Mitmachgarten in Stuttgart-Vaihingen Wenn Studenten zu Gärtnern werden

Von Wiebke Wetschera 

Die Hochschulgruppe „Greening Stuttgart“ hat einen Garten auf dem Campus errichtet. Dieser lädt Studierende zum Gärtnern und Entspannen ein – aber auch zum Pflücken der Leckereien.

Michael Heidrich (rechts) und Natnael   Kidane entspannen sich mit ihren Kommilitonen im Garten. Foto: Wiebke Wetschera
Michael Heidrich (rechts) und Natnael Kidane entspannen sich mit ihren Kommilitonen im Garten. Foto: Wiebke Wetschera

Vaihingen - Zwischen grauen Betonklötzen und zahlreichen Baustellen rund um die Universität in Vaihingen findet sich eine kleine Grünfläche voller Pflanzen. Mit Hochbeeten und Sitzmöbeln aus Euro-Paletten lädt der sogenannte „Mitmachgarten“ Studenten zum Flanieren und Gärtnern ein. Mitmachen kann jeder, wie der Name schon sagt. Ursprünglich ist der Garten aber ein Projekt der Hochschulgruppe „Greening Stuttgart“, die sich für mehr Nachhaltigkeit auf dem Campus einsetzt.

Seit anderthalb Jahren gibt es den Rückzugsort für Studenten und das Paradies für Hobby-Gärtner nun. „Das Projekt läuft super. Am Anfang wollten wir einen anderen Standort direkt gegenüber der Bibliothek haben, um mittendrin zu sein. Dann haben wir diese – anfangs noch verwilderte – Grünfläche abseits vom Geschehen bekommen“, sagt Natnael Kidane, ein Mitglied der Hochschulgruppe. „Wir sind aber sehr zufrieden damit, weil es ein ruhiger Rückzugsort ist.“ Rund zehn bis 15 Mitglieder der Hochschulgruppe kümmern sich regelmäßig um den Garten. Darüber hinaus gibt es viele weitere Helfer, die an der Grünfläche mitarbeiten. „Es gibt engagierte Leute, die hier ständig irgendwas machen“, sagt Michael Heidrich, einer der Initiatoren des Projekts. Aber er sei auch häufig da und nehme den anderen eher die Arbeit „weg“.

Großes Interesse an Projektgarten

Die freiwilligen Helfer, die nicht Mitglied des Projekts sind, können das eingeschlossene Werkzeug nicht benutzen. Stattdessen können sie sich eine Gießkanne schnappen und das Gemüse bewässern. Wer gegossen hat, stellt die Gießuhr auf den jeweiligen Tag um. So wissen die anderen Helfer, dass bereits jemand die Pflanzen gewässert hat. „Am Anfang sitzen die Studenten nur hier, dann wollen sie irgendwann auch mitmachen“, erklärt Heidrich. Demnach sei die Zahl der Besucher und Helfer seit April 2015 deutlich gestiegen. Selbst die täglichen Helfer würden kaum mehr alle Gesichter kennen, geschweige denn die Namen.

Von Rucola über Erdbeeren bis zu Kräutern für Tee ist im Mitmachgarten eine bunte Vielfalt von gesundem Essbarem zu finden. Das Interesse daran geht weit über die Studierenden hinaus. Oft schauen Kindergartenkinder von nebenan oder auch Institutsmitarbeiter rund um die Universität im Garten vorbei. „Alle pflegen den Garten, und alle finden es cool“, sagt Kidane. Er kann das Interesse am Garten bestens verstehen: „Wenn du deine eigenen Tomaten gepflanzt hast, dann schmeckt das Essen am Ende des Tages doch besser.“

Weitere Pläne für den Mitmachgarten

Künftig soll der Mitmachgarten weiter ausgebaut werden. „Nächstes Jahr gibt es einen Holunder, der wird gerade bei mir herangezogen“, sagt Heidrich, der über die Wintermonate fleißig für den Garten züchtet. „Beim Holunder sind sowohl die Blüten, als auch die Früchte gut nutzbar, und er kann in vielen Facetten verarbeitet werden.“ So hat Heidrich die Hoffnung, dass möglichst viele Studenten einen Nutzen aus der Ernte ziehen können. Langfristig wollen die Initiatoren noch zusätzliche Fläche gewinnen. Derzeit sind sie in Gesprächen mit der Universität. Dabei gehe es auch um die Möglichkeit, einen Veranstaltungsort zu schaffen. Anfangs sei die Skepsis gegenüber dem Mitmachgarten noch groß gewesen. Entgegen der Befürchtungen hätte es bisher aber keine schlechten Erfahrungen mit dem Garten gegeben, sagt Kidane. Im Gegenteil: Bereits zu Beginn erhielt der Mitmachgarten viel Unterstützung. So bekam das Projekt unter anderem zahlreiche Euro-Paletten vom Großmarkt Stuttgart geschenkt.

Im studentischen Garten darf nicht nur jeder pausieren und mithelfen, sondern sich auch an dem Obst und Gemüse bedienen. Das Projekt Mitmachgarten ist in Heidrichs Augen geglückt. Für ihn ist es ein Ort, an dem man „gemeinsam gärtnern, entspannen und sein Wissen erweitern kann.“ Bis zum ersten Frost gibt es noch reichlich zu ernten. Dann wird überwintert, damit der Garten auch im nächsten Sommer wieder zum Entspannen einlädt.

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