Mission Mars: „Falcon Heavy“ So funktioniert Elon Musks Superrakete

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Die Atmosphäre gleicht der beim Start eines Space-Shuttles: Halb Amerika zählt den Countdown herunter. Der visionäre SpaceX-Unternehmer Elon Musk macht die Raumfahrt mit PR-Gags und flotten Sprüchen zum Massenereignis.

Elon Musk ließ seinen eigenen kirschroten Sportwagen seiner Elektroautofirma Tesla an Bord der „Heavy Falcon“ bringen. Im Fahrersitz des Cabrios sitzt „Starman“, ein Dummy in einem Raumanzug. Foto: AFP 12 Bilder
Elon Musk ließ seinen eigenen kirschroten Sportwagen seiner Elektroautofirma Tesla an Bord der „Heavy Falcon“ bringen. Im Fahrersitz des Cabrios sitzt „Starman“, ein Dummy in einem Raumanzug. Foto: AFP

Cape Canaveral/Stuttgart - Mission Mars: SpaceX-Chef Elon Musk hat sein erstes Ziel erreicht. Die Trägerrakete „Falcon Heavy“ des privaten Raumfahrtunternehmens ist auf dem Weg zum roten Planeten. Am 6. Februar 2018 um 20:45 Uhr UTC (21:45 Uhr MEZ) starteten die Merlin-Triebwerke der modifizierten Falcon-9-Erststufe und der zwei Booster vom Launch Complex 39 des Kennedy Space Center in Florida ohne Probleme zu ihrem Jungfernflug.

Mehrstufenraketen

Raketen wie die „Falcon Heavy“ oder die Saturn-Rakete des amerikanischen Apollo-Programms in den 1960er und 1970er Jahren sind Mehrstufenraketen. Die erste Stufe, die rund 80 Prozent des Gesamtgewichts ausmacht, treibt die Rakete an, damit sie die Erdumlaufbahn verlassen kann.

Um die Gesamtmasse zu verringern, wird die untere Stufe nach dem Ausbrennen abgetrennt und fällt zurück auf die Erde. Die Erststufe ist im Prinzip ein riesiger Behälter mit dem Treibstoffvorrat und Raketentriebwerk.

Die beiden an der Trägerrakete angebrachten kleineren Raketen heißen Booster. Auch sie zünden beim Start und werden nach 120 Sekunden in einer Höhe von 40 bis 60 Kilometern abgeworfen. Die Erststufe brennt danach weitere 220 Sekunden, bevor sie abgetrennt wird.

Erststufe fällt in den Ozean

Die beiden kleineren Boosterraketen setzten bereits wenige Minuten nach dem Start der „Falcon Heavy“ selbstständig und unbeschadet auf dem Luftwaffenstützpunkt Cape Canaveral auf. Der dritte, mittlere Booster krachte in den Atlantik, wie SpaceX-Chef Elon Musk auf einer Live-Pressekonferenz erklärte.

Der große Booster sollte eigentlich ebenfalls zum Landeplatz zurückkehren oder auf einem „Autonomous Spaceport Drone Ship“ im atlantischen Ozean landen. Dieses autonome Weltraumbahnhof-Drohnenschiff ist eine unbemannte, schwimmende Landeplattform für Raketen. SpaceX baute 2014 das erste Schiff dieser Art, um die kontrollierte Landung von Raketenstufen zu erproben.

Musk zeigte sich von der Panne unbeeindruckt. Zu sehen, wie zwei Boosterraketen landeten, sei das spannendste gewesen, was er je gesehen habe, erklärte der Raumfahrtunternehmer.

Steckbrief: Falcon Heavy

Größere Booster wie die des amerikanischen Space Shuttles, der europäischen Ariane 5 und der russischen Energija-Rakete landen mit Hilfe von Fallschirmen, um auf Fehler untersucht und wenn möglich wieder verwendet zu werden.

Die „Falcon Heavy“ ist die derzeit stärkste Trägerrakete der Welt. Die 69,2 Meter hohe Rakete wird mit RP-1, einem flüssigen Kohlenwasserstoffgemisch, angetrieben. Sie soll schwere Satelliten sowie das SpaceX Dragon-Raumschiff in die Erdumlaufbahn transportieren.

Starman im roten Tesla-Cabrio

Zehntausende Schaulustige versammelten sich für den Start, den SpaceX-Chef Elon Musk als „Meilenstein“ darstellte. Er ließ seinen eigenen kirschroten Sportwagen seiner Elektroautofirma Tesla an Bord der Rakete bringen, um dem Testflug – wie er sagte – ein etwas „dramatisches Flair“ zu geben.

Im Fahrersitz des Cabrios sitzt „Starman“, ein Dummy in einem Raumanzug, eine Hand am Steuer. Zum Start erklang „Space Oddity“ von David Bowie. „Starman“ soll auf einer Sonnenumlaufbahn binnen sechs Monaten in die Nähe des Mars gelangen.