Mit dem Rad über die Alpen fürs Abi Es geht bergab!

Politik: Siri Warrlich (swa)
WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Die Lehrer zeigen Erbarmen. Sie ändern die Route, das Tagespensum von 1700 Höhenmetern ist nicht mehr zu schaffen. San Giovanni, der letzte Übergang in den Bergen, wird also zugunsten einer flacheren Route gestrichen. Etwa zwei Stunden vor dem Ziel mahnt Kaufmann ein letztes Mal auf diesem Alpencross: ­„Diese Abfahrt hat es in sich. Wichtig: die Abstände groß lassen! Und eure Bremsen werden ziemlich warm werden – nicht mit den Fingern drankommen! Ich halte an, wenn es eine Abzweigung gibt. Okay?“ Zustimmendes Gemurmel. „Viel Spaß!“

Und dann passiert, woran kaum noch einer geglaubt hatte: Es geht bergab. Ganz lange nur bergab. Die Räder rappeln über das grobe Pflaster. Vorbei an kleinen Gartenparzellen und einem runzeligen Opa, der verdutzt von seinem Beet aufblickt.

Geschafft? Das wär zu leicht. Auf den letzten zwanzig flachen Kilometern durch einen Weinberg herrscht heftiger Gegenwind. Auch voll egal jetzt. Brigitte Becker gibt Gas, als werde sie gejagt. Nur Anton kann noch mithalten – trotz elektrischer Zahnbürste. Der Rest der Truppe tritt sich irgendwo ­weiter hinten durch diesen letzten Abschnitt.

Selfies für die Freunde daheim

Im Tal sammeln sich alle wieder. Eine Gruppe junger Leute kommt ihnen in Badehosen und mit Handtüchern um den Nacken entgegen. Das kann ja eigentlich nur heißen, dass . . . Die Sonne scheint, die Wellen rauschen. Sie sind am Gardasee!

Freudengeschrei? Luftsprünge? Dafür fehlt die Energie. Charlotte, Jasmine, Svea und Anne, die vier Mädchen in der Gruppe, umarmen sich, steigen langsam vom Rad. Von den Jungs klatschen manche mit den Lehrern ab. Anton isst einen Snack. Und dann rein ins Wasser, mit den Füßen erst einmal nur. Selfies schießen, gleich zu den Freunden nach Deutschland schicken.

„Das ist ja in der Schule oft so“, sagt Anne später, „dass man aufgibt – zum Beispiel, wenn man etwas nicht versteht in Mathe.“ Auf dem Weg hierher aber hat sie nicht aufgegeben, auch wenn sie manchmal ganz nah dran war. „Mir hat das was fürs Leben gebracht“, sagt Anne. „Ich weiß, dass ich alles schaffen werde – weil ich das hier geschafft habe.“




Unsere Empfehlung für Sie