählt. Anfangs wurde sie noch von dem Angeklagten und seiner Frau trainiert, später jedoch nur noch von ihm. Mit seiner Ehefrau habe es Probleme gegeben, sie habe das Mädchen beleidigt und sie als Schlampe bezeichnet. Die Chats zwischen der Trainerin und dem mutmaßlichen Opfer, die dem Landgericht vorliegen, zeigen, dass die Trainerin auch über WhatsApp das Mädchen beleidigte und sie auf ihr angebliches Verhältnis zu ihrem Mann ansprach.

Die Eltern hätten daraufhin Anzeige gegen die Ehefrau erstattet, das Verfahren wurde jedoch eingestellt, berichtet die Polizistin. Im Frühjahr 2018 habe das mutmaßliche Opfer schließlich mit dem Training aufgehört und keinen Kontakt mehr zu dem Angeklagten gehabt, bis er ihr schrieb und davon erzählte, seine Frau drohe damit, an der Schule schlimme Gerüchte über das Mädchen zu verbreiten.

Vorwurf der Vergewaltigung

Es kam zu einem Treffen und schließlich zu einem weiteren. Der Angeklagte habe dem Mädchen gesagt, er werde die Sache mit seiner Frau klären. Im Gegenzug dazu soll er das Mädchen dazu aufgefordert haben, Geschlechtsverkehr mit ihm zu haben. Sie habe erklärt, dass sie das nicht wolle, woraufhin der Angeklagte sie dazu gezwungen haben soll, so die Beamtin.

Schließlich hätten die Eltern eine Nachricht von der Ehefrau bekommen, in der ein Bild von dem Angeklagten und ihrer Tochter zu sehen war. Daraufhin hätten die Eltern ihre Tochter zur Rede gestellt und am Abend sei die Familie zu Polizei gegangen, um die Anzeige zu erstatten. Am 12. Juli ist die Urteilsverkündung geplant.

Weitere Themen