Mit großer Überraschung Rennstall der Hochschule Esslingen präsentiert neuen Rennwagen

Der neue Stallardo 26 ist im Design des ersten Rennwagens des Rennstalls nachempfunden. Er sorgte für rege Begeisterung. Foto: Roberto Bulgrin

Zum 20. Jubiläum des Rennstalls Esslingen enthüllt das Team einen besonderen Wagen. Doch nicht nur das: Eine überraschende Neuerung zieht dieses Jahr mit in den Rennstall ein.

Volontäre: Lena Fux (fux)

Tosender Applaus schallt durch den Raum der Hochschule Esslingen. Das Publikum in der Aula im Campus Flandernstraße wartet gespannt auf einen besonderen Moment. Manche tragen schwarze T-Shirts mit der Aufschrift „Rennstall“, in der Hand ein kühles Getränk. Passend zum großen Bruder, der Formel 1, ist der hohe Raum in Rot ausgeleuchtet. An diesem Dienstagabend soll ein neuer Elektro-Rennwagen, der Stallardo 26, erstmals gezeigt werden. Seit 20 Jahren entwickeln Studierende an der Hochschule Esslingen Fahrzeuge, mit denen sie gegen andere Universitäten antreten.

 

Epische Musik beginnt zu spielen. Dann hebt sich der Vorhang, das Samttuch über dem Fahrzeug gleitet zurück – und da ist er: der schwarz-weiße Stallardo 26. Um ihn herum steht das stolze Team.

50 Teammitglieder arbeiteten über einem Zeitraum von neun Monaten an dem Fahrzeug. Anlässlich des Jubiläums ähnelt es dem allerersten Modell von vor 20 Jahren, als der Rennstall noch in den Kinderschuhen steckte. „Es soll eine Hommage an die ersten Fahrzeuge sein“, so Teamleiter David Knoch. Entwickelt wurde es laut dem 21-Jährigen ab September. Von Januar bis zuletzt im Mai habe das Team dann daran geschraubt und gebaut. „Die Form basiert auf einem Rochen, der quasi einmal umgedreht worden ist“, beschreibt Teamleiterkollege Maximilian Hendel die Verkleidung des Wagens.

Stallardo 26 der Esslinger Hochschule mit optimierten Bauteilen

Sehr viele Arbeitsstunden seien dabei zusammengekommen. „Man steht morgens auf, man isst was, man arbeitet weiter und man geht wieder schlafen“, sagt Hendel grinsend. Manche Teile des Fahrzeugs werden von Sponsoren gestiftet, andere stelle das Team von Grund auf selbst her. „Der große Teil, der extrem viel Handarbeit bedeutet, ist die Aerodynamik. Die wird vollständig von uns hergestellt“, erklärt Knoch. Für diese Bauteile nutzt das Team Carbongewebe. Beim Antrieb oder dem Fahrwerk sei man wegen fehlender Maschinen auf Sponsoren angewiesen.

Jedes Jahr versuche das Team den Rennwagen zu verbessern. Im Vergleich zum Wagen aus dem Vorjahr hat der Neue nun ein neu entwickeltes Akkusystem mit Wasserkühlung, einen 6-Kolben-Bremssattel und eine eigens entwickelte E-Maschine. Außerdem wurde der Radträger und das Getriebekonzept optimiert und der Heckflügel angepasst. „Es ist unglaublich spannend, selbst Verantwortung zu übernehmen. Die Möglichkeit, etwas Eigenes zu schaffen und als Team ein so cooles Produkt zu entwickeln, was man allein niemals könnte“, sagt Knoch.

David Koch (links) und Maximilian Hendel (rechts) enthüllen den Stallardo 26. Das Team ist sichtlich stolz. Foto: Roberto Bulgrin

Mit dem Fahrzeug geht es für das Team im Juli zum internationalen Motorsport-Wettbewerb Formula Student in die Schweiz. Dafür machen sie außerdem Halt in Österreich beim Red-Bull-Ring, als Heimspiel in Hockenheim und in Italien beim Autodromo Varano.

Große Überraschung: Elektro-Rennwagen bleibt nicht allein im Rennstall

Für das Team des Rennstalls und das Publikum gibt es dieses Jahr doppelten Grund zur Freude: Der Rennstall wird um ein weiteres Fahrzeug erweitert – ein Wasserstoff-Verbrenner zieht ein. Auf die Verkündung folgt großer Jubel. „Er orientiert sich am Stallardo aus dem Jahr 2022. Das letzte Auto mit Verbrennungsmotor dient als Basis und wird umgebaut. Ein Wasserstoffantrieb wird integriert", erklärt Hendel.

Nach der Präsentation versammeln sich Team, Freunde, Familie, Sponsoren und Professoren auf der Bühne, um den Stallardo 26 zu bestaunen. Fotos werden gemacht, Schultern geklopft, Glückwünsche ausgetauscht. „Wir haben hier an der Hochschule durch das Projekt Rennstall die Möglichkeit, etwas zu schaffen und neu aufzubauen – mit einem Team, sodass es wirklich vorangeht. Das Fahrzeug jetzt da stehen zu sehen, treibt natürlich an", sagt der 24-Jährige stolz.

Doch wie schaffen Maximilian Hendel und David Knoch Zeit für das Projekt neben Studium und Prüfungen? Knoch grinst: „Das ist eine recht simple Antwort: gar nicht. Wir machen beide zwei Urlaubssemester extra für den Rennstall. Für uns ist es das absolut wert. Wir machen das mit Herzblut."

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