„Ich habe heute schon viele Mails beantwortet und Telefonate geführt. Aber ich musste das auch kurz sacken lassen“, sagt Nico Gunzelmann am Tag nach der Wahl. Mit 31,2 Prozent der Erststimmen sicherte sich der CDU-Kandidat aus Wiernsheim das Direktmandat im Enzkreis. Damit stellt die CDU dort erstmals seit der Landtagswahl 2011 wieder den direkt gewählten Abgeordneten. Gleichzeitig wird Gunzelmann mit 23 Jahren der jüngste Abgeordnete im neuen Landtag.
Dass er der Jüngste im Parlament sein wird, sieht Gunzelmann allerdings eher als Randnotiz. Natürlich wolle er auch eine junge Perspektive einbringen, sagt er. „Aber in erster Linie bin ich für alle Menschen im Enzkreis verantwortlich und vertrete sie.“ Darunter seien viele, die älter sind als er – ebenso wie Bürgerinnen und Bürger, die ihn gar nicht gewählt hätten.
Vor der Wahl sei er zwar optimistisch gewesen, sagt Gunzelmann, verweist aber zugleich auf eine intensive Zeit. „Wir haben einen harten und anstrengenden Wahlkampf hinter uns.“ Er habe viel Präsenz gezeigt und auch an Haustüren positives Feedback erhalten. Dennoch sei ihm bewusst gewesen, dass seine Ausgangslage nicht einfach war.
Gunzelmann will AfD-Wählern ein Angebot machen
„Ich bin ein junger und vergleichsweise wenig bekannter Kandidat“, sagt Gunzelmann, der bei der Stadt Sindelfingen als Abteilungsleiter der Geschäftsstelle des Gemeinderats arbeitet. Deshalb sei er mit einer demütigen Haltung in den Wahlkampf gegangen. Umso größer sei nun die Freude über den Einzug in den Landtag.
Der deutliche Abstand der CDU zu Grünen und AfD im Enzkreis überrascht Gunzelmann positiv. Er habe mit einem knapperen Ergebnis gerechnet und freue sich über den Vorsprung. Kritisch sieht er dagegen das Abschneiden der AfD, sowohl in Baden-Württemberg mit 18,8 Prozent als auch im Enzkreis mit 22,6 Prozent. „Das ist auch ein Auftrag für mich“, sagt er. Häufig handle es sich dabei um enttäuschte frühere CDU-Wähler. „Denen möchte ich wieder ein Angebot machen.“
Baden-Württemberg habe zu großen Teilen bürgerlich gewählt, mit der CDU und Teilen der AfD. Daraus leite sich der Auftrag ab, bürgerliche Politik zu machen, die die Anliegen der Menschen ernst nehme und konkrete Herausforderungen anpacke.
Jüngster Abgeordneter sieht Wirtschaft als zentrales Thema
Dabei bezieht sich Gunzelmann insbesondere auf die Stärkung des Wirtschaftsstandorts Baden-Württemberg. „Wir brauchen im Landtag dringend einen Ansprechpartner für die Unternehmer im Enzkreis – etwa bei Förderfragen, rechtlichen Themen oder wenn es um Impulse aus der Region für die Landespolitik geht.“ Der CDU-ler wirbt für eine Wirtschaftspolitik, die Wohlstand, Arbeitsplätze und Wachstum in den Mittelpunkt stellt. „Politik muss darauf geprüft werden, ob sie unserer Wirtschaft hilft“, so Gunzelmann.
In seiner Heimatgemeinde Wiernsheim ist Gunzelmann bereits kommunalpolitisch aktiv: Er gehört dem Gemeinderat an und ist stellvertretender Bürgermeister. Außerdem ist er Kreisvorsitzender der Jungen Union im Enzkreis und Vorstandsmitglied bei der SG Pforzheim/Eutingen. In seiner Freizeit spielt er Handball und bezeichnet sich selbst als bekennenden Christen.