Mit unverwechselbarem Profil in die Zukunft

Ludwigsburg Die städtische Kulturlandschaft ist in Bewegung geraten. Mit der Arena, den Schlossfestspielen und dem Scala hat die Verwaltung gleich drei Baustellen am Hals. Oberbürgermeister Werner Spec will verkrustete Strukturen aufbrechen. Von Ludwig Laibacher

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Ludwigsburg Die städtische Kulturlandschaft ist in Bewegung geraten. Mit der Arena, den Schlossfestspielen und dem Scala hat die Verwaltung gleich drei Baustellen am Hals. Oberbürgermeister Werner Spec will verkrustete Strukturen aufbrechen. Von Ludwig Laibacher

Chance oder Krise? 2010 könnte als Jahr der Umbrüche in die Stadtgeschichte eingehen. Mit der Arena, den Schlossfestspielen und dem Scala befinden sich gleich drei Kultureinrichtungen im Umbruch. Während die Arena vom Start weg Probleme hatte, verweigerte das Stammpublikum den zu neuen Ufern aufgebrochenen Schlossfestspielen die Gefolgschaft. Ein Neustart beim Scala steht bisher nur auf den vielen Konzeptpapieren, die die Macher seit Juli produziert haben. Ob den guten Absichten auch Taten folgen, bleibt abzuwarten.

"Es gibt natürlich keine absoluten Garantien", sagt OB Werner Spec, "aber die Chance für das Scala ist da." Er hofft auf das belebende Element neu hinzu gekommener Initiativen wie der Kulturwelt 2000 und er setzt auf den Erwartungsdruck, unter dem die Mitglieder der neuen Scala-GmbH stehen. Aber Spec drängt auch auf Ergebnisse: "Wir erwarten, dass das jetzt zielstrebig angepackt wird." Im Rathaus werde in den nächsten Tagen ein Zeitrahmen abgestimmt. Sollte das Projekt nicht vorankommen, wisse man ja nun, "dass die Stadt nicht alternativlos ist".

Keine Alternative gibt es nach Einschätzung des Oberbürgermeisters zum eingeschlagenen Weg der Schlossfestspiele. Beinahe 20 Jahre sei das Festival ohne erkennbares Konzept vor sich hin gedümpelt. Dann habe man die Intendanten Thomas Wördehoff und Uwe Schmitz-Gielsdorf aufgefordert, den Schlossfestspielen eine neue Identität zu verpassen, was diesen schon in einer Spielzeit so gut gelungen sei, dass einzelne Konzerte endlich wieder deutschlandweit von sich Hören machten.

Die Meinungen in der Bevölkerung hierzu sind ähnlich geteilt wie die im Gemeinderat. Während etwa Hubertus von Stackelberg (SPD) von einem "erfrischenden und mutigen Programm" schwärmt, verweist Grünen-Stadtrat Michael Vierling auf "die halbleeren Ränge". Die neue Leitung habe das Stammpublikum vergrault, eine Rückkehr zu einem populäreren Programm sei darum unvermeidlich.

Dem widerspricht Professor Thomas Knobben, der Leiter des in der Barockstadt angesiedelten Instituts für Kulturmanagement. Mit dem Programm 2009/2010 hätten die Schlossfestspiele eine zukunftsweisende und frische Performance abgeliefert. Nun gelte es die Richtung durch eine politische Entscheidung zu untermauern: "Das Potenzial ist da, aber so etwas braucht einige Jahre - und es braucht Glück und Geschick." Aber die klare Abgrenzung zu den sehr vielen anderen Festivals landauf, landab sei schon die halbe Miete.

Auf der Kostenseite bringe allein die Übernahme des Arena-Managements die Kalkulation durcheinander, mit dem gedeckelten Betriebskostenzuschuss komme man nicht mehr über die Runden. Spec spricht von "geringfügig höheren Kosten". Zugleich deutet er aber auch an, dass die Zahl der Hallenbuchungen schon nach wenigen Wochen unter städtischer Ägide zugenommen habe und "Partner gewonnen werden konnten, die mehr als nur einen Abend buchen werden". Sie sollen demnächst vorgestellt werden. Beim ewigen Zuschussbetrieb Scala erwartet Spec, dass bald Geld fließen wird: "Die Scala-Macher haben der Wohnungsbau GmbH die Miete garantiert." Außerdem locke ein Gastronomiebetrieb auch ein größeres Publikum in den 400 Zuschauer fassenden historischen Saal. "Das Budget für die Schlossfestspiele war ohnehin schon gekürzt und das Defizit ist nicht größer geworden."

Die Losung heißt: "Profil schärfen". Während die Schlossfestspiele schon jetzt deutliche Konturen zeigten, müssten Scala und Arena noch an der individuellen Note arbeiten, meint der OB. Die vielen und oft zähen Diskussionen um die Kulturstätten hätten zumindest ein Gutes gehabt: sie hätten verkrustete Strukturen aufgebrochen.

Spec: "Wir werden mit unserem knappen Budget klarkommen, Ludwigsburg wird als Kulturstandort interessanter."

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