Missbrauchsskandal in Rottenburg Das Schweigen der Lämmer

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Vor der katholischen Kirche wartet ein Polizeibeamter in Zivil. Er soll aufpassen, dass alles seinen Gang geht. Auf den Holzbänken stimmt das Kirchenvolk ein Lied an: "Eingeladen zum Fest des Glaubens." Die Messe kommt zum Ende, es naht der Punkt "Verschiedenes". Ein Gespräch mit Opfern, berichtet der Dekan, habe den Bischof zu der Anweisung veranlasst, dass der Sulzer Pfarrer Walter E. seine Amtsgeschäfte sofort ruhen lassen muss. Es ist still. Zepf fährt fort: "Als Christen müssen wir angesichts der Situation wieder neu lernen, dass wir als Menschen immer beides sind: geliebte Geschöpfe Gottes, berufen, sein Heil zu singen, und Sünder, die versuchbar sind, die oftmals versagen und auch scheitern können."

Vierzig Kilometer von dieser Beichte entfernt wartet ein Mann, der weiß, was mit "versagen" gemeint ist. Er ist Unternehmer und kennt Walter E., den Priester von Sulz, ebenso wie Rudolf K., den Geistlichen aus Munderkingen. Beiden ist er als Elfjähriger bei einem Ferienlager in den Dolomiten begegnet. Beide waren damals junge Geistliche, erzogen im gleichen Internat. Und beide, so beschreibt es der Zeuge, hätten sich 1981 bei der Freizeit an ihm vergangen.

Lange gab es keine Opfer, die zu einer Aussage bereit waren


Der Mann rutscht nervös auf seinem Stuhl hin und her. "Ich komme erst zur Ruhe, wenn ich weiß, dass alles raus ist." Im Februar hatte er in Rottenburg seine Geschichte erzählt. Der Bischof hat gehandelt und beide Priester aus ihrer Pfarrei genommen. Rudolf K. und Walter E. werden schon seit Jahren vom Verdacht umweht, sich allzu innig um Kinder zu kümmern. Jetzt war das Maß voll. Ein neuer Geist in einer Kirche, die jeden Tag neu lernt.




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