Mitgliederversammlung der Stuttgarter Kickers Die Blauen schreiben schwarze Zahlen – Rainer Lorz bleibt Präsident

Rainer Lorz ist seit 2010 Präsident der Stuttgarter Kickers – und bleibt es weiterhin. Foto: Markus Schwarz/SV
Rainer Lorz ist seit 2010 Präsident der Stuttgarter Kickers – und bleibt es weiterhin. Foto: Markus Schwarz/SV

In einer harmonischen Mitgliederversammlung verkünden die Stuttgarter Kickers einen Jahresüberschuss von 251 000 Euro. Christian Steinle ist neuer Aufsichtsratschef, Rainer Lorz bleibt Präsident.

Sport: Jürgen Frey (jüf)
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Stuttgart - Um 22.25 Uhr Uhr war die Entscheidung gefallen, mit der alle gerechnet hatten. 186 stimmberechtigte Mitglieder der Stuttgarter Kickers hatten am Ende einer äußerst harmonisch verlaufenen Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit (91,1 Prozent Ja-Stimmen) den neuen Aufsichtsrat gewählt, der sich schon im Vorfeld für Christian Steinle als neuen Vorsitzenden entschieden hatte. Seine Stellvertreterin ist Daniela Koch gemeinsam mit Philipp Pfeifer. Das Gremium ernannte danach Rainer Lorz einstimmig zum Präsidenten, seine Mannschaft bleibt unverändert.

Sportlicher Erfolg im Vorfeld einer Mitgliederversammlung kann grundsätzlich nicht schaden. Deshalb war die jüngste Erfolgsserie der Kickers in der Fußball-Oberliga mit fünf Siegen hintereinander auch alles andere als ein Nachteil für die Stimmungslage im SSB-Waldaupark, erst recht, als Cheftrainer Mustafa Ünal auf der Bühne sagte: „Wir sind nicht hier, um Zweiter zu werden. Wir wollen mehr!“

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Einige Mitglieder nahmen an der alljährlichen Zusammenkunft digital teil, und auch sie dürften positiv überrascht gewesen sein: Der ehemalige Bundesligist spielt nun schon das vierte Jahr in der fünften Liga – und selbst in schwierigen Coronazeiten schreiben die Blauen schwarze Zahlen. Präsident Rainer Lorz konnte am Montag für das Geschäftsjahr vom 1. Juli 2020 bis zum 30. Juni 2021 einen Überschuss von 251 000 Euro vermelden. Zum Vergleich: Im Vorjahr betrug das Plus 226 000 Euro. Dadurch verringerte sich das seit Jahren negative Eigenkapital auf 2,016 Millionen Euro. Die bilanzielle Überschuldung hat wegen der positiven Fortschreibungsprognose jedoch keine Auswirkungen auf das operative Geschäft.

„Wir kommen finanziell langsam in ruhigeres Fahrwasser“, sagte Lorz. Wie das trotz der wenig erbaulichen Begleitumstände zu erklären ist? „Die Sponsoren halten uns in beeindruckender Weise die Treue, neue kommen hinzu, auf der anderen Seite waren die Aufwendungen geringer, und wir bekamen vielfältige staatliche und städtische Zuschüsse und Unterstützungsleistungen“, erklärte der Kickers-Chef.

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Konkret sah das Zahlenwerk wie folgt aus: Insgesamt gingen die Erträge von 3,388 Millionen Euro auf 2,663 Millionen Euro zurück. Durch den vorzeitigen Saisonabbruch sanken die Spielerträge durch geringere Zuschauereinnahmen von 322 000 Euro auf 218 000 Euro, auch die Werbeeinnahmen fielen von 1,5 Millionen Euro auf 1,1 Millionen Euro. Das konnte durch die geringeren Ausgaben kompensiert werden, denn diese sanken von 3,162 Millionen Euro auf 2,412 Millionen Euro, was an den reduzierten Aufwendungen für die erste Mannschaft und die Jugend (246 000 Euro statt zuvor 406 000 Euro) lag. Prämien entfielen, das Kurzarbeitergeld stellte eine enorme Hilfe dar. Durch den Wegfall der Spiele konnten Reisekosten, Gelder für den Ordnungs- und Sicherheitsdienst eingespart werden, statt 600 000 Euro mussten in diesem Bereich nur 346 000 Euro ausgegeben werden. „Wir stehen stabil da, aber das Interesse kann auch erlahmen, wenn der nächste Schritt nicht kommt“, untermauerte Lorz die Aufstiegsziele vier Spieltage vor Beginn der Winterpause.

Schon vor der Mitgliederversammlung hatte Lorz erklärt, nicht noch einmal für eine komplette Amtszeit zur Verfügung zu stehen. Er will in den nächsten Monaten einen Nachfolger aufbauen und die Kickers nur allzu gerne mit einem Aufstieg in neue Hände geben: „Ich bringe angefangenes gerne zu Ende.“ Unabhängig davon sieht der Rechtsanwalt (seit 2010 an der Kickers-Spitze) die Blauen in den Gremien sehr gut aufgestellt. Es herrscht Kontinuität: Lorz’ Mitstreiter im Präsidium erklärten sich bereit, in gleicher Besetzung für eine weitere Amtsperiode (also drei Jahre) dabeizubleiben. Drei neue Gesichter gibt es künftig im Aufsichtsrat: Stefan Hencke (Inhaber der Convensis Group), der ehemalige Fan-Sprecher Steffen Müller und Rechtsanwalt Christian Steinle, der den Vorsitz des Kontrollgremiums von Alexander Lehmann übernimmt und schon mal erklärte, wo er im Stadion zu finden ist: „Mein Schwenkfahne im B-Block ist nicht zu übersehen.“ Lehmann hatte erst im Juni 2020 Christian Dinkelacker an der Spitze abgelöst. Er macht nun aus beruflichen und privaten Gründen nicht weiter, bleibt dem Gremium aber erhalten. Der ehemalige Journalist Guido Dobbratz wurde zudem in den Ehrenrat aufgenommen.

Führungsmannschaft der Kickers

Präsidium
 Präsident Rainer Lorz (58, Rechtsanwalt), Schatzmeister Christian Hutter (36, Unternehmensberater), Ingo Kochsmeier (52, Betriebswirt), Holger Schäfer (64, Geschäftsführer CCP Condor Computer GmbH), Jürgen Kindler (49, Geschäftsführer Kratzer & Rieber Hoch- und Stahlbetonbau GmbH & Co).

Aufsichtsrat
 Vorsitzender Christian Steinle (50, Rechtsanwalt), Alexander Lehmann (52, Geschäftsführer Minol Messtechnik)Lutz Meschke (54, Vorstand Finanzen und IT der Porsche AG), Ralf Hofmann (58, Vorsitzender der Geschäftsführung von Porsche-Tochterunternehmen MHP), Philipp Pfeifer (42, selbstständiger Berater und Trainer im Bereich Gesundheitsmanagement und Stressprävention), Günter Daiss (82, Unternehmer), Daniela Koch (45, Steuerberaterin und Wirtschaftsprüferin), Stefan Hencke (59, Kommunikationsberater, Inhaber und Geschäftsführer Convensis Group), Steffen Müller (44, Projektleiter Einkauf bei der Mercedes-Benz AG). Kooptiertes Mitglied: Olaf Gerber (53, Rechtsanwalt). (jüf)




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