Mit einem Wegewart über die Filder Wanderung mit Leiter und Gartenschere

Von Alessa Becker 

Für Thorsten Bayha ist der Weg das Ziel. Der Wegewart des Schwäbischen Albvereins Plieningen-Birkach heftet den Blick beim Laufen nicht auf den Boden, sondern nach oben. Dort hängen die Wegweiser, um die er sich zu kümmern hat.

Thorsten Bayha wandert mit offenen Augen über die Filderebene. Der Wegewart des Schwäbischen Albvereins ist für die Beschilderung der Routen zuständig. Foto: Alessa Becker
Thorsten Bayha wandert mit offenen Augen über die Filderebene. Der Wegewart des Schwäbischen Albvereins ist für die Beschilderung der Routen zuständig. Foto: Alessa Becker

Filder - Die Sonne strahlt, und gut gelaunt sind auch die vier Männer, die sich vor dem Schloss Hohenheim versammelt haben. Sie sind Mitglieder des Schwäbischen Albvereins und nutzen den Samstag für eine Wanderung am Schloss entlang durch Birkach zum Asemwald und weiter Richtung Degerloch. „Dort kehren wir dann irgendwo ein, das ist ein wichtiger Bestandteil einer Wanderung“, sagt Helmut Kauffmann und lacht. Er ist der Vorsitzende der Ortsgruppe Plieningen-Birkach.

Er hat die Augen in der Luft

Die Männer gehen heute nicht nur zu ihrem Vergnügen auf Wanderschaft. Sie helfen Thorsten Bayha, der seit einem halben Jahr der neue Wegewart der Ortsgruppe ist. Gemeinsam mit Helmut Kauffmann ist er auch Mitglied des Obst- und Gartenbauvereins. „Da hat mich Helmut gefragt, ob ich nicht Mitglied des Albvereins und Wegewart werden möchte“, sagt Bayha. Ein Wegewart ist nicht für die Wanderpfade selbst zuständig. Das ist Aufgabe der Stadt. Thorsten Bayha hat die Augen nicht am Boden, sondern in der Luft. Er kümmert sich um die Beschilderung. Da hängen an jeder Abzweigung rote Kreuze, blaue Kreuze, Striche und Punkte zur Markierung. Sie zeigen, um welchen Wanderweg es sich handelt und ob der Wanderer gerade auf einem Haupt- oder Nebenweg läuft. Thorsten Bayha muss die Schilder überprüfen, reparieren oder erneuern.

Schwer bepackt mit Rucksack und Leiter hält Bayha beim Wandern immer die Augen offen. An jedem Laternenmast, an jedem Baum könnte ein Wegzeichen versteckt sein. „Ein Wanderer sollte die Strecke auch ohne Wanderkarte laufen können, nur den Zeichen nach“, erklärt Bayha. Dazu müssen sie gut sichtbar und am richtigen Platz hängen. Wenn ein Wegzeichen überwachsen ist, holt Bayha eine Gartenschere hervor und schneidet es frei. Abgeblätterte Markierungen überklebt er, und an Bäume wird ein Messingschild genagelt. „Um die Bäume nicht zu verletzen, klemmen wir ein Korkstück zwischen das Schild und die Rinde“, sagt Bayha. Der Naturschutz ist dem Albverein ein Anliegen. Als Wegewart muss Thorsten Bayha einige Regeln kennen, denn die Wegzeichen werden systematisch angebracht. „Wenn ich einen besseren Weg finde, darf ich die Route nicht einfach ändern, weil sie auf allen Karten des Albvereins abgedruckt ist.“

Wandernd Leute treffen

Der Schwäbische Albverein wurde 1888 in Plochingen gegründet und ist heute mit rund 110 000 Mitgliedern europaweit der größte Wanderverein. „Wandern ist ein Ausgleich, und man lernt andere Leute kennen“, sagt Helmut Kauffmann. Selbst 80 Jahre alte Mitglieder des Vereins würden noch auf dreistündige Wanderungen gehen. „Wandern hält fit und jung.“

Thorsten Bayha ist in der Ortsgruppe Plieningen-Birkach mit 44 Jahren das jüngste Mitglied. Als Marathonläufer sei es für ihn kein Problem, die rund 30 Kilometer Wegenetz abzulaufen, die zur Gemarkung Plieningen-Birkach gehören. „Der ehemalige Wegewart hat sich aus Altersgründen lange nicht mehr um die Beschilderung gekümmert, es gibt also viel zu tun“, sagt Bayha. Problematisch sei auch, dass neu angebrachte Markierungen einfach wieder abgerissen würden.

Im September wird 125-jähriges Jubiläum gefeiert

Zuerst hat sich Bayha um den Plieninger Rundwanderweg gekümmert, der vor 24 Jahren angelegt und seitdem stark vernachlässigt worden ist. Zum 125-jährigen Jubiläum der Ortsgruppe im Herbst möchten die Mitglieder ihn aufleben lassen. Im September findet ein Jubiläumsfest in der Zehntscheuer in Plieningen statt.

In Zukunft stehen neue Projekte an. Es sollen mehr Familienwanderungen angeboten werden, um auch junge Leute zu begeistern. Doch erst muss die Beschilderung erneuert werden, eines nach dem anderen. „Der Weg ist das Ziel“, sagt Thorsten Bayha.

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