Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart Was die VfB-Mitglieder am Sonntag zu bestimmen haben

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Auf der Mitgliederversammlung des VfB Stuttgart geht es am Sonntag nicht nur darum, wer neuer Vereinspräsident wird – es gibt auch noch andere Posten zu besetzen. Zur Wahl steht auch eine ehemaliger Fußballprofi, der jetzt als Arzt tätig ist und Kriminalromane schreibt.

Die VfB-Mitgliederversammlung im Juli im Stadion endete vorzeitig – am Sonntag in der Schleyerhalle sind Posten im Präsidium und dem Vereinsbeirat zu besetzen. Foto: Baumann
Die VfB-Mitgliederversammlung im Juli im Stadion endete vorzeitig – am Sonntag in der Schleyerhalle sind Posten im Präsidium und dem Vereinsbeirat zu besetzen. Foto: Baumann

Stuttgart - Bei Tagesordnungspunkt 9b, so viel steht jetzt schon fest, wird die Spannung am größten. Er lautet „Nachwahl des Präsidenten“ und entscheidet darüber, wer neues Vereinsoberhaupt des VfB Stuttgart wird. Ob sich Christian Riethmüller (44) oder Claus Vogt (50) durchsetzt, ist am Sonntag aber nur eine von mehreren Fragen, die bei der Außerordentlichen Mitgliederversammlung in der Schleyerhalle beantwortet werden. Denn es gibt in den VfB-Gremien auch noch andere Plätze zu besetzen.

Präsidium: Seit der im Chaos geendeten Mitgliederversammlung Mitte Juli besteht das VfB-Präsidium aus Bernd Gaiser (58), der seit dem Abgang von Wolfgang Dietrich (71) kommissarisch die Geschäfte führt, und Hans H. Pfeifer (71), der vorübergehend aus dem Vereinsbeirat aufgerückt ist und seinen Platz am Sonntag wieder frei macht. Nun wird neben seinem neuen Clubchef auch ein drittes Präsidiumsmitglied gesucht – es ist der Nachfolger von Thomas Hitzlsperger (40), der bereits im Februar in den AG-Vorstand gewechselt war. Sein Stuhl sollte eigentlich schon Mitte Juli wiederbesetzt werden. Doch trieb die denkwürdige WLAN-Panne damals nicht nur Wolfgang Dietrich in den Rücktritt – sie verhinderte auch die Wahl des neuen Präsidiumsmitglieds.

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Die beiden Kandidaten sind unverändert geblieben: Werner Gass (65), langjähriger Kapitän der zweiten VfB-Mannschaft, und Rainer Mutschler (59), früherer Marketingchef des VfB und seit 1. Juli administrativer Leiter des Nachwuchsleistungszentrums. Der frühere VfB-Meistertorhüter Timo Hildebrand (40) hatte sich ursprünglich ebenfalls beworben, war vom Vereinsbeirat aber schon Mitte Mai abgelehnt worden. Neue Bewerber kamen nach der geplatzten Wahl nicht hinzu – wohl auch deshalb, weil der VfB auf die Möglichkeit einer erneuten Bewerbung nach Meinung von Kritikern nur im Kleingedruckten hingewiesen hatte.

Vereinsbeirat: Neun Plätze umfasst das Gremium, das unter anderem dafür zuständig ist, den Mitgliedern geeignete Kandidaten für das Präsidium vorzuschlagen. Zuletzt waren allerdings nur acht besetzt, da Hans H. Pfeifer seit Juli als Interimspräsidiumsmitglied fungierte. Nun will der frühere Citymanager wieder in den Beirat zurückkehren – laut Satzung allerdings ist hierfür eine erneute Wahl nötig, der sich auch Pfeifer stellen muss.

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Es ist kein Geheimnis, dass der VfB fest aufseiten des langjährigen Vereinssoldaten steht – doch dürfte seine Wahl keine Formsache werden. Denn Pfeifer hat einen durchaus ernst zu nehmenden Konkurrenten, der sich ebenfalls um die freie Stelle beworben hat und vom Beirat als zweiter Kandidat zugelassen wurde: Marc Nicolai Schlecht (45), VfB-Herzblutfan mit schillernder Vita.

Bereits mit 18 wurde der gebürtige Stuttgarter Fußballprofi und war in Zweitligazeiten Ersatztorwart der Stuttgarter Kickers. Später studierte er Medizin und führt inzwischen als Orthopäde eine eigene Praxis auf dem Killesberg. Nebenher ist Schlecht als Dozent tätig und schreibt unter dem Pseudonym Jeremias Trumpf Kriminalromane, die er im eigenen Verlag herausgibt. Seinen Vorteil sieht der Vater von vier Kindern, der in den vergangenen Wochen bei Besuchen mehrerer Fanclubs um Stimmen geworben hat, neben der fußballerischen Expertise und der Erfahrung als Unternehmer auch darin, dass er kein Netzwerk im Verein habe und daher völlig unabhängig sei.

Satzungsänderung: Bereits vor den Wahlen der drei neuen Vereinsvertreter entscheiden die VfB-Mitglieder über den Antrag des Präsidiums zur Satzungsänderung. Dabei soll die Möglichkeit geschaffen werden, dass nicht mehr nur auf elektronischem, sondern in Einzelfällen auch auf „alternativem“ Wege abgestimmt werden kann, also etwa durch Handzeichen. So soll verhindert werden, dass noch einmal eine Versammlung wegen technischen Defekts abgebrochen werden muss.

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Einige Anträge der Mitglieder wurden abgeschmettert, darunter auch das verwegene Ansinnen, die Präsidentenwahl abzublasen. Der Antrag, nicht nur zwei, sondern mehrere Kandidaten vorzuschlagen, wurde ebenfalls zurückgewiesen. Grund: Dies führe „zu umfangreichen Wahlkämpfen“ und einer „aufgeblähten Mitgliederversammlung“ und senke die Wahrscheinlichkeit, „die am besten geeignete Person für eine Kandidatur zu gewinnen“. Erfolglos blieb auch der Antrag zweier Mitglieder, über die Gründung einer Frauenfußballabteilung abstimmen zu lassen. Einen Beschluss hält der VfB für unnötig, da sich das Präsidium „bereits mehrfach für diesen Schritt ausgesprochen“ habe.