Missbrauchsskandal in Rottenburg Das Schweigen der Lämmer

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken


Für die Kirchenbedienstete aus dem Allgäu, die nicht zum Lager der Wegseher gehört, ist das nur schwer zu ertragen. Viele im Umfeld des verdächtigten Pfarrers hätten Dinge gesehen, die nicht normal seien. "Er hat das alles ganz offen gemacht", sagt sie. Und die Gemeinde schwieg eisern.

Fürst hat eine Missbrauchskommission eingerichtet


Das mit dem Schweigen hat eine längere Tradition. 30 Kilometer weiter an der A 96 redet eine Pastoralreferentin offen darüber. Bereits 1991 hatte ihr eine Haushälterin von kleinen Kindern berichtet, die bei Rudolf K. genächtigt hatten. Er war seinerzeit in Ebersberg unweit von Backnang eingesetzt und nebenbei Kurat der Pfadfinderschaft. Die Pastoralreferentin meldete den Fall mit einem Kollegen nach Rottenburg. "Wir haben es deutlich genug gemacht", sagt sie. "Aber damals war unsere Kirche noch nicht so weit." Der belastete Priester gab nach dem Vorfall seine Stelle in Ebersberg auf und wurde Jugendpfarrer in Ravensburg. Ein unglaublicher Vorgang, den die Frau bis heute nicht begreift. "Ich war hell entsetzt."

Verstehen kann man das alles nicht, nur rekonstruieren. Und auch das ist schwer genug. Dies umso mehr, als sich 1984 der Diözesanpriesterrat im Einklang mit dem damaligen Bischof Georg Moser darauf verständigt hatte, dass künftig in den Personalakten keine Verfahrensunterlagen mehr abgeheftet werden dürfen, was auch für Meldungen der unangenehmen Art galt. "Die Akten in der Registratur sind seitdem klinisch sauber", bestätigt ein Insider. So bleibt auch von der Anzeige der Kirchenleute aus jener Zeit nichts weiter als die Erinnerung.

Letzte Station der Reise. Ein vereinbarter Termin mit Gebhard Fürst, dem Medienbischof der deutschen Hirten, dem bemühten Aufklärer, der vor allen anderen eine Missbrauchskommission in seiner Diözese eingerichtet hat. Ein Zeichen wider das kollektive Schweigen über die Sünder in den Soutanen. "Wir haben nur eine Chance: Ehrlichkeit", heißt es in einem seiner Texte.

Einen Tag vor dem Treffen in Stuttgart ruft sein Sprecher an. Der Bischof sei wegen der suspendierten Pfarrer emotional sehr belastet. Er sagt das Gespräch ab.




Unsere Empfehlung für Sie