Mit Pfeil und Bogen auf Jagd Auf auf zum lautlosen Jagen

Joachim Karthari sucht im Wald „totale Entspannung“ Foto: Susanne Marschall
Joachim Karthari sucht im Wald „totale Entspannung“ Foto: Susanne Marschall

Der Karlsruher Malermeister Joachim Karthari geht  in seiner Freizeit im Elsass auf Jagd – mit Pfeil und Bogen.

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Karlsruhe - Wieder knackt es hinten im Wald. Einmal, zweimal brechen mit einem leisen, spröden Klang Äste entzwei. Stille. Haben sie Witterung aufgenommen, die Rehe, der Fuchs? Schnelle Bewegungen sind bei der Jagd absolut verboten. Dafür wachsen die Ohren, werden groß und immer größer, wachsam und beweglich, wie bei einem nervösen Tier. Dann geht der Körper in Habachtstellung, dass es fast schon wehtut, und der Atem wird noch flacher.

Entwarnung: es waren nur Eicheln, die heruntergefallen und über den Boden geholpert sind. Ein unbekanntes Geräusch für einen Stadtmenschen. Aber je länger er mit dem Jäger auf dem Hochstand sitzt, desto besser kann er die Laute unterscheiden. Zumindest fällt ihm auf, dass die Eicheln bei Einbruch der Dämmerung immer seltener in die Tiefe stürzen.

Ein kaum hörbares Sirren, dann ein sattes Plopp. Bogenjäger Joachim Kathari schießt sich ein auf dem kleinen Übungsplatz, den er sich im Jagdrevier mitten im Wald eingerichtet hat: „Das mache ich immer, um sicher zu gehen, dass ich auch in Form bin.“ Damit jeder Pfeil Lunge, Herz oder Arterie trifft, die kleine tödliche Zone am Schulterblatt des Tieres.

Die Pfeile bohren sich in den Schaumstoffwürfel

Wieder spannt er die Sehne, und wieder schießt er mitten ins Schwarze. Es sieht so einfach aus. So natürlich und selbstverständlich, als wären Pfeil und Bogen ein Teil von ihm, wie Arme oder Beine. Sechs Pfeile lässt Kathari fliegen, und alle bohren sich in den zehn Zentimeter großen Kreis auf dem Schaumstoffwürfel, der leicht bergauf gut 15 Meter entfernt ist. Er nickt zufrieden: Wie ein straff gebundener Strauß stecken sie im Zentrum – tödlich wäre jeder gewesen.

Die letzten Sonnenstrahlen huschen über die Lichtung und tauchen sie in ein warmes Herbstlicht. Flüstern ist angesagt, wenn überhaupt, schon seit dem kurzen Marsch zum Hochstand. Schmal ist der Pfad, und er sieht aus wie geleckt: keine Zweige, kein Laub, nichts, was Krach machen könnte. „Wir versuchen nicht nur, unsichtbar zu sein, sondern auch von Anfang an so leise zu sein wie der Wald. Dazu gehören eben auch geharkte Wege zu den Hochständen.“

Zu sechst haben sie das rund 340 Hektar große Waldstück neben der Burg Flecken-stein im Elsass gepachtet. Und sie jagen alle ausschließlich mit Pfeil und Bogen, was in Deutschland verboten ist: „Warum? Keiner weiß es so genau: Es gibt keine stichhaltigen Argumente, die dagegen sprechen würden. Vielleicht, weil die Pfeile fast lautlos sind und das eine uralte Angst weckt.“ Nur nicht beim Wild: Der Schuss, der eine viel größere Durchschlagskraft als eine Gewehrkugel hat, erschreckt das Tier nicht, und so werden praktisch auch keine Stresshormone ausgeschüttet. „Der Tod ist schnell, so gut wie schmerzfrei, und das Fleisch bleibt extrem zart. Außerdem wird das übrige Rudel nur minimal beunruhigt.“

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