Missbrauchsskandal Abschlussbericht soll im kommenden Jahr vorliegen

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Die Brüdergemeinde einigt sich mit Betroffenen über die Höhe der Entschädigungszahlungen. Die Summen lehnen sich an die Aufarbeitung bei den Regensburger Domspatzen an.

Blick in ein unrühmliches Kapitel der Geschichte der Brüdergemeinde Foto: dpa
Blick in ein unrühmliches Kapitel der Geschichte der Brüdergemeinde Foto: dpa

Korntal-Münchingen - Die evangelische Brüdergemeinde will den ehemaligen Korntaler Heimzöglingen, die Leid in den Einrichtungen der Brüdergemeinde erfuhren, mit Beträgen von 5000 Euro bis 20 000 Euro entschädigen. Das geht aus einer Mitteilung der Moderatoren hervor, die die Aufarbeitung des Missbrauchsskandals begleiten. Auf Druck der Betroffenen arbeitet die evangelische Brüdergemeinde derzeit die Geschehnisse in ihren Einrichtungen von Ende der 40er Jahre bis in die 70er Jahre auf. Vertreter von Opfern, deren Unterstützern und der Brüdergemeinde haben über die Höhe der Leistung in der gemeinsamen Auftraggebergruppe entschieden.

Kommission besetzt

Als die Vorfälle in den Kinderheimen bekannt wurden, hatte die Gemeinde 2014 zunächst eine Summe von bis zu 5000 Euro geboten. Die Betroffenen waren darob verärgert, doch im Streit der Opfer untereinander rückte die Diskussion über die Anerkennungsleistung zunächst in den Hintergrund. Nun aber zeigt sich Wolfgang Schulz, Betroffener und Mitglied der Auftraggebergruppe, „zufrieden“. Auch wenn er betont, dass dies doch „mehr durch Betteln“ erreicht worden sei.

Inzwischen ist eine Kommission besetzt worden, welche die Vergabe regelt. Sie wird die Fälle bewerten, die von der Kommissionsvorsitzenden Brigitte Baums-Stammberger vorgelegt werden. Die Juristin führt derzeit die Gespräche mit Betroffenen. Der Mitteilung zufolge sind 65 bereits protokolliert, 20 weitere stünden noch aus. Der Wissenschaftler Benno Hafeneger wertet derweil Aktenbestände aus. Beider Berichte werden im kommenden Jahr vorliegen.

Mitglieder sind anonym

Die Vergabekommission ist mit vier Personen besetzt; neben Baums-Stammberger sind dies Vertreter aus den Bereichen Pädagogik, Psychotherapie und Soziale Arbeit. Bei einem Patt hat Baums-Stammberger offenbar eine Doppelstimme. Dies kritisiert Alexander Probst. Er hat den Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen publik gemacht und verfolgt die Korntaler Aufarbeitung. „Doppelstimmen sind Lug und Trug“, sagt er. Die Regensburger Kommission sei mit drei Personen besetzt, die Mitglieder seien öffentlich bekannt, die Entscheidungen einstimmig zu treffen.

Die Korntaler Kommissionsmitglieder wollen laut den Moderatoren anonym blieben. „Um ihre Unabhängigkeit im Vergabeausschuss zu gewährleisten, wünschen sich die Berufenen keine Namensnennungen in der Öffentlichkeit“, heißt es in der Mitteilung. Die Moderatoren waren noch nicht zu einer Stellungnahme bereit. Schulz selbst begrüßt die Entscheidung. Nur so sei gewährleistet, dass sie unangreifbar blieben, sagt er. Die Regensburger Kommission wurde laut Probst für ihre Entscheidungen bisher nicht angegangen.