Mitgliederversammlung in Stuttgart Haus und Grund hilft 16 000 Mal mit Rat und Tat
Bei der 119. Mitgliederversammlung befasst sich der Verein mit Problemen beim Bau, aber auch mit dem Zukunftsprojekt IBA 27.
Bei der 119. Mitgliederversammlung befasst sich der Verein mit Problemen beim Bau, aber auch mit dem Zukunftsprojekt IBA 27.
Mit dem Titel „Stuttgart 2027 – das Bild einer Region, die mit Zuversicht Zukunft gestaltet!“ hat Andreas Hofer, der Intendant der Internationalen Bauausstellung 2027, seinen Gastvortrag bei der Mitgliederversammlung des Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümervereins Haus & Grund Stuttgart überschrieben. Mehr als 1000 Gäste lauschten in der Liederhalle seinen Worten, die Mut und Lust machten auf Städtebau und das Wohnen von morgen.
Hofer startete mit der Weißenhofsiedlung, die 1927 entstand für die Bauausstellung „Die Wohnung“ darunter auch Le Corbusiers Bau. „Und wir empfinden das immer noch als modern!“ Diese Radikalität neu zu denken sei Inspiration und Motivation für die IBA ’27. Hundert Jahre später habe man die ganze Region einbezogen, „drei Millionen Menschen und 179 Kommunen“.
Einige IBA-’27-Projekte stellte Hofer beispielhaft vor, etwa das sozial und ökologisch nachhaltige Quartier „Zukunft Münster 2050“ und das „Quartier Neckarspinnerei“. Der Schweizer räumte ein, dass innovative Bauvorhaben heute lange dauern – die Weißenhofsiedlung entstand in knapp vier Monaten – , sodass die Projektdauer von einem Jahrzehnt für eine Bauausstellung knapp sei. 2027 werde daher „nur“ ein Zwischenstand präsentiert – allerdings ein beeindruckender.
In sehr gutem Zustand präsentierte Haus & Grund-Vorsitzender Joachim Rudolf den Verein: steigende Zahlen zufriedener Mitglieder – knapp 24 500 Ende 2024 –, mehr Veranstaltungen, solide Finanzen. Man sei schuldenfrei bei einem Eigenkapitalanteil von 92 Prozent. Aus Hofers Rede nahm er die Baukosten auf. „Von mehr als 4600 Euro pro Quadratmeter für einen Neubau müssen wir auf 3000 Euro runterkommen.“ Er bedauerte, dass Stuttgart mit seinen 610 000 Einwohnern wegen des neuen Wahlrechts beim Bund unterrepräsentiert sei. Und dass die baden-württembergische Bauministerin Nicole Razavi „voreilig“, „ohne Not“ und „ohne den tatsächlichen Bedarf zu prüfen“ im Wahlkampf die Mietpreisbremse im Land verlängert habe. Positiv sei, dass auf Drängen des Vereins OB Frank Nopper das Bündnis für Wohnen wiederbelebt habe und es nun einen neuen Unterausschuss „Wohnen“ im Gemeinderat gebe: „Wir sind mit einem Sitz vertreten.“ Nopper habe zudem angekündigt: Das Baurechtsamt werde „schneller und effizienter“ und um eine „allgemeine baurechtliche Beratung“ ergänzt. So könne aus einem „Bauverhinderungsamt“ vielleicht ein „Bauermöglichungsamt“ werden.
Dass bei Haus & Grund Beratung und Vertretung gegenüber Politik sowie Entscheidungsträgern bei Stadt, Land und Bund weiter an Bedeutung gewonnen habe, betonte auch der Geschäftsführer Ulrich Wecker. „Insgesamt standen wir Mitgliedern rund 16 000 mal mit Rat und Tat zur Seite.“ Zu den Themen gehörten unter anderem Heizung, Mieten und neue Grundsteuer. Zu letzterer habe Haus & Grund geklagt, der Politik Vorschläge zur Abhilfe gemacht. „Das Land könnte den wohnwirtschaftlichen Abschlag bei der Grundsteuer B auf 40 Prozent erhöhen“, so Wecker. Es sei ärgerlich, dass es eine Lastenverschiebung von Gewerbe auf Wohneigentum gebe und Stuttgart – anders als andere Großstädte – dazu keine konkreten Zahlen herausrücke, kritisiert er.