Mit dem Fahrrad durch Südamerika Stuttgarter Student nach brutalem Raubüberfall wieder heimgekehrt

Von Beate Grünewald 

Gefesselt, geknebelt und ausgeraubt: Der Stuttgarter Student Philipp Winnige wollte mit dem Fahrrad Südamerika durchqueren. Keine zwei Monate später ist er wieder zu Hause – war’s das?

Philipp Winnige unterwegs durch Kolumbien. Die größte Gefahr ist tagsüber vor allem die Sonne, deshalb die lange Kleidung. Foto: Winnige/Römer 8 Bilder
Philipp Winnige unterwegs durch Kolumbien. Die größte Gefahr ist tagsüber vor allem die Sonne, deshalb die lange Kleidung. Foto: Winnige/Römer

Stuttgart - Es ist eine Geschichte, wie aus einem Film: Ein Stuttgarter Student will mit seinem Fahrrad Südamerika durchqueren – 10.000 Kilometer von Kolumbien bis nach Feuerland. Ein halbes Jahr hat er für diesen Traum freigeschaufelt, seine Familie von dem Traum überzeugt, sein Studium pausiert und die Beziehung zu seiner Freundin beendet. Keine zwei Monate und einen Raubüberfall später ist er wieder in Deutschland.

„Drei Wochen lang ging alles gut“, erzählt Philipp Winnige, der Gestaltung, Kunst und Medien an der Merz Akademie in Stuttgart studiert und als Abschlussprojekt einen Film über seine Reise drehen will. Mit einem Freund startete der 24-Jährige Anfang September in Bogotá, Kolumbiens Hauptstadt. Rund 800 Kilometer und bis zu 3300 Höhenmeter strampelten die beiden mit ihren Fahrrädern bis nach Ecuador, verdarben sich beide ordentlich den Magen und wurden nett von Einheimischen aufgenommen – Abenteuer halt. Nach dem Grenzübertritt nach Ecuador suchten sich die beiden einen Übernachtungsplatz und schlugen ihr Zelt am Rande eines Ackers auf.

Drei Vermummte kommen mit Macheten

Gegen 23.30 Uhr, es ist schon stockdunkel, hämmert plötzlich jemand ans Zelt und schreckt die schlafenden Studenten auf. „Ich dachte im ersten Moment, dass sei vielleicht der Besitzer von dem Grundstück, der sich beschweren will“, erzählt der Winnige. Doch vor dem Zelt stehen drei vermummte Männer mit Macheten. „Einer kam ins Zelt und hat uns geknebelt und gefesselt und unsere Taschen durchwühlt“, schildert der 24-Jährige die Details. „Wir haben nicht versucht, uns zu wehren und das war gut so“, reflektiert Winnige den Vorfall. „Wir haben einfach den Mund gehalten, das war unser Glück.“

Handy, Kreditkarte, Bargeld, iPod, Fotokamera – die drei Fremden nehmen alles, was sie finden und verschwinden wieder in der Dunkelheit. Philipp Winnige und sein Kumpel Fabian Römer bleiben unverletzt. Mit einem Messer, das die Unbekannten offenbar übersehen hatten, können sich die beiden Studenten befreien, packen alles zusammen und radeln auf der Panamericana zur nächsten Polizeistation. Eine Woche später sitzen sie im Flugzeug nach Deutschland. Aus der Traum?

Mit dem Vater startet Winnige die zweite Etappe

Für Fabian Römer sei gleich klar gewesen, dass das Abenteuer an dieser Stelle vorbei ist. Er zog sein Urlaubssemester zurück und hat sein Studium wieder aufgenommen. Doch Winnige ist unschlüssig. „Will ich alleine weitermachen?“ und „Kann ich das überhaupt alleine?“, fragte er sich. Außerdem hatten seine Eltern ja bereits zwei Flüge nach Peru gebucht, um ihn während seiner Reise zu besuchen.

Nach einer Woche in Deutschland steht ein neuer Plan: Anfang November fliegt Philipp Winnige mit seinem Papa und zwei Fahrrädern nach Peru. „Er hat immer von so etwas geträumt“, erklärt der gebürtige Pfälzer die spontane Entscheidung seines Vaters, der kurzerhand Sonderurlaub beantragt hat. „Und meine Mama ist froh, nicht fliegen zu müssen“, verrät Winnige. Die habe nämlich Flugangst.

Mit seinem 61-jährigen Vater startet also die zweite Etappe des Abenteuers von Peru nach Bolivien. Und es folgt eine dritte: In Chile bekommt Winnige neue Reisebegleiter. An Neujahr fahren drei Kumpels von ihm auf Fahrrädern Richtung Feuerland, denen er sich anschließt. Und am Ende muss sich der Filmstudent immerhin über eine Sache keine Sorgen machen: Dass er genug Stoff für seinen Film zusammenbekommt.

Auf Instagram berichtet Philipp Winnige von seiner Tour durch Südamerika. Hier geht es zu #feuerlandfrei.

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