Mitfahrbänkle fürs Nassachtal Neue Mobilität im Dorf

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Wer sich setzt, möchte mitfahren – so simpel funktioniert das erste Mitfahrbänkle, das im Uhinger Nassachtal aufgestellt wurde.

Albert Ortwein, Birgit Schwarz, Volker Krapf und Eberhard Hottenroth (von links) freuen sich über das Mitfahrbänkle, das neuerdings in Nassachmühle am Dorfplatz steht. Foto: StZ
Albert Ortwein, Birgit Schwarz, Volker Krapf und Eberhard Hottenroth (von links) freuen sich über das Mitfahrbänkle, das neuerdings in Nassachmühle am Dorfplatz steht. Foto: StZ

Uhingen - Mit zufriedenen Gesichtern haben sich vier Ortschaftsräte in Nassachmühle, einem Uhinger Teilort, am Dorfplatz versammelt. Gleich wird der Ortsvorsteher Eberhard Hottenroth das erste von insgesamt acht geplanten Mitfahrbänkle enthüllen, auf dem die Menschen im Nassachtal signalisieren können, dass sie von Vorbeifahrenden in einen der umliegenden Orte mitgenommen werden möchten. Vorbild für die Bänke ist die Kommune Speicher in der Eifel. Ähnliche Sitzgelegenheiten gibt es in den Kreisen Rottweil und Zollernalb, und vor Jahrzehnten galt ein Pfosten am Rathaus von Deckenpfronn (Kreis Böblingen) wohl als improvisierte Mitfahrzentrale.

Wettbewerbsmotto: Unser Dorf soll Zukunft haben

Im Nassachtal markieren die Bänkle nur den Auftakt zu einer ganzen Menge an Veränderungen, mit denen die Ortschaftsräte attraktivere Lebensbedingungen in den vier Nassachtalorten schaffen wollen. Ihre Ideen wollen die Nassachtaler beim landesweiten Wettbewerb „Unser Dorf soll Zukunft haben“ im Herbst präsentieren.

Die roten Wangen von Eberhard Hottenroth und die Signalfarbe des neuen Mitfahrbänkles leuchten um die Wette, als der Ortsvorsteher beschreibt, wie gut das Zusammenleben der rund 1750 Bewohner in den Teilorten Nassachmühle, Diegelsberg, Nassach und Baiereck klappt: „Wir sind stolz wie Bolle, denn wir kriegen was gemeinsam hin.“ Dafür sei das erste Mitfahrbänkle ein guter Beweis. „Die Eiche hat der Revierförster aus dem Wald geholt, unser Schreiner, der Holzkünstler und der Maler waren als nächste dran.“

Die Dorfbewohner sind aufeinander angewiesen

Schließlich hätten drei Mann aus der Dorfgemeinschaft noch die Betonstützen gegossen und die Bank am Ende daran festgeschraubt. „Die haben das geschwind nebenher erledigt, als das Festzelt aufgebaut wurde.“ Nur einen Steinwurf entfernt grüßt das Zelt vom Spielplatz in Nassachmühle, wo die Tälesbewohner am Sonntag ihr Sommerfest feiern werden. Während an diesem Vormittag ständig Autos das Bänkle passieren und eine Fahrerin sogar anhält, um den Ortsvorsteher im Jux mitzunehmen, beschreibt die Ortschaftsrätin Birgit Schwarz den Gedanken, der dem Bänkle zugrunde liegt: „Wir sind hier aufeinander angewiesen.“ Rund 50 Aktive der als Verein organisierten Dorfgemeinschaft bewiesen das gemeinsam mit den Sportvereinen, der Feuerwehr und den Kirchen.

Die Bänkle werden nach und nach in allen vier Teilorten platziert und im Uhinger Zentrum, „damit die Leute auch wieder heimkommen“. Angesichts eines Busfahrplans, der sich an den Bedürfnissen der Schüler orientiere und am Wochenende nur fünf Verbindungen anbietet, wollen die Dörfler nun zur Selbsthilfe greifen. Neben den Mitfahrbänkle möchten sie noch ein eigenes Dorfauto anschaffen. Ein Projekt, das selbst der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger staunend zur Kenntnis nimmt, denn eingeweiht war er bisher noch nicht. Dass es genug ehrenamtliche Fahrer gibt, die Senioren zum Arzt und zu Behörden kutschieren sowie Medikamente ins Nassachtal befördern, steht für Hottenroth längst fest. Für das Auto sollen demnächst Spenden gesammelt werden. Eine Finanzspritze für die Bänkle gab es bereits von der Raiffeisenbank Wangen.

Essen auf Rädern ist ebenso geplant

Bis alle Ideen bei dem landesweiten Wettbewerb im September präsentiert werden können, erhofft sich Hottenroth zudem erste Ergebnisse aus einem geplanten Testlauf für Essen auf Rädern, das künftig betagten Bürgern angeboten werden soll. Außerdem soll ein Gemüseverkaufswagen das Tal der Frohen ansteuern.




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